Mercedes-Benz Kecskemét: Milliarden-Ausbau in Ungarn – Schwächung oder Rettung für deutsche Werke?
Trotz einer Investition von über einer Milliarde Euro in die Erweiterung des ungarischen Werks in Kecskemét hält der Mercedes-Benz-Konzern an seinem klaren Bekenntnis zu den deutschen Produktionsstandorten fest. Laut Produktionsvorstand Michael Schiebe hat der Ausbau in Ungarn keinen unmittelbaren negativen Effekt auf die Fertigung in Deutschland ; vielmehr hilft die kostengünstigere Produktion in Kecskemét dabei, die durchschnittlichen Kosten im globalen Netzwerk zu senken und so auch Arbeitsplätze in Deutschland langfristig zu sichern. Während in Ungarn künftig wichtige Elektromodelle wie die elektrische C-Klasse, der elektrische GLC und die kleine G-Klasse vom Band laufen sollen , bleibt Deutschland das Innovations- und Planungszentrum für neue Fertigungstechnologien.
SP-X/Kecskemét. Mercedes-Benz hat seit 2022 über eine Milliarde Euro in die Erweiterung seines ungarischen Werks investiert. Künftig sollen dort unter anderem die elektrische C-Klasse, der elektrische GLC und die kleine G-Klasse entstehen. Die Produktion ist in Ungarn deutlich günstiger als in Deutschland. Dennoch sieht Produktionsvorstand Michael Schiebe darin keinen Widerspruch zum Bekenntnis des Konzerns zu seinen deutschen Werken.
F: Mercedes produziert in Ungarn deutlich günstiger als in Deutschland. Im zweitgrößten Werk von Mercedes können bei voller Auslastung bis zu 400.000 Autos pro Jahr gebaut werden. Verliert die Heimatstandorte damit an Bedeutung?
A: Nein, die Erweiterung des Werks in Kecskemét hat keinen unmittelbaren Effekt auf die Produktion in Deutschland. Wir haben etwa in Bremen, wo der GLC ebenfalls gebaut wird, ein hochautomatisiertes und sehr effizientes Werk. Wenn die Nachfrage nach dem elektrischen GLC so groß ist, wie wir es hoffen, würde ich gerne beide Werke voll auslasten. Da können wir flexibel reagieren. Bleibt die Nachfrage nach dem GLC mit Verbrennungsmotor hoch, können wir ihn weiter in Bremen fertigen und das zusätzliche Volumen des elektrischen GLC in Kecskemét bauen. Ein Standort wie Kecskemét hilft uns, die durchschnittlichen Produktionskosten im gesamten Netzwerk zu senken und damit auch Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Wir bekennen uns zum Standort Deutschland und wollen dort erfolgreich bleiben.
F: Deutschland ist dennoch erheblich teurer. Mercedes hat deshalb eine Debatte über die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angestoßen. Reicht das aus, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen?
A: Wir müssen in Deutschland produktiver werden. Eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist dabei ein Hebel, aber dieser Hebel allein wird nicht reichen. Wir müssen auch über tarifliche Leistungen sprechen, schneller entscheiden und wieder pragmatischer werden. Das alles muss im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern und den Tarifpartnern geschehen. Mir ist dabei wichtig, dass wir keinen Abgesang auf den Standort Deutschland starten. Wir sind ein hervorragendes Industrieland und haben uns sehr viel erarbeitet. Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam dafür sorgen, dass Deutschland auch künftig ein starker Industriestandort bleibt. Wir reden hier über Zukunftsfähigkeit.
F: Welche Rolle sollen die deutschen Werke künftig im weltweiten Produktionsnetz von Mercedes-Benz spielen?
A: Deutschland bleibt für uns sehr stark auf der Innovationsseite und beim Einsatz neuer Produktionstechnologien. Unsere Planungsbereiche sitzen weiterhin vor allem in Stuttgart, auch wenn wir natürlich in den einzelnen Werken ebenfalls sehr gut ausgebildete Teams haben. Neue Technologien müssen aber nicht immer zuerst in einem deutschen Werk erprobt werden. Wir haben in Kecskemét erstmals die komplette Produktion digital geplant und durchgespielt, bevor die ersten Anlagen aufgebaut wurden. Einen kamerabasierten Qualitätscheck haben wir zunächst in China pilotiert und testen ihn jetzt hier erstmals in Europa. Entscheidend ist, dass solche Lösungen anschließend in das gesamte Produktionsnetz einfließen. Davon profitieren dann alle Werke, auch die in Deutschland. Gleichzeitig bauen wir flexible Produktionsachsen mit Rastatt und weiteren deutschen Standorten auf, damit wir Modelle je nach Nachfrage und äußeren Bedingungen standortübergreifend fertigen können.
Häufig gestellte Fragen zur Mercedes-Benz Produktionsstrategie