Maserati Tipo 61 Birdcage: Auktions-Weltrekord mit 4,24 Millionen Dollar in Pebble Beach

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Ein originaler 1959er Maserati Tipo 61 «Birdcage» mit Allegretti-Karosserie hat bei den renommierten Gooding Christie’s Pebble Beach Auctions 2026 in Kalifornien für 4,24 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt. Mit diesem Zuschlag übertraf der legendäre Frontmotor-Rennwagen seinen Schätzpreis von 3 bis 4 Millionen Dollar deutlich und stellte einen neuen offiziellen Auktions-Weltrekord für dieses Modell auf. Der historische Verkauf fällt exakt in das Jubiläumsjahr von Maserati, in dem die italienische Edelschmiede das 100-jährige Bestehen des Dreizacks im Motorsport feiert – begründet am 25. April 1926 durch Alfieri Maseratis Klassensieg bei der Targa Florio mit dem Tipo 26.

cpx/Pebble Beach. Pünktlich zum 100. Motorsport-Geburtstag der Marke mit dem Dreizack setzt eine der faszinierendsten Rennsport-Ikonen der Nachkriegsära ein spektakuläres Ausrufezeichen: Bei den diesjährigen Pebble Beach Auctions von Gooding Christie’s erzielte ein bildschöner Maserati Tipo 61 «Birdcage» von 1959 den Rekordpreis von 4,24 Millionen US-Dollar.

Hohe Dreiviertel-Frontansicht des 1959er Maserati Tipo 61 Birdcage mit Startnummer 238 auf beigem Betonboden. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC
Hohe Dreiviertel-Frontansicht des 1959er Maserati Tipo 61 Birdcage mit Startnummer 238 auf beigem Betonboden. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Wenn filigrane Ingenieurskunst auf pure Renndynamik trifft, fällt bei Klassiker-Enthusiasten unweigerlich der Name «Birdcage». Der von Chefingenieur Giulio Alfieri konstruierte Tipo 61 zählt zweifellos zu den kühnsten und radikalsten Sportwagen, die Modena je verlassen haben. Bei der diesjährigen Monterey Car Week übertraf das von der Carrozzeria Allegretti eingekleidete Meisterwerk die Schätzungen der Experten mühelos und kletterte auf sensationelle 4,24 Millionen US-Dollar – ein historischer Höchstwert für ein Modell dieser Baureihe.

Fahrerperspektive auf das minimalistische Renn-Armaturenbrett mit Rundinstrumenten, Kippschaltern und Holzlenkrad im Tipo 61.
Fahrerperspektive auf das minimalistische Renn-Armaturenbrett mit Rundinstrumenten, Kippschaltern und Holzlenkrad im Tipo 61. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Die Geniestreich-Konstruktion: Ein Vogelkäfig aus 200 Stahlrohren

Seinen legendären Spitznamen verdankt der Rennwagen einer technischen Meisterleistung: Auf der Suche nach maximaler Torsionssteifigkeit bei gleichzeitig radikalem Leichtbau entwickelte Giulio Alfieri einen revolutionären Gitterrohrrahmen. Rund 200 hauchdünne, hochfeste Stahlröhrchen mit Durchmessern von lediglich 10 bis 15 Millimetern wurden in einem hochkomplexen Geflecht miteinander verschweisst.

Blick von oben in das Cockpit des Maserati Tipo 61 mit zwei blauen Schalensitzen, Holzlenkrad und sichtbarem Gitterrohrrahmen.
Blick von oben in das Cockpit des Maserati Tipo 61 mit zwei blauen Schalensitzen, Holzlenkrad und sichtbarem Gitterrohrrahmen. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Die Konstruktion erinnerte optisch verblüffend an einen Vogelkäfig («Birdcage»), verlieh der zweisitzigen Barchetta jedoch eine unvergleichliche Verwindungssteifigkeit. Das Resultat war eines der fortschrittlichsten Frontmotor-Layouts seiner Ära. Das Chassis bildete die perfekte Basis für agile Richtungswechsel, während die Aluminiumhaut von Allegretti sich eng wie eine zweite Haut um Rahmen und Mechanik schmiegte.

Schräge Seitenansicht der flachen Maserati Tipo 61 Birdcage Barchetta mit Allegretti-Karosserie im Stand.
Schräge Seitenansicht der flachen Maserati Tipo 61 Birdcage Barchetta mit Allegretti-Karosserie im Stand. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

250 PS auf 600 Kilogramm: Reine Mechanik ohne Kompromisse

Während der im März 1959 vorgestellte Vorgänger Tipo 60 noch von einem Zwei-Liter-Aggregat mit 200 PS angetrieben wurde, brachte Maserati noch im selben Jahr die hubraumstärkere Evolutionsstufe Tipo 61 an den Start.

Vogelperspektive von schräg oben auf das Heck, die Startnummer 238 und das offene Cockpit des Maserati Tipo 61 Birdcage.
Vogelperspektive von schräg oben auf das Heck, die Startnummer 238 und das offene Cockpit des Maserati Tipo 61 Birdcage. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Der längs eingebaute Vierzylinder wurde auf 2’890 ccm aufgebohrt und leistete kernige 250 PS bei 6’800 U/min. Um den Schwerpunkt so tief wie möglich zu halten und eine extrem flache Frontpartie zu realisieren, neigten die Maserati-Ingenieure das Triebwerk um 45 Grad zur Seite.

Vollständige Seitenansicht des weiss-blauen Maserati Tipo 61 Birdcage Rennwagens mit Startnummer 238 im Profil vor einer Betonwand.
Vollständige Seitenansicht des weiss-blauen Maserati Tipo 61 Birdcage Rennwagens mit Startnummer 238 im Profil vor einer Betonwand. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Befeuert von zwei gewaltigen Weber-45-DCO3-Vergasern und gezündet über eine Doppelbatterie-Zündanlage mit Marelli-Verteiler, traf der drehfreudige Vierzylinder auf ein Leergewicht von gerade einmal 600 Kilogramm. Mit einer De-Dion-Hinterachse samt Querblattfeder und Schraubenfedern an der Vorderachse erreichte der Tipo 61 eine Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h. Ein entscheidender Vorteil im Renneinsatz war zudem die herausragende Effizienz: Durch den vergleichsweise geringen Treibstoffverbrauch sparte sich der Birdcage im harten Langstreckenbetrieb zeitraubende Tankstopps.

Vorderer geschwungener Kotflügel in Blau-Weiss mit Speichenrad, Zentralverschluss und kleiner Scheibe des Maserati Tipo 61.
Vorderer geschwungener Kotflügel in Blau-Weiss mit Speichenrad, Zentralverschluss und kleiner Scheibe des Maserati Tipo 61. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Triumphe in der «Grünen Hölle»: Zwei Siege beim 1’000-km-Rennen

Seine Unsterblichkeit im Rennsport zementierte der Tipo 61 auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt: der Nordschleife des Nürburgrings. Bei den legendären 1’000-Kilometer-Rennen sicherte sich der Maserati Birdcage zwei Gesamtsiege in Folge gegen eine übermächtig scheinende Konkurrenz:

  • 1960: Triumph durch das Jahrhundert-Duo Sir Stirling Moss und Dan Gurney, die den Tipo 61 unter widrigsten Bedingungen auf Platz eins pilotierten.

  • 1961: Wiederholung des Gesamtsiegs durch Masten Gregory und Lloyd Casner für das berühmte Privatteam Camoradi (Casner Motor Racing Division).

Detailaufnahme des verchromten Schnellverschluss-Tankdeckels und der Startnummer 238 auf dem Heck des Maserati Tipo 61 Birdcage.
Detailaufnahme des verchromten Schnellverschluss-Tankdeckels und der Startnummer 238 auf dem Heck des Maserati Tipo 61 Birdcage. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Ein geschichtsträchtiges Jubiläum

Mit lediglich 17 gebauten Exemplaren gehört der Tipo 61 zu den seltensten und begehrtesten Sammlerfahrzeugen der italienischen Rennsportgeschichte.

Dass dieser Rekordzuschlag im Jahr 2026 fällt, verleiht dem Ereignis zusätzlichen Glanz: Vor exakt 100 Jahren, am 25. April 1926, debütierte Alfieri Maserati bei der Targa Florio mit dem Tipo 26 – dem ersten Rennwagen überhaupt, der den Dreizack auf der Motorhaube trug. Mit dem Klassensieg bis 1’500 ccm und Gesamtrang acht legte Maserati damals den Grundstein für ein ganzes Jahrhundert Motorsporthistorie. Der Tipo 61 Birdcage demonstriert in Pebble Beach eindrucksvoll, dass diese Faszination bis heute ungebrochen lebendig ist.

Detailansicht des geneigten 2,9-Liter-Vierzylindermotors mit Weber-Vergasern und filigranem Rohrrahmen des Maserati Tipo 61 Birdcage.
Detailansicht des geneigten 2,9-Liter-Vierzylindermotors mit Weber-Vergasern und filigranem Rohrrahmen des Maserati Tipo 61 Birdcage. Foto: Mathieu Heurtault Courtesy of Gooding & Company, LLC

Häufig gestellte Fragen zum Maserati Tipo 61 Birdcage

Welchen Rekordpreis erzielte der Maserati Tipo 61 Birdcage bei der Auktion?
Bei den Gooding Christie’s Pebble Beach Auctions im August 2026 wurde ein 1959er Maserati Tipo 61 Birdcage mit Allegretti-Karosserie für 4,24 Millionen US-Dollar versteigert. Damit stellte das Fahrzeug einen neuen offiziellen Auktions-Weltrekord für diesen Modelltyp auf.
Warum wird der Maserati Tipo 60/61 «Birdcage» genannt?
Der Spitzname geht auf das revolutionäre Gitterrohrrahmen-Chassis zurück, das Chefingenieur Giulio Alfieri entwarf. Es bestand aus rund 200 filigranen Stahlröhrchen mit einem Durchmesser von nur 10 bis 15 Millimetern, die zu einer extrem verwindungssteifen Struktur verschweisst wurden, die optisch an einen Vogelkäfig (Birdcage) erinnerte.
Welche technischen Daten zeichnen den Maserati Tipo 61 aus?
Der Tipo 61 besitzt einen um 45 Grad geneigten 2,9-Liter-Vierzylindermotor mit 250 PS bei 6’800 U/min und zwei Weber-45-DCO3-Vergasern. Bei einem Leergewicht von lediglich 600 Kilogramm erreicht der Rennwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h.
Wie viele Exemplare des Maserati Tipo 61 wurden hergestellt?
Vom Maserati Tipo 61 wurden insgesamt lediglich 17 Exemplare gebaut. Seine Seltenheit, gepaart mit zwei Gesamtsiegen beim 1’000-km-Rennen auf dem Nürburgring (1960 mit Moss/Gurney und 1961 mit Gregory/Casner), macht ihn zu einem der gesuchtesten Rennklassiker weltweit.
 

 

 

 

 

 

 

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Bruno Bissig Gründer & Chefredaktor
ist der Gründer und Chefredakteur von CARPIXX. Seit über 14 Jahren beobachtet und analysiert er den Schweizer Automobilmarkt direkt aus Zug. Als leidenschaftlicher Kenner der Branche hat er über 2.500 Beiträge veröffentlicht und sich auf die Kuratierung und Einordnung globaler Trends für die Schweizer Community spezialisiert. Sein Fokus liegt darauf, technologische Innovationen und Marktentwicklungen verständlich und praxisnah für Enthusiasten aufzubereiten.