Das feine Dutzend: Die letzten 5 Autos mit echtem V12-Motor im Überblick
Zwölf Zylinder waren einst das Maß der Dinge im Motorenbau. Doch strengere Abgasgesetze und die Elektrifizierung haben den V12 fast ausgerottet. Ein paar Hersteller halten dem feinen Dutzend die Treue. Aber selbst Geld und gute Worte reichen oft nicht, um das zu genießen.
Welche Autos werden heute noch mit einem V12-Zwölfzylinder gebaut?
Während strenge Abgasnormen und die Elektrifizierung den Zwölfzylinder bei den meisten Volumenherstellern verdrängt haben, halten fünf exklusive Luxus- und Sportwagenmarken weiterhin am V12 fest:
Rolls-Royce Phantom: 6,75-Liter-V12-Biturbo (571 PS) für lautlose Souveränität ab rund 550.000 Euro.
Ferrari 12Cilindri: Reiner 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit 830 PS und bis zu 9.500 U/min ab etwa 400.000 Euro.
Lamborghini Revuelto: 6,5-Liter-V12-Sauger kombiniert mit drei Elektromotoren zu 1.015 PS Systemleistung ab ca. 500.000 Euro.
Aston Martin Vanquish: 5,2-Liter-V12-Biturbo mit 835 PS und 1.000 Nm Drehmoment ab rund 400.000 Euro.
Mercedes-Maybach S 680 / AMG: 6,0-Liter-V12-Biturbo mit 612 PS (in Europa vor allem für Sonderschutz-Fahrzeuge Guard sowie Pagani-Hypercars).
SP-X/Köln. Es gibt Motoren, die treiben ein Auto einfach an. Und es gibt Motoren, die ein ganzes Auto definieren. Der Zwölfzylinder gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Seit mehr als einem Jahrhundert gilt er als Königsdisziplin des Motorenbaus. Nicht, weil er zwangsläufig der stärkste wäre. Sondern weil kein anderes Triebwerk Kraft, Laufruhe und Souveränität so selbstverständlich miteinander verbindet. Zwölf kleine Kolben arbeiten harmonischer als acht mittlere oder sechs große. Vibrationen verschwinden nahezu vollständig, Leistung entsteht ohne jede Anstrengung. Wer einmal einen V12 erlebt hat, versteht, warum Ingenieure jahrzehntelang von seiner Perfektion schwärmten.
Dabei begann seine Karriere nicht auf Rennstrecken, sondern in den Luxuslimousinen der Vorkriegszeit. Marken wie Packard, Cadillac, Hispano-Suiza oder Rolls-Royce entdeckten früh, dass zwölf Zylinder weniger der Raserei dienten als dem kultivierten Reisen. Erst später machten Ferrari, Lamborghini oder Jaguar den V12 auch zum Sportabzeichen. Mit jedem zusätzlichen Zylinder wuchs nicht nur die Leistung, sondern auch das Prestige. Zwölf Töpfe waren nie vernünftig. Genau deshalb waren sie begehrenswert.
Lange schien diese Faszination unantastbar. Noch vor zwanzig Jahren gehörten Zwölfzylinder bei Mercedes, BMW, Audi, Ferrari, Aston Martin oder Bentley zum guten Ton der Oberklasse. Selbst Volkswagen gönnte sich mit dem Phaeton einen Zwölfzylinder, und im Supersportwagenregal gehörte der V12 fast schon zum Pflichtprogramm. Doch dann änderten sich die Vorzeichen. Downsizing ersetzte Hubraum durch Turbolader, Verbrauchs- und Emissionsvorgaben wurden strenger, und schließlich begann die Elektrifizierung das automobile Koordinatensystem komplett neu zu ordnen. Elektromotoren liefern ihr maximales Drehmoment schließlich schon beim Anfahren – ganz ohne zwölf Brennräume.
Heute sind Zwölfzylinder deshalb keine technische Notwendigkeit mehr. Sie sind ein emotionales Statement. Wer sie baut, macht das nicht, weil es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Sondern weil sie Teil der eigenen Marken-DNA sind. Ferrari würde ohne V12 ein Stück seiner Seele verlieren. Rolls-Royce wäre ohne ihn kaum der Inbegriff vollkommener Gelassenheit. Lamborghini hält an ihm fest, obwohl inzwischen Elektromotoren mitarbeiten. Aston Martin sieht im V12 den letzten großen Grand-Touring-Motor. Und Mercedes? Die Schwaben haben ihren legendären Zwölfzylinder für Europa bereits verabschiedet – und bewahren ihn nur noch für ausgewählte Exportmärkte und einen ganz besonderen Kunden.
So ist aus einer ehemals selbstverständlichen Motorengattung eine exklusive Rarität geworden. Wer heute noch einen fabrikneuen Zwölfzylinder kaufen möchte, braucht nicht nur ein prall gefülltes Konto – sondern wenn’s dumm läuft, sogar den richtigen Wohnsitz. Fünf von den letzten ihrer Art haben wir hier noch einmal zusammengestellt.
Rolls-Royce Phantom: Der Flüsterkönig
Wenn Ingenieure von der Perfektion des Verbrennungsmotors sprechen, dann meinen sie meist genau dieses Triebwerk. Der 6,75 Liter große V12-Biturbo im Rolls-Royce Phantom, den es freilich auch im Ghost und im Cullinan gibt, leistet 571 PS und entwickelt 900 Newtonmeter Drehmoment. Beeindruckender als die nackten Zahlen ist allerdings die Art, wie er sie entfaltet. Keine Hektik, kein Aufheulen, keine spürbaren Lastwechsel – der Motor scheint die Physik einfach auszublenden. Schon knapp über Leerlauf schiebt der Phantom majestätisch an und gleitet nahezu lautlos davon. Genau das war seit jeher die Philosophie der Marke: Der Fahrer soll den Motor nicht wahrnehmen, sondern nur seine Wirkung spüren. Mit einem Basispreis von rund 550.000 Euro gehört der Phantom zu den exklusivsten Serienlimousinen der Welt. Und solange Rolls-Royce an diesem Zwölfzylinder festhält, bleibt er wohl auch das kultivierteste Automobil seiner Art.
Ferrari 12Cilindri: Die letzte Oper
Während andere Hersteller ihre großen Motoren elektrifizieren oder ganz aufgeben, feiert Ferrari den Zwölfzylinder noch einmal in Reinform. Der neue 12Cilindri trägt seinen Antrieb sogar selbstbewusst im Namen. Sein 6,5 Liter großer Saugmotor entwickelt 830 PS, dreht bis auf 9.500 Touren und kommt völlig ohne Turboaufladung aus. Eine technische Rarität in einer Zeit, in der fast alle Hochleistungsmotoren auf künstliche Beatmung setzen. Gerade deshalb begeistert der Ferrari nicht nur mit Leistung, sondern vor allem mit Charakter. Er reagiert messerscharf aufs Gaspedal, baut seine Kraft linear auf und klingt wie eine italienische Oper in voller Lautstärke. Rund 400.000 Euro kostet der Einstieg in diese automobile Zeitkapsel. Viel Geld – aber vielleicht die letzte Gelegenheit, einen frei saugenden Zwölfzylinder aus Maranello neu zu erleben.
Lamborghini Revuelto: Stier mit Stromstoß
Auch Lamborghini verabschiedet sich nicht vom Zwölfzylinder, erlaubt ihm aber Unterstützung aus der Steckdose. Im Revuelto kombiniert die Marke ihren legendären 6,5-Liter-Saugmotor mit drei Elektromotoren und einem Plug-in-Hybrid-System. Gemeinsam entsteht eine Systemleistung von 1.015 PS, genug für den Sprint auf Tempo 100 in nur 2,5 Sekunden und mehr als 350 km/h Spitze. Das Bemerkenswerte daran: Trotz aller Elektrifizierung bleibt der V12 der Star des Antriebs. Die Elektromotoren überdecken ihn nicht, sondern machen ihn spontaner und noch explosiver – und mit dem gerade vorgestellten Revuelto SV legen die Italiener sogar nochmal nach. Lamborghini zeigt damit, dass Hybridtechnik nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet. Im Gegenteil: Der Revuelto ist der Beweis, dass sich Tradition und Zukunft durchaus verbinden lassen – sofern man rund 500.000 Euro investieren kann.
Aston Martin Vanquish: Der Gentleman mit Biss
Kaum eine Marke verbindet den Zwölfzylinder so eng mit dem klassischen Gran Turismo wie Aston Martin. Schon seit dem DB7 V12 prägt das Triebwerk den Charakter der Briten, und der neue Vanquish führt diese Tradition fort. Unter seiner langen Haube arbeitet ein 5,2 Liter großer Biturbo-V12 mit 835 PS und satten 1.000 Newtonmetern Drehmoment. Damit sprintet der elegante Zweitürer in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht über 340 km/h. Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Der Vanquish will kein kompromissloser Supersportler sein, sondern ein Reisewagen für höchste Geschwindigkeiten – kraftvoll, gelassen und mit einer Klangkulisse, die an die großen Aston Martin der vergangenen Jahrzehnte erinnert. Mit einem Grundpreis von rund 400.000 Euro bleibt auch er ein exklusives Vergnügen. Vielleicht ist der Vanquish sogar der letzte echte Gentleman unter den Zwölfzylindern: kraftvoll, stilvoll und niemals aufdringlich.
Mercedes-Maybach S 680: Zwölf Zylinder im Exil
Deutschland hat den Zwölfzylinder fast vollständig verabschiedet. BMW hat ihn längst eingestellt, Audi schon vor Jahren. Geblieben ist allein Mercedes – genauer gesagt der Mercedes-Maybach S 680. Unter seiner Haube arbeitet der aus Affalterbach stammende 6,0 Liter große Biturbo-V12 mit 612 PS und 900 Newtonmetern Drehmoment. Seine Aufgabe ist nicht maximale Beschleunigung, sondern absolute Souveränität. Der Motor schiebt die fast zweieinhalb Tonnen schwere Luxuslimousine mit beeindruckender Gelassenheit an und bleibt dabei so leise, wie es einst nur Zwölfzylinder konnten. Allerdings gibt es einen Haken: In Europa steht der S 680 zwar noch immer in der Preisliste, hat da aber nur noch einen V8. Man muss schon in den USA wohnen, in China oder im Nahen Osten, wenn man weiter das Original fahren will. Oder noch tiefer in die Tasche greifen als für die auch bei uns weiterhin mit dem V12 ausgestattete, lediglich in Handarbeit für handverlesene Kunden gebaute Panzerversion Guard. Denn AMG baut den handgefertigten Sechsliter-Biturbo weiterhin auch für Europa – allerdings ausschließlich für die Hypercars von Pagani. Dort kostet der Einstieg nicht Hunderttausende, sondern mehrere Millionen Euro. So lebt der letzte deutsche Zwölfzylinder weiter, nur eben nicht bei einem deutschen Hersteller für deutsche Kunden.
Häufige Fragen zu modernen V12-Motoren
Warum sterben V12-Motoren bei modernen Autos aus?
Strengere Emissions- und Flottenverbrauchsvorgaben sowie der weltweite Trend zur Elektrifizierung machen die Entwicklung und Homologation großer Zwölfzylinder extrem kostspielig. Dank Turbo-Downsizing und sofort anliegendem E-Drehmoment lassen sich ähnliche Fahrleistungen heute auch mit kleineren Motoren erzielen.
Welcher Hersteller baut noch einen reinen V12-Saugmotor ohne Turbo oder Hybrid?
Ferrari setzt im neuen 12Cilindri weiterhin auf einen klassischen 6,5-Liter-V12-Freisauger. Er leistet 830 PS, dreht bis auf 9.500 U/min und verzichtet bewusst komplett auf Turbolader oder elektrische Unterstützung.
Kann man in Deutschland noch einen neuen Mercedes mit V12 kaufen?
Im regulären europäischen Modellprogramm wird der Mercedes-Maybach S 680 meist mit V8 ausgeliefert. Der originale 6,0-Liter-V12 von AMG ist in Europa regulär ausgewählten Exportmärkten, der handgefertigten Panzerversion S 680 Guard sowie Kleinserien-Hypercars wie Pagani vorbehalten.