Elektro-Wohnmobile 2026: Der bezahlbare Alpincamper Kia PV5 und die Zukunfts-Studie CityFreighter Evolve
Während Elektromobilität auf dem Caravan-Salon Düsseldorf 2026 weiterhin eine Nische bleibt, zeigen zwei gegensätzliche Premieren das Potenzial strombetriebener Freizeitfahrzeuge: Der Alpincamper Kia PV5 aus Lenggries bietet als kompakter 4,70-Meter-Minicamper mit Reimo-Hubdach, bis zu 416 Kilometern Reichweite und 570 kg Zuladung ab rund 55’000 Euro eine alltagstaugliche und sofort verfügbare Lösung. Für die Zukunft steht das 6,95 Meter lange Luxus-Reisemobil CityFreighter Evolve: Basierend auf einer massgeschneiderten Skateboard-Plattform, extremem Leichtbau von Vöhringer und einem 128-kWh-Akku wiegt der Vollintegrierte fahrbereit unter 3,5 Tonnen und bereitet den Weg für die kommende europäische 4,25-Tonnen-Führerscheinregelung ab 2028.
SP-X/Düsseldorf. Elektromobilität ist in der Reisemobil-Szene noch immer ein stark unterbelichtetes Kapitel. Wer auf dem Düsseldorfer Caravan-Salon nach vollelektrischen Neuheiten sucht, braucht Geduld. Zwei Premieren-Modelle, die unterschiedlicher nicht sein könnten, findet der Geduldige aber denn doch: Einmal den Alpincamper auf Basis des Kia-Transporters PV5, einen Vollzeitstromer aus Korea, für das Hier und Jetzt sowie die fahrbereite Konzeptstudie Evolve. Das voll integrierte Reisemobil ist als Koproduktion des Start-ups CityFreighter mit Zulieferer Vöhringer und dem niederländischen Unternehmen Motive Development (Design und Fahrzeug-Architektur) entstanden und wagt einen Blick in die Zukunft.
VW ID.California Cruise
Und der VW ID.California Cruise? Okay, als Auftakt einer Elektro-Camper-Serie, die 2028 mit dem vollwertigen Campingbus als Elektro-Nachfolger des klassischen Californias vollendet werden soll, hat er für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Letztlich ist der Debütant aber nicht mehr als ein ID.Buzz mit komfortabler Bett-Lösung. Vergleichbar etwa einem California Beach aus der Verbrennerwelt.
Alpincamper PV5
Alpincamper ist da schon längst weiter. Der Spezialist aus Lenggries hatte bereits im vergangenen Jahr den VW ID.Buzz mit Miniküche und Schlaflösung vorgestellt und mit dem Maxus ED.7 auch ein chinesisches Modell in einen Camper verwandelt. Jetzt kommt mit dem Kia PV5 der erste koreanische und zudem aktuell modernste Elektro-Transporter hinzu.
PV5-Minicamper aus Lenggries
Der ausgebaute PV5-Minicamper aus Lenggries entspricht mit 4,70 Metern Länge fast auf den Zentimeter genau der Größe des ID.Buzz und ist mit einer Höhe von knapp unter zwei Metern auch genauso handlich und alltagstauglich. Die Camping-Variante basiert auf der Cargo-Ausführung und kombiniert in der Grundversion die 51,5-kWh-Batterie mit dem 89 kW/122 PS starken E-Motor und 250 Nm Drehmoment. Damit sollen laut WLTP-Zyklus bis zu 297 Kilometer Reichweite möglich sein.
Alpincamper PV5: Bis zu 416 Kilometer Reichweite
Alternativ ist der Alpincamper-Ausbau aber auch mit dem größeren 71,2-kWh-Akku und 120 kW/163 PS möglich. Der WLTP-Radius erhöht sich dabei auf bis zu 416 Kilometer, was im Verkehrsalltag durchaus campertaugliche 320 bis 350 Kilometer ohne Zwischenladen ergeben sollte. Ein Ladevorgang von 10 bis 80 Prozent Batteriekapazität soll in rund 30 Minuten erledigt sein.
Der Innenraum des Alpincamper PV5
Im Innenraum verschafft ein Reimo-Hubdach Stehhöhe. Für den Schlafplatz wird die ausziehbare Comfort-Couch zum Doppelbett ausgeklappt. Die Küchenzeile ist mit Spüle, Induktionskochfeld, Kompressor-Kühlbox sowie Frisch- und Abwassertanks ausgestattet – mit allem, was Campende brauchen. Freilich in Dimensionen, die auf eine Zwei-Personen-Besatzung zugeschnitten sind. Auch eine zweite Lithium-Batterie kann geordert werden.
570 Kilogramm Zuladung
Trotz Campingausbau bleiben rund 570 Kilogramm Zuladung übrig. Der Einstiegspreis für den kompletten Alpincamper PV5 liegt bei rund 55.000 Euro. Damit ist der Kia eine der wenigen aktuellen Möglichkeiten, schon heute vollelektrisch auf Campingtour zu gehen – und eine der billigsten dazu.
US-Start-up CityFreighter
Das ist mit dem Vollintegrierten Evolve natürlich nicht der Fall. Allerdings ist die Zielsetzung für das Konzeptfahrzeug auch eine völlig andere. Initiator Michael Schoening will die Caravaning-Branche, die das Thema Elektromobilität eher wieder zurückgedrängt hat, aufrütteln. Der Gründer des US-Start-ups CityFreighter, der selbst aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg stammt, hält es für geboten, aktiv voranzugehen und mit einem fertigen Elektro-Reisemobil an den Start gehen zu können, wenn die neue Führerscheinrichtlinie mit dem erhöhten Gewichtslimit auf 4,25 Tonnen in nationales Recht umgesetzt ist. Bevor es andere tun.
„Skateboard“-Plattform mit extrem flachem Unterboden
Dazu sei ein Umdenken notwendig. Das klassische Transporter-Fahrgestell, das für Dieselmotoren, Kardanwellen und Getriebetunnel entworfen wurde, nachträglich zu elektrifizieren, bringe zu viele Nachteile, sagt Michael Schoening. Zusammen mit dem renommierten Leichtbau-Spezialisten Vöhringer und Motive Development entstand deshalb eine maßgeschneiderte, sogenannte Skateboard-Plattform mit extrem flachem Unterboden.
Mehr Freiheit beim Ausbau
Batterie, Antrieb, Fahrwerk und Leistungselektronik sitzen tief im Chassis. Das schafft einen ebenen Innenboden, niedrige Einstiegshöhen und mehr Freiheit beim Ausbau. Der 6,95 Meter lange Evolve bietet vier Sitz- und vier Schlafplätze, ein flexibles Bad, eine herausziehbare Küche und mit der Face-to-Face-Sitzgruppe, die zu einem Doppelbett umgebaut werden kann, einen sehr luftigen Innenraum mit viel Bewegungsfreiheit. Das Querbett im Heck ist über seitliche Treppenstufen bequem zu erreichen. Eine riesige Heckgarage nimmt Fahrräder und sonstiges Sperrgut auf.
Leichtbaumöbel sparen Gewicht
Vöhringer steuert seine Leichtbaumöbel bei, so dass trotz einer großen 128-kWh-Batterie und kompletter Ausstattung das Fahrzeug weniger als 3,5 Tonnen wiegt. Bei 4,25 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht wären Zuladekapazitäten für Insassen, Gepäck, Wasser und Ausrüstung also überaus reichlich vorhanden.
400 Kilometer Reichweite
Exakte Messwerte gibt es zwar noch nicht; Michael Schoening erzählt allerdings von Tests im alltäglichen Verkehr mit mehr als 400 Kilometer Reichweite. Mit einer Ladegeschwindigkeit von 200 kW in der Spitze benötigt der Akku für eine Schnellladung von 10 auf 80 Prozent etwa 20 Minuten. Weitere Vorteile: Über die Vehicle-to-Load-Funktion kann das gesamte Bordnetz versorgt werden, Solarmodule auf dem Dach erhöhen die Autarkie und die Batterie kann unabhängig gewartet, ausgetauscht oder aufgerüstet werden.
Industrie-Partner gesucht
Fehlen nur noch die geeigneten Industrie-Partner, mit denen CityFreighter den Evolve zu einem serienmäßigen Produkt weiterentwickeln kann. Idealerweise bis zu jenem Datum, an dem die 4,25-Tonnen-Grenze greift. Und das steht ziemlich genau fest: Die Mitgliedstaaten müssen die neue Richtlinie bis 26. November 2028 in nationales Recht umsetzen; angewendet werden die Vorschriften ab Ende November 2029.
Häufig gestellte Fragen zu den neuen Elektro-Reisemobilen