Auto China 2026: Diese 5 Peking-Highlights lassen europäische Premiummarken zittern
Auf der Auto China 2026 in Peking hat sich das Machtgefüge der Automobilwelt endgültig gedreht: Chinesische Hersteller setzen mit Modellen wie dem Smart #6, dem Leapmotor D19 und dem GWM Tank 700 neue Maßstäbe in Sachen Software, Reichweite und Preis-Leistung. Während europäische Marken mit langen Modellzyklen kämpfen, punkten die Neuheiten aus dem Osten mit radikal digitalisierten Innenräumen, autonomen Fahrfunktionen auf Level 2++ und innovativen Range-Extender-Konzepten, die Reichweiten von bis zu 1.800 Kilometern ermöglichen – und das oft zu einem Bruchteil der hiesigen Preise.
SP-X/Peking. Die Zeiten, in denen chinesische Kunden sehnsüchtig auf deutsche Premiumware geschaut haben, sind – davon können die früher so erfolgsverwöhnten Manager aus Stuttgart, Wolfsburg, Ingolstadt oder München ein trauriges Lied singen, endgültig vorbei. Mehr noch: Die Blickrichtung hat sich gedreht. Heute ist es der Westen, der neugierig – und mit wachsender Begehrlichkeit – nach Osten schaut. Klar gibt es jenseits der großen Mauer noch immer viele Lachnummern, krude Kopien oder anderweitige Irrungen und Wirrungen. Aber viele Autos aus China wirken plötzlich wie frischer Wind in einem Markt, der sich allzu lange im Kreis gedreht hat. Und nirgends wird das so deutlich wie auf der Autoshow in Peking.
Dort zeigen die Hersteller aus China nicht mehr nur aufholende Technik, sondern Selbstbewusstsein. Ihre Modelle sind eigenständig, oft mutig gezeichnet, manchmal sogar provokant. Sie spielen nicht länger zweite Geige, sondern setzen eigene Trends. Das Design wirkt experimentierfreudiger, die Innenräume digitaler gedacht, die Bedienung konsequent auf eine Generation zugeschnitten, die mit dem Smartphone groß geworden ist, und weil Fahren im Dauerstau der Städte oder auf der strikt limitierten Autobahn ohnehin keinen Spaß macht, sind sie auch mit dem Autopiloten weiter als wir.
Dazu kommt ein Faktor, der in Europa lange unterschätzt wurde: Tempo. Während sich etablierte Hersteller durch Plattformstrategien und Modellzyklen kämpfen, bringen Marken aus China ihre Neuheiten in einer Geschwindigkeit auf die Straße, die den Wettbewerb alt aussehen lässt. Software wird over-the-air aktualisiert, Features kommen nicht erst mit dem Facelift, sondern im Monatsrhythmus.
Und ja, auch beim Preis verschiebt sich das Koordinatensystem. Viel Auto, viel Technik, viel Ausstattung – oft zu Konditionen, die hierzulande so nicht darstellbar sind. Gerade im Elektrobereich haben viele chinesische Hersteller einen Vorsprung, weil sie Batterietechnik, Lieferketten und Software stärker aus einer Hand denken.
Aber vielleicht ist es gar nicht nur Rationalität, die diese neue Sehnsucht antreibt. Vielleicht ist es auch schlicht die Lust auf Abwechslung. Auf Autos, die nicht aussehen wie die x-te Variation bekannter Muster. Auf Marken, die noch nicht bis ins letzte Detail durchdefiniert sind. Auf ein bisschen Unberechenbarkeit in einer Branche, die sich lange sehr berechenbar angefühlt hat.
Diese fünf Neuheiten von der Motorshow in Peking jedenfalls sind genau solche Kandidaten: Autos, die wir hier sofort nehmen würden – wenn wir könnten.
Smart #6 – der bessere CLA aus China
Was für ein Perspektivwechsel: Nicht nur, dass Smart plötzlich eine ausgewachsene Limousine baut und mit einem Range Extender von der reinen Lehre der Elektromobilität abrückt. Nein, das Ei ist auch mal wieder klüger als die Henne und lässt den als Hoffnungsträger apostrophierten, nagelneuen Mercedes CLA auch noch ganz schön alt aussehen.
Dieser neue Smart #6 ist fast fünf Meter lang (4,91 m) und damit eine echte Mittelklasse-Ansage – größer als ein Mercedes-Benz CLA und vor allem deutlich erwachsener gedacht. Unter der Haube steckt kein halbherziger Hybrid, sondern ein sogenannter „Super Hybrid“ mit echtem elektrischen Anspruch: 1,5-Liter-Turbo plus E-Motor liefern zusammen rund 429 PS. Rein elektrisch fährt der #6 bis zu 285 Kilometer weit – Werte, von denen europäische Plug-in-Hybride oft nur träumen. Und wenn nötig, geht’s insgesamt über 1.800 Kilometer weiter.
Klar, auch in China schwören sie aufs elektrische Fahren, machen aber für die vermeintlich Zurückgebliebenen keine faulen Kompromisse: Wo der CLA Hybrid bescheiden klingt und mäßig harmoniert, löst Smart das Problem mit dem Einsatz eines Range Extenders viel smarter: Viel elektrisch, wenig Lärm und trotzdem nur selten an die Ladesäule.
Und das zu einem Preis, von dem Mercedes-Kunden nur träumen können. Denn in China startet der #6 bei knapp unter 25.000 Euro und ist nicht einmal halb so teuer wie der CLA.
Leapmotor D19 – Das heimliche Oberhaupt der Stellantis-Sippe
Mit dem D19 zeigt Leapmotor, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse verschieben und wie schnell das Adoptivkind aus China im Familienranking der Stellantis-Sippe klettert. Denn groß, wie ein Mercedes GLE und repräsentativ wie ein Range Rover rückt dieses 5,25 Meter lange Prunkstück an die Spitze der Familienhierarchie, lässt einen Alfa Stelvio gefährlich blass aussehen und könnte sogar dem Maserati Levante die Schau stehlen, wenn der große Brocken seinen Weg gen Westen finden würde.
Leapmotor leistet sich aber nicht nur einen Auftritt, der mehr Premium schreit als nach Preis-Leistung. Sondern auch bei der Technik wird geklotzt statt gekleckert. Es gibt den D19 als reinen Stromer mit bestenfalls über 730 PS und 1000 Volt-Akkus von bis zu 115 kWh für mehr als 700 Kilometer Reichweite oder mit Range Extender. Dann hat der Koloss 408 PS und kommt bis zu 1.300 Kilometer weit.
Im Innenraum wird es dann endgültig ernst für die Konkurrenz: Captain Chairs in der zweiten Reihe, Bildschirme, die von der Decke klappen und soviel Lack und Leder wie sonst nur bei Bentley und Co – und das zu Preisen, die bei 27.500 Euro beginnen und bei nicht einmal 35.000 Euro schon wieder enden.
Zwar probt Leapmotor damit einen atemberaubenden Aufstieg. Doch Angst, dass ihnen bei diesem Höhenflug die Luft zu dünn wird, müssen die Chinesen nicht haben. Schließlich haben sie als coolstes Gadget für Reisen in den Himalaya sogar einen Sauerstoff-Generator eingebaut.
GWM Tank 700 Hi4-Z – Der verputzt die G-Klasse zum Frühstück
Boading statt Bottrop, Tank statt G-Klasse: Bei uns müssen die Selbstdarsteller unter den SUV-Fahrern viel Geld für eine G-Klasse zahlen und dann womöglich auch noch bei Brabus vorbeifahren, wenn sie so richtig dicke Hose machen wollen. In China löst Great Wall Motors das ohne Umweg über den Tuner: mit dem Tank 700 Hi4-Z. Ein Auto, das aussieht wie G-Klasse auf Steroiden – und auch genau so auftritt.
Mit 5,10 Metern Länge, über zwei Metern Breite und klassischem Leiterrahmen ist der Tank 700 ein echtes Full-Size-Offroad-Monster. Doch unter dem kantigen Blech steckt keine Oldschool-Technik, sondern ein brachialer Plug-in-Hybrid: 2,0-Liter-Turbo plus zwei E-Motoren liefern zusammen rund 635 kW – also etwa 864 PS.
Damit spielt der Chinese leistungsmäßig in Regionen, in denen selbst getunte Luxus-SUVs anfangen zu schwitzen. Und trotzdem bleibt er alltagstauglich: Bis zu 190 Kilometer fährt er rein elektrisch, insgesamt sind weit über 1.000 Kilometer drin. Der Sprint auf 100 km/h? 5,6 Sekunden – angesichts von Gewicht und Format fast schon nebensächlich.
Innen geht es genauso dick weiter: Massage-Sitze, Kühlschrank, XXL-Screens, LiDAR fürs assistierte Fahren – eher Privatjet als Geländewagen. Und preislich? In China startet der Spaß bei umgerechnet rund 60.000 Euro.
Klar, das Ding ist subtil wie ein Vorschlaghammer. Aber genau das ist der Punkt. Der Tank 700 ist kein Auto für Understatement, sondern für maximale Wirkung. Oder anders gesagt: Wer auf dicke Hose machen will, bekommt hier das Komplettpaket – ganz ohne Tuner und nicht zum Luxustarif, sondern quasi von Lidl.
Xpeng P7 – Autopilot mit Ansage
Der Xpeng P7 ist so etwas wie die Blaupause dafür, wie schnell chinesische Hersteller beim Thema Assistenzsysteme davonziehen. Während europäische Marken ihre nächsten Schritte noch ankündigen, fährt Xpeng sie längst auf der Straße spazieren. Das Stichwort: Level 2++. Zwar hat der Fahrer dabei noch immer die Verantwortung und pro Forma deshalb die Hände am Lenkrad, fühlt sich aber im Alltag erstaunlich nach echtem autonomem Fahren an.
Kern des Systems ist die hauseigene Software- und Sensorarchitektur von Xpeng: Kamera-Setup, Radar, optional LiDAR und vor allem ein extrem leistungsfähiger Zentralrechner. Damit beherrscht der P7 nicht nur adaptives Fahren und Spurhalten, sondern komplexe Szenarien im Stadtverkehr, automatische Spurwechsel, das Umfahren von Hindernissen und vorausschauendes Navigieren durch dichten Verkehr. Das sind Feature, wie sie Mercedes – selbsterklärter Vorreiter beim allem, was nach autonomem Fahren klingt – zwar in China gerade auch in CLA & Co einführt, aber die Chinesen waren mal wieder schneller und machen trotzdem weniger Wind.
So cool der P7 aussieht und so smart er sich im Stadtverkehr schlägt, ist er für Europa allerdings nicht vorgesehen. Macht nichts. Xpeng schickt uns zum Trost den P7plus. Der ist nicht ganz so extrovertiert, aber genauso schlau – und hat alles an Bord, was es zum Fahren mit Level2 + braucht. Und sobald Brüssel grünes Licht gibt, wird freigeschaltet.
Jetta X – Vom Langweiler zum Hingucker
Wir kennen den VW Jetta als blech gewordene Langeweile und haben ihn deshalb weitgehend aus der Erinnerung gestrichen. Doch in China war der Golf mit Stufenheck Teil der Massen-Mobilisierung und sein Name hat einen entsprechend guten Klang. Deshalb hat VW daraus mittlerweile eine eigene Marke gemacht und die ähnlich positioniert wie Dacia im Renault-Konzern: als eigenständige, radikal auf Preis-Leistung getrimmte Budget-Linie.
Dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleiben muss, zeigen uns die Niedersachsen in Peking mit dem Jetta X, der als erstes E-Modell der Marke gegen BYD & Co punkten will. Statt Stufenheck gibt es dafür ein kantiges Elektro-SUV mit selbstbewusstem Auftritt, großen Displays und genau der digitalen Denke, die der chinesische Markt verlangt. Vor allem aber mit einem Kampfpreis: Rund 13.000 Euro soll das Serienmodell kosten. Obwohl größer als ein ID.4, ist er damit nicht mal halb so teuer wie ein ID.Cross.
Technisch hält sich VW noch bedeckt, klar ist aber: Der Jetta X ist nicht wie früher ein Abfallprodukt, das alte Plattformen aus Wolfsburg aufträgt. Sondern Teil der großen China-Offensive – schnell entwickelt, konsequent lokal gedacht, und deutlich näher am Kunden als vieles aus Europa. Genau das macht ihn so spannend – und plötzlich auch für uns begehrenswert.
Häufig gestellte Fragen zur Auto China 2026
Der Smart #6 ist eine 4,91 Meter lange Mittelklasse-Limousine, die als „Super Hybrid“ mit Range Extender eine Gesamtreichweite von über 1.800 Kilometern erzielt und in China bereits unter 25.000 Euro startet.
Der Tank 700 ist ein Full-Size-Offroader mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb, der systemübergreifend 864 PS (635 kW) leistet und in nur 5,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt.
Der Jetta X, das erste Elektro-SUV der von VW in China als Budget-Marke positionierten Linie, soll zu einem Kampfpreis von rund 13.000 Euro auf den Markt kommen.
Der klassische P7 ist für Europa nicht geplant; stattdessen schickt Xpeng den P7plus nach Westen, der bereits für autonomes Fahren auf Level 2++ vorbereitet ist.