GMC Hummer EV 3X: 1’160 PS und 4,5 Tonnen – Das massivste Elektro-Monster der Welt im Test
Was leistet der neue GMC Hummer EV 3X und wie schwer ist der Elektro-Koloss?
Der GMC Hummer EV 3X Pickup ist mit einem Leergewicht von rund 4,5 Tonnen und einer Leistung von bis zu 853 kW (1’160 PS) einer der extremsten Elektro-Pick-ups der Welt. Angetrieben von drei Elektromotoren (einer vorn, zwei hinten) katapultiert sich der 5,50 Meter lange Koloss in nur 2,8 Sekunden von 0 auf 96 km/h. Eine gigantische 24-Modul-Batterie mit 212 kWh Kapazität ermöglicht nach US-EPA-Standard bis zu 530 Kilometer Reichweite sowie bidirektionales Laden als rollendes Notstromaggregat. Zu den technischen Highlights zählen der verfeinerte Diagonalfahr-Modus «King Crab», adaptive Luftfederung und der teilautomatisierte Fahrassistent «Super Cruise».
SP-X/New Jersey. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Als 2021 der treue Veteran Hummer plötzlich nur noch als Elektro-Spähwagen auftauchte, war das zumindest einen Schmunzler wert. Bei rund 4,5 Tonnen frischem Hummer hatte das grüne GMC-Projekt deutliche Züge einer Trump-Rede: ziemlich unterhaltsam, aber moralisch grenzwertig.
Nach anfänglicher Euphorie sind die Verkaufszahlen des Hummer EV in den USA inzwischen stark rückläufig. Deshalb hat sich GM entschlossen, seinen Elektro-Krieger neu zu munitionieren. Zum neuen Modelljahr bekam der Hummer EV eine Leistungsspritze, eine flinkere Hinterradlenkung und einige technische Nachbrenner. Die wichtigste News für alle, denen 1.000 PS bislang als Ausdruck von Schwäche galten: In der Topversion stehen nun bis zu 853 kW/1.160 PS bereit. Möglich machen das eine neue Monster-Batterie mit 24 Modulen und 212 kWh, sowie Optimierungen an Software und Antriebssteuerung. Nach US-amerikanischem EPA-Standard ist jetzt eine elektrische Reichweite von bis zu 530 Kilometern drin. Neu ist auch das bidirektionale Laden: Der Hummer kann jetzt Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben. Der Elektro-Krieger wird damit zum rollenden Notstromaggregat.
Zum ohnehin schon spektakulären Crab Walk, mit dem sich der Truck diagonal, fast wie eine Krabbe seitwärts aus dem Staub machen kann, gesellt sich nun der neue King-Crab-Modus. Er schärft diese Fähigkeit, indem die Hinterradlenkung noch schneller auf Lenkbefehle reagiert und die Manövrierfähigkeit auf engem Terrain erleichtert. Zudem wurde die Federung des Luftfahrwerks komfortabler ausgelegt und die neueste Version des teilautomatisierten Fahrassistenten Super Cruise aufgespielt. Der kann auf geeigneten, kartierten Straßen nun auch automatische Spurwechsel übernehmen. Ein Facelift brauchte die Riesenkrabbe ohnehin nicht. Der Auftritt des 5,50-Meter-Kolosses ist noch immer eine Show ohne Verfallsdatum.
Am Steuer des aufgefrischten Pick-ups sind wir zu Halloween durchs ländliche New Jersey gestromert. Einem Bundesstaat, in dem die Dimensionen des Hummers kaum jemanden erschrecken dürften. Hier, zwischen sechsspurigen Highways, luftigen Landstraßen und Farmen im XXL-Format, wirkt der Humvee heimisch. Dieser Blech-Berg ist nicht einfach nur groß. Er ist Big im amerikanischen Sinne: mit einer Karosserie, die jede Parklücke einschüchtert, einer Front wie eine Festungsmauer und einer Ladefläche, die hinter dem gewaltigen Fahrerhaus eher symbolischer Natur ist, wenn man sie mit der schieren Masse des Fahrzeugs vergleicht. Der Hummer braucht viel Straße, bietet aber vor allem innen nicht annähernd so viel Raum, wie sein Auftritt vermuten lässt. Wohl selten wurde im Automobilbau so wenig nutzbarer Platz auf so großer Verkehrsfläche geschaffen.
Unter dem Blech lauert ein Kraftwerk, mit dem man eine Kleinstadt erhellen könnte. Drei Elektromotoren treiben die Räder an, einer vorn und zwei hinten. Die Power der neuen Topversion 3x ist eine Naturgewalt und zeigt dem gesunden Menschenverstand einen Vogel. Tritt man das Fahrpedal durch, schiebt der Hummer mit einer Vehemenz nach vorn, als wäre er weitgehend aus Balsaholz gebaut. Zwei Komma acht Sekunden bis 96 km/h gibt GMC an. Nicht übel, für einen Truck, der mehr wiegt als drei durchschnittliche Kleinwagen. Die Masse ist beim Beschleunigen schnell vergessen, beim Bremsen aber sofort wieder präsent. Wer den Stromstoß allzu beherzt abruft, sollte sich daran erinnern, dass auch in Amerika die Physik keine Sondergenehmigung für übergewichtige Pick-ups ausstellt.
Kameras helfen uns dabei, den Überblick zu behalten. Sie zeigen, was sich vor, hinter und neben dem Fahrzeug abspielt, und können auch Ansichten aus dem Gelände liefern. Wer sich auf die bloße Sicht durch die schmale Frontscheibe verlässt, dürfte sich dagegen schnell nach einem besseren Aussichtspunkt sehnen. Im Innenraum geht es weniger martialisch zu als draußen. Das Cockpit wird von digitalen Anzeigen und einem 13,4 Zoll großen Zentraldisplay geprägt, die Software bietet Google-Integration. Die Bedienung wurde im Detail überarbeitet; unter anderem entfällt der klassische Startknopf. Stattdessen genügt es nun, das Bremspedal zu betätigen. Neue Farben innen und außen bringen frischen Wind in den Stromer, ohne das Grundkonzept anzutasten. Allerdings stehen Materialanmutung und der Preis von mindestens 105.000 Dollar in einem deutlichen Missverhältnis. Der Hummer setzt eher auf robuste Wirkung als auf die Noblesse europäischer Luxus-SUVs. Dafür gibt es herausnehmbare Dachteile, die bei schönem Wetter die Laune auf sonnig stellen. Wer sie herausnimmt, sollte allerdings bedenken, dass die Teile auch irgendwo verstaut werden müssen.
Die Frage, wofür man ein solches Auto braucht, stellt sich wohl nur für uns. In unserem Alltag wäre der Klops ein rollender Klotz am Bein: zu breit für jedes Parkhaus, zu schwer für den normalen Pkw-Führerschein B, zu gewaltig und dekadent, als dass er als grüner Weltretter durchgehen könnte. Trotzdem wird er hier und da über Importeure ins Land geholt.
Zwischen liebevollen Kürbisdekorationen und den gigantischen Vorgärten in New Jersey stellt sich keiner Fragen nach der Exitenzberechtigung des Hummer EV. Hier wirkt der Strom-Krieger so selbstverständlich wie ein Football-Spiel am Sonntag. Wahrscheinlich ist genau das der Witz an diesem Auto. Man muss es halt mit Humor nehmen.
Häufige Fragen zum GMC Hummer EV 3X (FAQ)
Wie viel Leistung und Beschleunigung hat der GMC Hummer EV 3X?
Der Hummer EV 3X leistet mit drei Elektromotoren bis zu 853 kW (1’160 PS) und beschleunigt trotz eines Gewichts von rund 4,5 Tonnen in nur 2,8 Sekunden von 0 auf 96 km/h.
Wie gross ist die Batterie und welche Reichweite bietet der Truck?
Das Akkupaket fasst gewaltige 212 kWh in 24 Modulen, was eine elektrische Reichweite von bis zu 530 Kilometern nach US-EPA-Norm ermöglicht. Zudem beherrscht der Hummer bidirektionales Laden.
Was ist der King-Crab-Modus beim Hummer EV?
Der King-Crab-Modus ist die weiterentwickelte Allradlenkung des Hummers. Sie lässt die Hinterräder synchron mit den Vorderrädern noch schneller reagieren, wodurch der Truck diagonal wie eine Krabbe fahren und enge Passagen meistern kann.
Darf man den GMC Hummer EV mit einem normalen B-Führerschein fahren?
Nein, aufgrund des Leergewichts von rund 4,5 Tonnen überschreitet der Hummer EV das Pkw-Limit von 3,5 Tonnen deutlich. In Europa und der Schweiz ist daher ein Lkw-Führerschein (Klasse C1 bzw. C) erforderlich.