Fahrbericht: Changan Deepal S07
Ein weiterer chinesischer Autobauer betritt die europäische Bühne: Changan. In Deutschland startet die Marke im Herbst – mit einem vollelektrischen Mittelklasse-SUV.
Inhaltsverzeichnis
SP-X/Mainz. Der Name Changan sagt den meisten deutschen Autofahrern zunächst mal wenig. Dabei ist die Marke der viertgrößte Hersteller im Reich der Mitte, sie wurde vor 41 Jahren gegründet und pflegt schon lange intensive Beziehungen zu Europa – etwa durch eine große Designabteilung in Turin und eine etwas kleinere in München. In China ist das Portfolio in Changan, Deepal und Avatr aufgeteilt, mit einem in dieser Reihenfolge steigenden Preisniveau. Der Erstling namens Changan Deepal S07 bewegt sich also im mittleren Segment, das sind im konkreten Fall um die 45.000 Euro. Damit passt er gut zu seinen Mitbewerbern wie Tesla Model Y, Kia EV6 oder Skoda Enyaq. Neben einer üppigen Basisausstattung bietet er auch beruhigende Garantie-Konditionen. Anders ließe sich der Kaltstart in ein so stark umkämpftes Segment auch gar nicht angehen.

Front mit Haifisch-Nase
Rein optisch kann der S07, der noch 2025 Gesellschaft vom Kompakt-SUV S05 bekommen soll, durchaus mithalten – der Expertise aus Turin sei Dank. Die Front mit der Haifisch-Nase wirkt ein wenig angriffslustig, scharfe Kanten und kontrastierend abgesetzte Lufteinlässe sorgen für einen respektheischenden Auftritt. Die Seitenlinien mit den versenkten Türgriffen und die Heckpartie mit dem kecken Knick wirken harmonisch.

Innenraum
Der S07 ist klassenkonforme 4,75 Meter lang, sein Radstand von 2,90 Metern sorgt für reichlich Platz im Innenraum. Die vorne Sitzenden dürfen sich über heiz- und kühlbares Gestühl freuen, auch ein eigener Modus fürs 20-minütige Power-Napping während des Ladens ist vorgesehen. Auch hinten ist es rundum luftig, auf die Klimatisierung der Sitzflächen wurde aber verzichtet. Und ja: Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien machen einen guten bis sehr guten Eindruck. Der Kofferraum fasst laut chinesischer Norm 445 bis 1.385 Liter, wirkt aber in der Realität deutlich voluminöser und gut nutzbar. Der praktische Frunk unter der Fronthaube fasst ordentliche 125 Liter.
Blitzschneller 15,6-Zoll-Touchscreen
Die Bedienung erfolgt fast ausschließlich über den hochauflösenden und blitzschnell reagierenden 15,6-Zoll-Touchscreen, der zum Fahrenden, mittig und zum Beifahrenden hin ausgerichtet werden kann. Die Funktionsvielfalt ist hoch, aber auch die mit einem kurzen Wischer von links außen darstellbare Schnellzugriffs-Leiste hilft nicht darüber hinweg, dass man sich intensiv in die Menü-Tiefen einarbeiten muss. Und dass auch häufig benötigte Funktionen wie die Außenspiegelverstellung erst nach mehreren Schritten aufgerufen werden können.

Sprachsteuerung
Die Sprachsteuerung versteht schon den einen oder anderen Befehl, beispielsweise Fenster öffnen oder Heizung runterdrehen. Sie ist sich aber über ihre aktuellen Defizite im Klaren und verspricht eine schnelle Lernfähigkeit. Recht gut haben die Chinesen im ersten Anlauf die deutschen Bezeichnungen für die Menüs und Funktionen hinbekommen. Das hat man beim Start anderer Marken schon schlechter erlebt. Ein Zentral-Display vor dem Lenkrad hat sich Changan gleich ganz gespart, dessen Funktionen übernimmt das sehr klar und dreidimensional darstellende AR-Head-up-Display, in dem zwar nicht der Akkustand, aber zumindest die verbleibende Reichweite abzulesen ist.
160 kW/217 PS
Der Antrieb sitzt im Heck, leistet 160 kW/217 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Die Fahrleistungen passen ganz gut zu einem Familien-SUV. Bei dem stehen nicht so sehr rasante Sprints im Vordergrund, sondern eine bei Bedarf zügige und komfortable Fortbewegung. Und beides bietet der Changan-Stromer. Die Antriebsleistung lässt sich zwischen den Modi Eco, Normal und Sport variieren, die Unterschiede bei der Performance sind allerdings überschaubar, deutlicher variiert dabei die automatisch angewählte Rekuperation – von ziemlich stark bis zum annähernden Segel-Modus. Mit einem beherzten Griff in die Menütiefen lässt sich die Strom-Rückgewinnung aber auch individuell einstellen.

Von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden
Der Hersteller gibt für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h 7,5 Sekunden an. Bei 180 Sachen wird abgeregelt. Und auch aus diesem Tempo lässt sich der S07 flott und sicher runterbremsen – trotz gut zwei Tonnen Lebendgewicht. Das Fahrwerk passt zum angepeilten Einsatzzweck, es ist tendenziell komfortabel mit einem Hauch von Straffheit. In Kurven möchte der Changan-Spross ein bisschen hineingebeten werden, liefert dann aber auch unter herausfordernden Bedingungen eine ordentliche Vorstellung ab. Die Lenkung macht ebenfalls einen guten Job, eine etwas deutlichere Rückmeldung wäre aber trotzdem wünschenswert. Für Sicherheit sorgen unter anderem die integrierte Adaptive Geschwindigkeitsregelung, der Spurhalteassistent, die Verkehrszeichenerkennung und die automatische Notbremsung. Die Fahrerassistenzsysteme ermöglichen das teilautonome Fahren auf Stufe 2, bei der das Auto von selbst die Spur hält, beschleunigt und bremst.
Reichweite von 475 Kilometern
Aber nun zum Kapitel Reichweite, Verbrauch und Akku. Der Stromspender im Unterboden des S07 fasst netto 80 kWh. Bei unserer ersten Testfahrt innerorts, auf Landstraßen und mit einem schnellen Autobahnabschnitt errechnete der Bordcomputer einen Verbrauch von knapp über 20 kWh/100 km, weniger wäre mit etwas Zurückhaltung am Fahrpedal problemlos möglich gewesen. Der WLTP-Verbrauch von 18,6 kWh/100 km ergibt eine Reichweite von 475 Kilometern. Das ist nicht gerade rekordverdächtig, bleibt aber im Rahmen. Kritischer wird es beim Aufladen. Denn der Akku lässt sich lediglich mit maximal 93 kW füllen. Die Ladezeit von 30 bis 80 Prozent der Batteriekapazität liegt bei 35 Minuten. Wer den Stromspeicher bis auf zehn Rest-Prozent leert, steht beim 80-Prozent-Tanken fast eine Dreiviertelstunde herum.

Üppige Ausstattung
Dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist, ist auch den Chinesen klar, sie versprechen Besserung, und zwar in absehbarer Zeit. Bis dahin wollen sie ihre Kunden mit einer üppigen Ausstattung inklusive eines knapp zwei Quadratmeter großen Panoramadachs, Zweizonen-Klimaautomatik, mit einer 5-Sterne-Bewertung beim Euro NCAP-Crashtest und umfangreichen Garantieleistungen von sieben Jahren oder 160.000 Kilometern auf das Fahrzeug und acht Jahren beziehungsweise 200.000 Kilometern auf den Akku überzeugen.
Dieser Beitrag stammt von Rudolf Huber, Redakteur für das Redaktionsbüro SPS Spotpress Services GmbH.
Changan Deepal S07 – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse; Länge: 4,75 Meter, Breite: 1,93 Meter, Höhe: 1,63 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen: 445 – 1.385 Liter
E-Motor mit 160 kW/217 PS, Drehmoment: 320 Nm, 0-100 km/h: 7,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 18,6 kWh/100 km, Akkugröße: 80 kWh, Reichweite: 475 km (WLTP), Ladeleistung: 93 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 30-80 % in 35 Minuten, AC 0-100 %: k. A.
Preis: ab 45.000 Euro