Omoda 4 im ersten Fahrbericht: Lambo-Startknopf, Roboter-Look und Hessen-Fahrwerk ab 25’000 Euro – Der VW-T-Roc-Schreck?
Was zeichnet den neuen Omoda 4 aus und wann kommt der Crossover auf den Markt?
Der Omoda 4 ist ein 4,42 Meter langer Kompakt-Crossover der zum chinesischen Chery-Konzern gehörenden Marke Omoda, dessen Fahrwerk und Lenkung im europäischen Entwicklungszentrum in Raunheim bei Frankfurt abgestimmt wurden. Der Crossover im futuristischen «Cyber Mecha»-Design startet im Frühjahr 2027 zu geschätzten Einstiegspreisen ab rund 25’000 Euro. Zur Wahl stehen ein Vollhybrid (Super Hybrid System) mit 165 kW (224 PS) Systemleistung und bis zu 900 Kilometern Gesamtreichweite sowie eine rein elektrische Version mit 160 kW (218 PS), 67-kWh-LFP-Batterie und rund 450 Kilometern Reichweite.
SP-X/Wuhu. Bei der Fahrt durch die Millionen-Metropole Wuhu geht es gemächlich voran. Auf der dreispurigen Straße sind 60 km/h erlaubt, doch der Verkehr ist zu dicht, um das zu fahren. Das Fahrwerk einzuschätzen, fällt bei dieser Fahrweise schwer.
Zum Glück haben die Ingenieure auf dem Werksgelände einen Hütchen-Parcours aufgebaut. Wie man es vom Elchtest kennt, beschleunigt man das Auto, um dann einem Hindernis auszuweichen. Hier kann der Omoda 4 glänzen. Ohne allzu starke Neigung der Karosserie wechselt er die Spur. Das Crossover-Modell nutzt die Chery-Plattform T1X, genau wie der Omoda 5 und 7. Hinzu kommt, dass die Chery-Ingenieure im deutschen Entwicklungszentrum in Raunheim bei Frankfurt Hand angelegt haben. Sie kennen die Vorlieben deutscher Autofahrer und haben Fahrwerk und Lenkung entsprechend angepasst.
Cyber-Mecha-Design und Sportwagen-Show im Cockpit
Äußerlich macht der Omoda 4 auf wild. Man zielt auf ein junges Publikum. Etwas futuristisch soll das Auto wirken. Cyber Mecha nennen die Designer ihre Arbeit. Mecha steht für Mechanical. Hier dienen große Laufroboter aus Science-Fiction-Filmen und Comics, die im Inneren von Menschen gesteuert werden, als Vorlage. Mit der Präsentation der Offroad-Version Omoda X hat die Marke das Mecha-Konzept kürzlich noch ein Stück weitergedreht.
Als Fahrer bekommt man den Eindruck, in einem Sportwagen zu sitzen. Das beginnt mit dem Aufklappen der roten Abdeckung über dem Startknopf. Doch bei der Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h wird man mit 8,1 Sekunden daran erinnert, dass der Omoda doch eher ein praktisches Alltagsauto ist. Der Testwagen hat einen Vollhybrid-Antrieb mit zwei E-Motoren und einem 1,5-Liter-Turbobenziner. Die rein elektrische Version ist mit 7,9 Sekunden einen Hauch schneller. Dafür darf die Hybrid-Version bis 180 km/h beschleunigen, während beim E-Auto bei 172 km/h Schluss ist.
Während der Fahrt durch Wuhu, wo der Mutterkonzern Chery seinen Sitz hat, stellt sich die Frage, warum chinesische Autokunden so sehr auf große Autos stehen. In der Stadt mit 3,8 Millionen Einwohner in der Provinz Anhui ist wie in jeder Großstadt Platz Mangelware. Das gilt für die Fahrspuren genauso wie für Parkplätze. Da ist man einem Fahrzeug mit 4,42 m Länge, 1,87 m Breite und 1,57 m Höhe besser aufgeboben. Der Randstand beträgt 2,70 m, was Passagieren auf der Rückbank noch ausreichend Beinfreiheit ermöglicht. Der Kofferraum bietet 400 Liter Stauraum, der auf 1.100 Liter wächst, klappt man die Rückenlehne der Rückbank um.
Im Cockpit blickt der Fahrer auf ein schlankes 8,8-Zoll-Kombiinstrument. Die meisten Fahrzeug- und Infotainmenteinstellungen wählt man auf dem hochkant ausgerichteten 13,2-Zoll-Touchscreen. Auf haptische Knöpfe verzichtet der Hersteller weitestgehend. Der Fahrer wählt mit zwei Kugel-Knöpfen am Lenkrad, die als Walzen und Druckknöpfe fungieren, die wichtigsten Einstellungen aus. Das Smartphone lädt induktiv (50 Watt) auf einer Ablage in der Mittelkonsole. Die Verbindung zu Apple Carplay und Android Auto erfolgt kabellos. Das Glaspanoramadach sorgt im Inneren für angenehme Lichtstimmung und ist in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich.
Hybrid mit 900 km Radius oder reiner Stromer
Omoda nennt sein Antriebssystem Super Hybrid System (SHS), was eine Idee der Marketingabteilung sein könnte. Doch technisch ist das tatsächlich ungewöhnlich. In der Front arbeiten in einem Bauteil der Vierzylinder-Turbobenzinmotor sowie zwei elektrische Motoren. Im seriellen Hybridmodus fährt man elektrisch, ein E-Motor treibt die Fronträder an. Der zweite E-Motor wird ebenfalls vom Verbrennungsmotor angetrieben, fungiert aber als Generator. Er produziert elektrische Energie, die in der 1,83 kWh Batterie gespeichert wird. Im Parallelbetrieb bei hoher Leistungsanforderung sorgen Verbrennungsmotor und der größere E-Motor für den Antrieb. Bei mittlerer Geschwindigkeit kann der Omoda 4 auch nur mit dem Benzinmotor fahren. Mit dem 51-Liter-Tank liegt die Gesamtreichweite laut Hersteller bei rund 900 km.
Rund 450 km schafft die Elektrovariante des Omoda 4. Hier ist eine Eisenphosphat-Batterie mit 67 kWh montiert. Sie wird wahlweise mit 11 kW am Wechselstromanschluss oder mit bis zu 120 kW Gleichstrom am Schnelllader geladen.
Im dichten Stadtverkehr von Wuhu ist der Level 2-Assistent mit adaptivem Tempomat und Spurhalter ein praktischer Helfer. Eine allzu sportliche Fahrweise ist in der Stadt nicht angebracht. Doch auch ohne Kavaliersstart fällt man auf, das kantige Design des Omoda 4 zieht Blicke an. In Deutschland soll das Auto in der Hybrid- und Elektroversion ab Frühjahr 2027 verfügbar sein. Offizielle Preis nennt der Hersteller noch nicht, doch dürften 25.000 Euro ein realistischer Startpunkt sein.
Omoda 4 – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Crossover; Länge: 4,42 Meter, Breite: 1,87 Meter, Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 400-1.100 Liter
Vollhybrid:
1,5-Liter Vierzylinder-Turbobenziner, 105 kW / 143 PS, 215 Nm Drehmoment, Systemleistung: 165 kW/224 PS, 295 Nm maximales Drehmoment, zwei E-Motoren (vorn: 150 kW und 100 kW), 0-100 km/h: 8,1 s, Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: 5,2 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 118 g/km, Akkugröße: 1,83 kWh, Gesamtreichweite: 900 km
E-Antrieb:
E-Motor mit 160 kW/218 PS, Drehmoment: 275 Nm, 0-100 km/h: 7,9 s, Vmax: 172 km/h, Akkugröße: 67 kWh, Reichweite: 450 km, Ladeleistung: 120 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 30-80 % in 22 Minuten, AC: 10-80% in 4:30 Std.
Häufige Fragen zum Omoda 4 (FAQ)
Wann kommt der Omoda 4 auf den Markt und was soll er kosten?
Der Marktstart des Omoda 4 in Deutschland und Europa ist für das Frühjahr 2027 geplant. Der offizielle Basispreis steht noch nicht fest, dürfte aber realistisch bei rund 25’000 Euro beginnen.
Welche Motoren bietet der Omoda 4 an?
Der Crossover ist als Vollhybrid mit 1,5-Liter-Turbo und zwei Elektromotoren (165 kW / 224 PS Systemleistung, bis zu 900 km Reichweite) sowie als reines Elektroauto mit 160 kW (218 PS), 67-kWh-Batterie und ca. 450 km Reichweite erhältlich.
Wie gross ist der Kofferraum des Omoda 4?
Das Kofferraumvolumen des 4,42 Meter langen Kompakt-Crossovers fasst im Normalzustand 400 Liter und lässt sich durch Vorklappen der Rücksitzlehnen auf bis zu 1’100 Liter erweitern.
Warum spricht man beim Omoda 4 von einem deutschen Einschlag?
Fahrwerk, Lenkabstimmung und Fahrdynamik wurden maßgeblich im europäischen Entwicklungszentrum des Mutterkonzerns Chery in Raunheim bei Frankfurt auf die Vorlieben europäischer Autofahrer angepasst.