Generationentreffen der Vier Ringe: Wenn der 925 PS starke Audi RS e-tron GT auf den legendären Rekordwagen Auto Union „Lucca“ trifft
Beim historischen Aufeinandertreffen des neuen Audi RS e-tron GT performance und des detailgetreu rekonstruierten Auto Union Typ A Stromlinienwagens „Lucca“ begegnen sich zwei Epochen des absoluten Tempos. Während der rein elektrische Gran Turismo RS e-tron GT mit phänomenalen 925 PS und über 1’000 Nm Drehmoment das aktuell stärkste Serienmodell der Marke markiert, erinnert der spektakuläre Nachbau des „Lucca“-Silberpfeils an Hans Stucks legendäre Bestzeit von 320,267 km/h auf italienischem Asphalt im Jahr 1935. Diese Evolution der Geschwindigkeit gipfelt in der Gegenwart durch die Enthüllung des neuen Audi Nuvolari, eines 1’001 PS starken Supersportwagens mit V8-Motor und drei E-Maschinen.
SP-X/Lucca. Es passiert ohne Vorwarnung. Ein kurzer Druck aufs Fahrpedal, ein kaum wahrnehmbares Zucken im Rücken – und man geht auf Kollisionskurs mit dem Horizont. Der Audi RS e-tron GT performance beschleunigt so vehement, dass es einem den Atem raubt. 925 PS und über 1.000 Newtonmeter machen ihn zum stärksten Serienmodell im Zeichen der Ringe. Kein Dröhnen, kein Fauchen, kein Drama. Der elektrische Gran Turismo erledigt seine Arbeit mit einer beinahe irritierenden Gelassenheit und schüttelt die 2,5 Sekunden für den Standardsprint ganz nonchalant aus dem Ärmel.
Auto Union Typ A Stromlinienwagen
Wenige Meter weiter steht ein Auto, das von einer völlig anderen Vorstellung von Geschwindigkeit erzählt. Lang, flach und silbern schimmert der Auto Union Typ A Stromlinienwagen in der Sonne der Toskana. Jener Rekordwagen, der als „Lucca“ in die Geschichte eingegangen ist, weil Hans Stuck ziemlich genau hier zwischen Florenz und Pisa auf einem halbwegs neuen Stück Asphalt am 15. Februar 1935 die fliegende Meile mit 320,267 km/h absolviert und dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h erreicht hat.
Technische Grenzen verschieben
Fast hundert Jahre später steht der Silberling wieder in der Sonne des Südens. Beide markieren die Spitze dessen, was die vier Ringe zu ihrer jeweiligen Zeit auf die Straße gebracht haben. Beide entstanden aus dem Ehrgeiz heraus, technische Grenzen zu verschieben. Mehr braucht es nicht, um sie zu verbinden.
Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer
Die Geschichte des Lucca beginnt in einer Zeit, in der Geschwindigkeit noch Abenteuer bedeutete. Die gerade erst aus dem Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer gegründete Auto Union hatte Rennen und Rekorde als perfekte Werbung entdeckt und lieferte sich mit Mercedes ein erbittertes Duell um Bestzeiten und Schlagzeilen. Als Rudolf Caracciola im Herbst 1934 einen Rekord der Sachsen überbot, reagierten die Ingenieure in Zwickau mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Besessenheit. Sie verpassten ihrem Grand-Prix-Rennwagen eine Stromlinienkarosserie aus dem Windkanal und schufen ein Auto, das eher an ein Flugzeug ohne Flügel erinnerte. Auf einer Straße bei Lucca holte Hans Stuck den Rekord zurück.
Jahrzehntelang existierte der Lucca nur noch auf Fotos
Allerdings nur in den Archiven. Denn wie damals üblich, wurde der Rekordwagen wenig später umgebaut und schließlich als Teilespender für die nächste Saison verwendet. Jahrzehntelang existierte der Lucca nur noch auf Fotos. Bis die Audi Tradition beschloss, diese Lücke zu schließen. Drei Jahre lang haben Fuhrparkchef Timo Witt und die Spezialisten bei Crosthwaite & Gardiner in England historische Zeichnungen ausgewertet, Bleche von Hand geformt und jedes Detail rekonstruiert. Das Ergebnis steht nun in der Toskana und sieht aus, als hätte Hans Stuck den Wagen gerade erst abgestellt.
Statt 343 PS nun 520 PS unter der Haube
„Es ist alles genau so, wie es damals war“, sagt Witt und schränkt dabei ein wenig ein. Denn dass er für dieses Projekt nur einen eher niedrigen siebenstelligen Betrag ausgeben musste, liegt auch daran, dass er einen Austauschmotor nutzt – im Rennsport damals wie heute eine gängige Praxis. Statt des historischen 16-Zylinders mit fünf Litern Hubraum sitzt jetzt ein Sechsliter im Heck, der äußerlich nicht zu unterscheiden ist. Angenehmer Nebeneffekt: Statt 343 PS wie damals leistet der Rekordwagen Baujahr 2026 mal eben 520 PS.
Das Cockpit ist eng wie eine Konservendose
Bei einer Sitzprobe wird deutlich, wie weit die automobile Entwicklung seitdem gekommen ist. Das Cockpit ist eng wie eine Konservendose, die Beine passen kaum unter dem riesigen Lenkrad durch in den schmalen Tunnel zu den Pedalen, und die Kanzel ist so knapp bemessen, dass man den Kopf fast schräg legen muss. Für einen Helm ist kaum Platz, genauso wenig wie für Sicherheitsgurte. Und das, obwohl direkt im Rücken eine explosive Mischung aus Methanol, Benzin und Toluol schwappt und dahinter eine Höllenmaschine von Motor tobt. Die Luft beginnt zu flimmern, Hitze schlägt aus dem Heck, Flammen zucken aus den Auspuffrohren. Wer jetzt noch glaubt, Geschwindigkeit lasse sich vor allem in Zahlen ausdrücken, versteht, dass sie früher vor allem körperlich war. Eine Tortur. Und trotzdem jagten Männer wie Hans Stuck oder Bernd Rosemeyer mit über 320 km/h über öffentliche Straßen.
Perspektivwechsel: Audi RS e-tron GT
Der Perspektivwechsel in den RS e-tron GT könnte kaum größer sein. Auch er markiert die Spitze des technisch Machbaren. Doch statt seine Fähigkeiten mit Lärm und Dramatik zu inszenieren, verwandelt er sie in scheinbare Mühelosigkeit. Mit dem 105-kWh-Akku schafft er in der Praxis gut 450 Kilometer, die Ladeleistung von 320 kW zwingt zu Espresso statt Cappuccino, und sein Fahrwerk verbindet Dynamik mit Komfort auf einem Niveau, das man sich in den Dreißigern nicht hätte vorstellen können. Der Lucca wurde für eine einzige fliegende Meile gebaut. Der RS e-tron GT taugt für die große Reise.
Der Lucca fährt huckepack nach Hause
Als die Ausfahrt endet, rollt der Lucca zurück auf seinen Anhänger. Zu wertvoll, zu kompromisslos für eine längere Reise auf eigener Achse. Der schnellste Audi seiner Zeit zuckelt auf der rechten Spur huckepack nach Hause. Der schnellste Audi von heute braucht keine Helfer.
Hans Stuck
Einsteigen. Ziel eingeben. Losfahren. Erst gemütlich auf der Autostrada, dann über den Brenner und dann mit Bleifuß am Limit von 250 km/h über eine leere Autobahn. Und nach zehn Stunden wie im Flug steigt man nördlich der Alpen einfach aus, streckt sich kurz und geht weiter. Nur die Gedanken wandern zurück. Zurück zu Hans Stuck, der mit über 320 km/h durch die Toskana geschossen ist – im Nacken ein Monster von Motor und vor den Augen ein Asphaltband schmal wie Messers Schneide.
Der Lucca erinnert an eine Zeit, in der Geschwindigkeit noch ein Abenteuer war
Objektiv betrachtet hat die Moderne gewonnen. Emotional ist die Sache weniger eindeutig. Denn der Lucca erinnert an eine Zeit, in der Geschwindigkeit noch ein Abenteuer war. Als Rekorde wichtiger waren als Vernunft und jede Fahrt ein kleines Himmelfahrtskommando darstellte. Diese Faszination hat bis heute nichts von ihrer Kraft verloren – gerade weil moderne Automobile so perfekt geworden sind, wirkt die rohe Unmittelbarkeit des Rekordwagens heute noch beeindruckender.
Audi Nuvolari
Und vielleicht bleibt diese Geschichte nicht nur ein Blick zurück. Denn der RS e-tron GT hat womöglich gerade eben seinen Meister gefunden. Weil sie bei Audi erkannt haben, dass ein Elektroauto mit seiner fast klinischen Präzision nur eingeschränkt als Erbe des Lucca taugt, haben die Herren der Ringe beim Formel-1-Wochenende in Monaco mit dem Nuvolari einen Supersportwagen enthüllt. 1.001 PS, mehr als 350 km/h, drei E-Motoren und ein V8, der bis zu 10.000 Touren dreht – so leben irgendwie beide Autos im Nuvolari weiter.
Die Gier nach Geschwindigkeit ist ungebrochen
Erst der Lucca, dann der RS e-tron GT, bald der Nuvolari. Die Gier nach Geschwindigkeit ist ungebrochen. Und selbst wenn sie mit drei ganz unterschiedlichen Antriebstechniken erreicht wird: Entwickelt wurden alle drei mit dem gleichen Antrieb – in Eile vereint.
Häufig gestellte Fragen zu den Audi Performance-Ikonen