Mercedes-Benz VLE im Test: Kann die elektrische Luxus-Großraumlimousine ab 82.260 Euro die Oberklasse aufmischen?

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Mit dem Mercedes-Benz VLE bringt der Stuttgarter Automobilhersteller eine konsequent als reine elektrische Luxus-Limousine entwickelte Großraumlimousine für den gehobenen Personentransport auf den Markt. Das 5,31 Meter lange Fahrzeug bricht radikal mit dem klassischen Transporter-Image und bietet dank einer modernen 800-Volt-Architektur sowie einer 115-kWh-Batterie eine überragende WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern. Der Einstiegspreis für den 203 kW (276 PS) starken VLE 300 startet bei 82.260 Euro (Schweiz ab CHF 90’500.–). Technische Highlights sind die Allrad-Variante VLE 400 4Matic, das MB.OS-Betriebssystem mit MBUX Superscreen sowie ein ausfahrbarer 31,3-Zoll-8K-Bildschirm im Fond.

SP-X/Bilbao. Der VLE soll radikal mit dem traditionellen Transporter-Image brechen, wenn es nach Mercedes geht. Dafür hat der Hersteller das Fahrzeug konsequent als elektrische Luxus-Limousine für den Personentransport entwickelt. Eine gewerbliche Version für Handwerker oder Lieferdienste wird es nicht geben – womit sich der VLE tatsächlich von früheren Großraumwagen absetzt. Allerdings starten die Preise mit zunächst mindestens 82.260 Euro (Schweiz ab CHF 90’500.–) auch auf gehobenem Pkw-Niveau.

Die Heckansicht des Mercedes-Benz VLE im fließenden Verkehr mit Blick auf das unauffällige Marken-Logo und das saubere Heck-Layout.
Stromern mit Stil: Mercedes bringt mit dem VLE eine elektrische Großraumlimousine auf den Markt, die höchsten Komfportansprüchen gerecht werden kann. Foto: Mercedes-Benz

Der Innenraum schafft bereits auf den ersten Blick eine Flexibilität, die ausgewachsenen Kombis und SUV überlegen ist. Wenig verwunderlich, misst die Karosserie doch 5,30 Meter in der Länge, zwei Meter in der Breite und vor allem 1,94 Meter in der Höhe. Trotz dieser Abmaße lässt sich der VLE für Autofahrer erstaunlich leicht durch den Verkehr manövrieren. Dazu trägt die Konstruktion des Vorderwagens bei: Die Ingenieure platzierten die Vorderachse weit genug vor dem Fahrersitz, wodurch das Lenkgefühl einem Pkw ähnelt.

Marktstart mit 203 kW/276 PS

Zum Marktstart liefert Mercedes den VLE 300 mit Frontantrieb aus. Der Elektromotor an der Vorderachse leistet 203 kW/276 PS. Später folgt die stärkere Modellvariante VLE 400 4Matic mit zwei Elektromotoren, einer Systemleistung von 310 kW/421 PS, und Allradantrieb. Unsere Testfahrten auf den kurvenreichen Küstenstraßen rund um Bilbao zeigen die Grenzen des Frontantriebs auf. Wer aus engen Kehren heraus kräftig beschleunigt, fordert mit dem hohen Drehmoment von 378 Newtonmetern die Vorderreifen bis an ihre Traktionsgrenze. In solchen Momenten regelt die Elektronik den Schlupf ein, um den Kraftschluss zu halten.

Der Mercedes-Benz VLE in edlem Schwarz parkt elegant auf dem Vorplatz eines historischen, herrschaftlichen Steingebäudes.
Auch optisch macht der VLE was her und wird damit dem Stern-Logo in der Front absolut gerecht. Foto: Mercedes-Benz

Souveräner gibt sich hier der leistungsstarke VLE 400, dessen zweiter Motor an der Hinterachse bedarfsweise einen Allradantrieb schafft. Eine intelligente Kupplung (Disconnect Unit) trennt ihn je nach Fahrsituation unmerklich ab, um Energie zu sparen. Ist Allradantrieb gefordert, stabilisiert er den Wagen spürbar und setzt die Kraft ohne Verluste in Vortrieb um. Seine beiden Motoren liefern ein Systemdrehmoment von 570 Newtonmetern.

Antriebsvarianten

Beide Antriebsvarianten nutzen eine Lithium-Ionen-Batterie mit 115 kWh nutzbarem Energieinhalt. Die Zellen verwenden eine moderne Chemie aus Nickel, Mangan und Kobalt. Dank der 800-Volt-Architektur verkraftet der Akku an entsprechenden Schnellladesäulen eine Ladeleistung von mehr als 300 kW. So zieht der VLE im Idealfall in 15 Minuten genügend Strom für weitere 355 Kilometer nach WLTP-Norm. Die maximale Reichweite mit einer Akkuladung liegt bei über 700 Kilometern. Ab Werk kann der VLE zudem Energie bidirektional nutzen – und somit als mobiler Stromspeicher dienen, sofern es das öffentliche oder das Stromnetz des Hauses zulässt.

Seiten-Heck-Profil des Mercedes VLE vor einem herrschaftlichen Anwesen mit komplett elektrisch geöffneter Heckklappe, die den Blick auf den großen Laderaum und silberne Koffer freigibt
Darüber hinaus kann der VLE ungemein praktisch sein. Foto: Mercedes-Benz

Die Dämpfer der Luftfederung Airmatic regeln jedes Rad einzeln und gleichen Unebenheiten oder Schlaglöcher souverän aus. Das System hält das Niveau des Wagens unabhängig von der Zuladung konstant. Ab einer Geschwindigkeit von 110 km/h oder im Sportmodus senkt sich die Karosserie automatisch um 1,5 Zentimeter ab, was den ohnehin niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,25 weiter senkt. Wenn sich die Karosserie im Stand um 4 Zentimeter absenkt, erleichtert das den Ein- und Ausstieg, während eine zusätzliche Anhebung um denselben Wert auf unbefestigten Wegen mehr Bodenfreiheit schafft.

Hinterachslenkung

Die Hinterachslenkung schlägt die Räder hinten um bis zu sieben Grad ein. Unter 60 km/h lenken sie entgegengesetzt zu den Vorderrädern. Das reduziert den Wendekreis auf nur 10,9 Meter. Trotz seiner ausgewachsenen Dimensionen lässt sich der VLE wie ein Mittelklasse-Pkw manövrieren. Über 60 km/h lenken die Räder gleichsinnig, was die Stabilität bei schnellen Spurwechseln erhöht.

Das luxuriöse Interieur des Mercedes VLE Cockpits von vorne mit braunen Ledersitzen, Sportlenkrad und der flächendeckenden Glasfront des optionalen MBUX Superscreens.
Das Cockpit prägt auf Wunsch der optionale MBUX Superscreen, der große Screen hinter einer durchgehenden Glasfläche bündelt. Foto: Mercedes-Benz

Die digitale Steuerung übernimmt das bordeigene Betriebssystem MB.OS. Das System verbindet alle wichtigen Fahrzeugbereiche von der Navigation über die Assistenzsysteme bis hin zur Energieverwaltung. Zur Hardware gehören zehn Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren. Ein wassergekühlter Hochleistungsrechner verarbeitet die Daten in Echtzeit

Optionaler Parkassistent

Ein sinnvolles Extra ist der optionale Parkassistent. Im Vergleich zum aktuellen CLA – dem ersten Modell mit MB.OS – zeigt das System einen massiven Entwicklungssprung. Der Assistent benötigt keine Orientierungslinien mehr auf dem Untergrund. Bei unserem Versuch auf einem unbefestigten Schotterparkplatz an der Küste nahe Bilbao meisterte die Software die Aufgabe schnell und präzise: Sie erkannte eine enge Parklücke zwischen zwei Fahrzeugen, ohne vorher daran vorbeigefahren zu sein – und steuerte den großen VLE autark hinein.

Blick in den großzügigen Fond des Mercedes VLE mit den elektrischen Grand-Komfortsitzen aus braunem Leder inklusive ausfahrbaren Wadenauflagen.
Hohen Luxus bieten die elektrischen Premium- und Grand-Komfortsitze – mit Heizung, einer Lordosenstütze sowie ausfahrbaren Wadenauflagen. Foto: Mercedes-Benz

Das Cockpit prägt auf Wunsch der optionale MBUX Superscreen, der ebenfalls von MB.OS profitiert. Eine durchgehende Glasfläche beherbergt drei Displays: Das Instrumentendisplay misst 10,25 Zoll, während das Zentraldisplay und der separate Bildschirm für den Beifahrer jeweils 14 Zoll Diagonale aufweisen. Der Beifahrer nutzt seinen Monitor autark und streamt beispielsweise Filme oder bedient das Infotainment.

Optional: Entertainment-Paket für die hinteren Sitzreihen

Für die hinteren Sitzreihen bietet Mercedes gegen Aufpreis ein außergewöhnliches Entertainment-Paket an. Ein Panorama-Bildschirm im Riesenformat von 31,3 Zoll und mit 8K-Auflösung fährt per Sprachbefehl aus dem Dachhimmel. Dank der Splitscreen-Funktion können die Passagiere in der zweiten Sitzreihe den Monitor sogar unabhängig voneinander nutzen: Während ein Mitfahrer auf der linken Seite einen Film schaut, nimmt der Nachbar rechts an einer Videokonferenz teil.

Detailaufnahme der fein gemusterten Metallabdeckung eines hochwertigen Burmester-Lautsprechers in der Türverkleidung des Mercedes VLE.
Auch im VLE setzt Mercedes auf feinsten Burmester-Sound. Foto: Mercedes-Benz

Über das Entertainment hinaus bietet der Innenraum viele Komfortfunktionen. Die beiden seitlichen Schiebetüren öffnen und schließen elektrisch ab Werk. Sie bieten voll versenkbare Fenster für frische Luft. Die Innenausstattung erlaubt flexible Konfigurationen mit fünf bis zu acht Sitzplätzen. Kunden können im Fond aus drei neu entwickelten Einzelsitztypen und zwei Sitzbänken wählen. Die mechanischen Komfortsitze nutzen das „Roll & Go“-Konzept. Der Nutzer verschiebt die Sitze mit in einem Schienensystem, arretiert sie in einer gewünschten Position oder baut sie komplett aus. Dank vier integrierter Rollen lassen sich die ausgebauten Sitze auf glatten Untergründen rollen – was den Rücken schont.

Hoher Sitz-Komfort

Hohen Luxus bieten die elektrischen Premium- und Grand-Komfortsitze – mit Heizung, einer Lordosenstütze sowie ausfahrbaren Wadenauflagen. Das Kofferraumvolumen beträgt bei drei genutzten Sitzreihen 795 Liter. Wer alle manuellen Sitze ausbaut, schafft damit 4.078 Liter Laderaum. Noch mehr Platz wird ab 2027 eine Langversion mit 5,48 Metern Länge bieten.

Blick aus den hinteren Sitzreihen nach vorne auf den riesigen, aus dem Dachhimmel ausgefahrenen 31,3-Zoll-Panorama-Bildschirm mit 8K-Auflösung.
Für die hinteren Sitzreihen bietet Mercedes gegen Aufpreis ein außergewöhnliches Entertainment-Paket an. Ein Panorama-Bildschirm im Riesenformat von 31,3 Zoll und mit 8K-Auflösung fährt per Sprachbefehl aus dem Dachhimmel. Foto: Mercedes-Benz

Der VLE lässt sich sowohl mit 3,5 als auch 3,7 Tonnen zulässiger Gesamtmasse konfigurieren. Aufpassen müssen Fahrer, die einen Führerschein der Klasse B besitzen: Für sie ist bei 3,5 Tonnen Schluss. 2027 soll zudem eine günstigere Einstiegsvariante folgen, der VLE 250. Der nutzt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit einem Energieinhalt von 80 Kilowattstunden, was für den überwiegend städtischen Einsatz ausreichen sollte. Mit Frontantrieb wird er als Fünfsitzer in der Serienausstattung bei 64.804 Euro starten; der Sechssitzer soll ab 65.260 Euro haben sein.

Mercedes-Benz VLE 300 elektrisch – Technische Daten:

Fünftürige, bis zu achtsitzige Großraumlimousine; Länge: 5,31 Meter, Breite: 2,00 Meter (mit Außenspiegeln: 2,25 Meter), Höhe: 1,94 Meter, Radstand: 3,34 Meter, Kofferraumvolumen: 795 – 4.078 Liter,

E-Motor vorne mit 203 kW / 276 PS, Drehmoment: 378 Nm, 0–100 km/h: 9,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 18,4 – 20,7 kWh/100 km (WLTP), Akkugröße: 115 kWh (netto), Reichweite: > 700 km (WLTP), Ladeleistung: > 300 kW (DC), 11 kW (AC, Serie) / 22 kW (AC, optional), Ladedauer: DC: 355 km in 15 Minuten, AC (11 kW): k.A., AC (22 kW): k.A. Preis: ab 82.260 Euro (Schweiz ab CHF 90’500.–)

Häufig gestellte Fragen zum Mercedes-Benz VLE

Wie hoch sind die Preise für den Mercedes-Benz VLE?
Zum Marktstart ist der Mercedes-Benz VLE 300 ab 82.260 Euro erhältlich. Für das Jahr 2027 ist zudem eine günstigere Einstiegsvariante namens VLE 250 angekündigt, die mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) ausgestattet ist und preislich ab 64.804 Euro starten wird.
Welche Reichweite und Ladeleistung bietet die Luxus-Großraumlimousine?
Dank einer Netto-Batteriekapazität von 115 kWh erreicht der VLE eine maximale Reichweite von über 700 Kilometern nach WLTP-Norm. Über die moderne 800-Volt-Architektur beträgt die DC-Schnellladeleistung mehr als 300 kW, wodurch in circa 15 Minuten Strom für weitere 355 Kilometer nachgeladen werden kann.
Welches technische Highlight bietet der Fond des Fahrzeugs?
Gegen Aufpreis ist ein außergewöhnliches Entertainment-Paket für die hinteren Sitzreihen lieferbar. Dabei fährt per Sprachbefehl ein 31,3 Zoll großer Panorama-Bildschirm mit 8K-Auflösung aus dem Dachhimmel. Dank einer Splitscreen-Funktion können Passagiere den Monitor unabhängig voneinander für Filme oder Videokonferenzen nutzen.
 

 

 

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Bruno Bissig Gründer & Chefredaktor
ist der Gründer und Chefredakteur von CARPIXX. Seit über 14 Jahren beobachtet und analysiert er den Schweizer Automobilmarkt direkt aus Zug. Als leidenschaftlicher Kenner der Branche hat er über 2.500 Beiträge veröffentlicht und sich auf die Kuratierung und Einordnung globaler Trends für die Schweizer Community spezialisiert. Sein Fokus liegt darauf, technologische Innovationen und Marktentwicklungen verständlich und praxisnah für Enthusiasten aufzubereiten.