Fahrbericht DS N°8 Long Range: Frankreichs elektrische Reiselimousine im ersten Test
Was zeichnet den neuen DS N°8 aus und wie viel Reichweite bietet er?
Der DS N°8 ist das vollelektrische Flaggschiff der französischen Premiummarke DS Automobiles, konzipiert als 4,83 Meter langes, elegantes SUV-Coupé für die Langstrecke. In der getesteten Ausführung Pallas Long Range mit Frontantrieb leistet der Elektromotor 180 kW (245 PS) und nutzt eine 97,2-kWh-Batterie, die eine WLTP-Reichweite von bis zu 749 Kilometern ermöglicht (real ca. 500 bis 600 km auf der Autobahn). Die Preise starten bei 64.200 Euro für die Pallas-Ausstattung und reichen bis zu 78.000 Euro für die limitierte Spitzenversion „Collection Jules Verne“.
SP-X/Köln. Louis Vuitton, Christian Dior, Moet Chandon – bei keinem anderen Volk ist Luxus tiefer verwurzelt als bei der Grande Nation. Ob Haute Couture oder prickelnder Champus, Frankreichs Nobelmarken stehen für ein Leben auf der Überholspur. Nur zu gerne würde sich auch DS in Prunk, Pomp und Pracht der Premiummarken sonnen. Doch die Türen zur automobilen Belle Etage sind schwer und öffnen sich nur zaghaft. Zudem liefen die Geschäfte des apostrophierten Luxusablegers von Citroën zuletzt schlecht. Für 2025 standen in Europa minus 22 Prozent in der Bilanz, auf dem Heimatmarkt Frankreich sogar minus 25 Prozent.
Grund genug, gegenzusteuern. Zum Beispiel mit dem neuen Elektro-Flaggschiff DS N°8, der ganz in der Tradition der unvergessenen DS aus den 1950er-Jahren stehen soll. Wie schon Charles de Gaulle, der die Göttin regelmäßig als Dienstwagen nutzte, fuhr auch Präsident Emmanuel Macron bereits mit der Nummer Acht vor. Und dass der Name an Chanels ikonischen Damen-Duft erinnert, ist sicherlich auch kein Zufall.
Welch aldehydische Wirkung das neue Flaggschiff verströmt, konnten wir auf einer ausgiebigen Testfahrt erschnuppern. Dabei ist der DS N°8 weniger ein Auto für den roten Teppich als eines für die große Reise. 4,83 Meter lang, fast 2,10 Meter breit und gerade einmal 1,58 Meter hoch, passt der Franzose in keine übliche Schublade. Zu flach für einen SUV, zu hoch für eine Limousine und zu praktisch für ein Coupé. Am ehesten lässt sich der N°8 wohl als SUV-Coupé beschreiben – oder schlicht als Antwort auf die Frage, wie eine elektrische Oberklasse-Limousine aussieht, wenn sie nicht aus Stuttgart, Ingolstadt oder München kommt. Eine eigene Nische irgendwo zwischen Premium, Design und französischer Lebensart.
Dafür haben die Designer ihre früher bisweilen etwas überbordende Fantasie gezügelt. Herausgekommen ist ein E-Auto mit langen Linien, fließendem Dach und einem Heck, das fast wie aus einem einzigen Bogen gezeichnet wirkt. Vorne leuchtet der Kühlergrill, das DS-Logo funkelt, und die charakteristische Lichtsignatur zieht sich wie ein Schmuckstück über die Front. Die Türgriffe fahren elektrisch aus, wenn man sich nähert. Das alles wirkt weniger futuristisch als bei manchem asiatischen Stromer. Man möchte auffallen, aber bitte mit Stil.
Auch innen versucht das Familienoberhaupt eine eigene, französisch inspirierte Luxusidee zu interpretieren. Statt eines klinisch sterilen Elektro-Cockpits gibt es viele klassische Tasten und Schalter. Alles ist bewusst vertraut. Wer vom Verbrenner auf Strom umsteigt, soll sich nicht vorkommen wie auf dem ersten Flug zum Mars. Wichtige Funktionen bleiben direkt erreichbar, die Menüführung erweist sich mit etwas Eingewöhnung als logisch und die Bedienung ist insgesamt angenehm konventionell.
Dazu kommen Materialien, die dem Anspruch der Marke gerecht werden. Viele Flächen sind weich gepolstert, das Armaturenbrett ist unterschäumt, die Innenseiten der Türen mit Stoff oder Leder verkleidet. Hinter kunstvoll ausgefrästen Alu-Tafeln sitzen die Lautsprecher. In der exklusiven Jules-Verne-Ausführung wird alles noch gediegener: Alcantara-Türtafeln tragen hier lasergeschnittene Muster, die an die Geschichten des französischen Schriftstellers erinnern.
Überhaupt ist das Interieur die Champagner-Seite des DS. Die etwas höher montierten Sitze sind ausgesprochen bequem und offerieren auf Wunsch einen Nackenwärmer. Kleine Düsen blasen dann warme Luft direkt in Richtung Hals. Viel Platz gibt es vor allem in der Breite. Der Kofferraum fasst 620 Liter, umlegbare Lehnen sorgen für noch mehr Praktikabilität im Alltag. Das abfallende Dach setzt allerdings Grenzen. Ab etwa 1,80 Meter kann es hinten am Dachhimmel eng werden. Der N°8 ist eben eher Salon als Raumstation.
Doch genug der Pariser Innenarchitektur. Zeit, den Startknopf zu drücken und loszufahren. Unser Testwagen in der Long-Range-Version mit 97,2-kWh-großem Akku, 180 kW/245 PS und Frontantrieb verspricht auf dem Papier bis zu 749 Kilometern Reichweite. Er steht als Pallas ab 64.200 Euro in der Preisliste, in der Vollfett-Version „Collection Jules Verne“ werden 78.000 Euro fällig.
So gefüttert, sprinten 2,2 Tonnen Luxus in 7,8 Sekunden auf Tempo 100. Das klingt spritzig. Und ist es auch. Wobei der N°8 nicht hetzen möchte. Er will in erster Linie gleiten und reisen. Schon nach wenigen Kilometern wird klar, wo die Kernkompetenz des großen Franzosen liegt: in der Ruhe. Windgeräusche bleiben weitgehend draußen, vom E-Antrieb ist ohnehin kaum etwas zu hören. Kleine Unebenheiten verschwinden nahezu vollständig, Fahrbahnwellen werden souverän glattgezogen. Bei groben Querfugen kann der N°8 allerdings nicht verhehlen, dass er auf einer stattlichen Batterie und entsprechend viel Gewicht steht. Ganz französische Sänfte im Gedenken an den göttlichen ersten DS ist er also nicht.
Trotzdem kaschiert der N°8 seine Masse erstaunlich geschickt. Auf kurvigen Straßen überrascht er sogar mit Agilität. Die Lenkung ist präzise genug, um das Luxusgefährt zielgenau zu manövrieren. Wer im Kurveneingang etwas zu viel Euphorie entwickelt, bekommt die Quittung der Physik: Dann schiebt der DS über die Vorderräder.
Am besten schlendert man mit dem Achter im Eco-Modus dahin, mit leichtem Druck auf das Fahrpedal und möglichst weit geöffnetem Horizont. Das passt prächtig zur Philosophie des Autos. Selbst die Leistungsunterschiede zwischen den Fahrprogrammen fallen weniger dramatisch aus als bei manchem deutschen Konkurrenten. So tiefenentspannt auf der Autobahn dahinrollend, kommt man realistisch rund 500-600 Kilometer mit einer Akkufüllung. Etwa 17 kWh hat sich unser N°8 auf 100 Kilometer gegönnt. Ein ziemlich charmantes Ergebnis für eine fast fünf Meter lange Reiselimousine. Der cW-Wert von 0,24, aktive Luftklappen, ein verkleideter Unterboden und aerodynamisch optimierte Räder leisten ihren Beitrag, dass der DS gerade auf der Autobahn besonders effizient unterwegs ist.
Beim Laden zeigt sich allerdings, dass sich die Franzosen nicht überall den neuesten Stand der Elektrotechnik geleistet haben. N°8 basiert auf einer 400-Volt-Architektur und kann maximal mit 160 kW Gleichstrom laden. Von 20 auf 80 Prozent verstreichen rund 27 Minuten. Das ist ordentlich, aber angesichts immer leistungsfähigerer Konkurrenten mit 800-Volt-Systemen wirklich kein Grund, die La Marseillaise anzustimmen. Hier hätte dem Aushängeschild des französischen Automobilbaus ein wenig mehr technische Avantgarde gutgetan. Denn Luxus bedeutet im Jahr 2026 auch, möglichst wenig Zeit an der Ladesäule zu verbringen.
Wer sich diese nimmt, kommt durchaus in den Genuss eines sehr entspannten Grandhotel-Gefühls. Auch wenn der DS N°8 nicht in Frankreich, sondern im italienischen Melfi gebaut wird, verkörpert er doch viel von dem, was die Grande Nation unter l‘art de vivre versteht, der Kunst und dem Genuss des Lebens. Er sagt dir auf jedem Meter: Schau her, ich bin ein Franzose. Entspann dich!
Dieser Fahrbericht stammt von Tomas Hirschberger/SP-X
Technische Daten
DS N°8 Pallas, FWD, Long Range
Fünftüriges SUV-Coupé mit Frontantrieb, Länge: 4.82 m, Breite: 2.09 m, Höhe: 1.58 m, Radstand: 2.90 m. Kofferraumvolumen 621 -1553 Liter,
Elektroantrieb, Leistung 180 kW/245 PS, max. Drehmoment 343 Nm, Ein-Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2.180 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 97,2 kWh, max., DC-Ladeleistung 160 kW, Ladezeit 20 – 80 % in 27 min, max. Reichweite 692 – 749 km (kombiniert, WLTP), Energieverbrauch 15,9 – 17,3 kWh/100 km (gewichtet, WLTP), 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 190 km/h.
Preis: ab 64.200 Euro
Häufige Fragen zum DS N°8
Wie weit kommt der DS N°8 Long Range mit einer Akkuladung?
Mit der 97,2-kWh-Batterie erzielt die frontgetriebene Long-Range-Variante eine WLTP-Reichweite von 692 bis 749 Kilometern. Auf der Autobahn sind bei moderatem Tempo realistische Distanzen von 500 bis 600 Kilometern möglich.
Wie schnell lädt der DS N°8 an Schnellladesäulen?
Der DS N°8 nutzt eine 400-Volt-Architektur und lädt mit maximal 160 kW Gleichstrom (DC). Ein Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent der Akkukapazität dauert rund 27 Minuten.
Was kostet der DS N°8 Pallas Long Range?
Der Einstiegspreis für den DS N°8 Pallas FWD Long Range liegt bei 64.200 Euro. Die edel ausgestattete Topversion „Collection Jules Verne“ kostet 78.000 Euro.