E-Auto-Wende verschlafen: Studie deckt fatale Fehlentscheidungen europäischer Autobauer auf
Haben Europas Autohersteller den Umstieg auf das E-Auto verschlafen?
Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Allianz Trade haben Europas Autobauer den Wandel zur Elektromobilität zu spät eingeleitet und damit ihre globale Wettbewerbsfähigkeit drastisch geschwächt. Hauptursache für den Rückstand gegenüber chinesischen Konkurrenten sind strategische Fehlentscheidungen: Statt frühzeitig in Batterietechnik und Software zu investieren, sicherten die Konzerne jahrelang kurzfristige Verbrenner-Gewinne ab. In der Folge brachen die Gewinnmargen deutscher Hersteller von rund 13 % (2022) auf zuletzt etwa 4 % ein, während die Marktanteile in Europa und China massiv sanken.v
SP-X/Köln. Europas Autohersteller haben den Umstieg auf Elektroautos zu spät eingeleitet und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit geschwächt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade.
Die Unternehmen hätten demnach jahrelang vor allem in die Weiterentwicklung ihrer Diesel und Benziner sowie in die Sicherung kurzfristiger Gewinne investiert, statt frühzeitig auf Elektromobilität und Software zu setzen. Der heutige Rückstand gegenüber chinesischen Wettbewerbern sei daher nicht allein auf höhere Produktionskosten zurückzuführen, sondern auch auf strategische Fehlentscheidungen.
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den drei großen deutschen Autokonzernen Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz. Deren Marktanteile sind laut der Untersuchung seit 2021 in Europa um rund zehn Prozentpunkte und in China um sieben Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig hat sich die Ertragslage verschlechtert: Die Gewinnmargen deutscher Hersteller seien von rund 13 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt etwa 4 Prozent gefallen. Die von den Unternehmen je Fahrzeug erzielte Wertschöpfung liege auf dem europäischen Markt inzwischen 30 bis 45 Prozent unter dem Niveau von 2021 beziehungsweise 2022.
Als wesentlichen Grund nennt die Studie die verspätete Elektrifizierung. Während chinesische Hersteller frühzeitig große Produktionskapazitäten für Batterien und Elektroautos aufgebaut haben, hätten europäische Unternehmen ihr Kapital lange zur Absicherung des bestehenden Verbrenner-Geschäfts eingesetzt. Inzwischen haben sie der Studie zufolge beim Elektroautoabsatz auf dem Heimatmarkt zwar aufgeholt, leiden aber weiterhin unter hohen Kosten und einer geringeren Profitabilität.
Hinzu kommt eine Verschiebung der Wertschöpfung. Während bei Verbrennern Motor und Fahrwerk einen großen Teil des Fahrzeugwerts ausmachen, entfallen bei Elektroautos inzwischen 50 bis 60 Prozent auf Batterie und Software. Gerade in diesen Bereichen sind europäische Hersteller stark von asiatischen Unternehmen abhängig. Eine eigenständige europäische Batteriezellproduktion im großen Maßstab halten die Experten kurzfristig kaum für wettbewerbsfähig.
Kritisch bewertet Allianz Trade vor diesem Hintergrund auch die geplante Lockerung der europäischen CO2-Vorgaben. Eine Abschwächung der Ziele könne den Herstellern kurzfristig Entlastung verschaffen, zugleich aber dringend notwendige Investitionen verzögern und den technologischen Rückstand vergrößern. Statt auf vollständige Unabhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu setzen, empfehlen die Autoren gezielte Partnerschaften sowie Investitionen in Software, Batterietechnik und Zukunftsfelder wie autonomes Fahren.
Häufige Fragen zur Allianz Trade Studie (FAQ)
Warum haben europäische Hersteller den Anschluss bei E-Autos verloren?
Europäische Autobauer investierten jahrelang vorrangig in die Optimierung von Benzin- und Dieselmotoren sowie in kurzfristige Gewinnsicherung. Dadurch entstand ein technologischer Rückstand bei Software und Batteriezellen gegenüber chinesischen Konkurrenten, die frühzeitig Skaleneffekte aufgebaut haben.
Wie stark sind die deutschen Autobauer wie VW, BMW und Mercedes betroffen?
Seit 2021 sanken die Marktanteile der drei Konzerne in Europa um rund zehn Prozentpunkte und in China um sieben Prozentpunkte. Die durchschnittlichen Gewinnmargen fielen von rund 13 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt nur noch etwa 4 Prozent.
Warum verschiebt sich die automobile Wertschöpfung?
Während bei Verbrennern Motor und Getriebe den Hauptwert bildeten, entfallen bei Elektroautos 50 bis 60 Prozent der Wertschöpfung auf Batterie und Software. In diesen beiden Schlüsselbereichen sind europäische Hersteller stark von Zulieferern aus Asien abhängig.
Helfen gelockerte CO2-Ziele den europäischen Autobauern?
Eine Lockerung der CO2-Grenzwerte verschafft den Herstellern laut Allianz Trade nur kurzfristige finanzielle Atempause. Sie birgt jedoch das Risiko, dringend notwendige Investitionen weiter zu verzögern und den technologischen Rückstand gegenüber China noch zu vergrößern.