BYD Dolphin Surf im Test: Was taugt der auffällige City-Stromer zum echten Spartarif?
Ist der BYD Dolphin Surf ein empfehlenswerter Elektro-Kleinwagen?
Im Alltagstest erweist sich der knapp vier Meter lange Fünftürer als überzeugender City-Stromer mit überraschend wenig Kompromissen. Zu den größten Stärken zählen das überdurchschnittlich wertig verarbeitete Cockpit, ein gutes Raumangebot für vier Erwachsene und faire Effektivpreise: Dank offizieller Herstellerboni startet das Modell real bereits um 20.000 Euro (Schweiz ab CHF 20’990.–), während die stärkere Variante mit großem 43,2-kWh-Akku (115 kW/156 PS, bis zu 322 km Reichweite) zwischen rund 23.000 und 25.000 Euro (Schweiz ab CHF 24’990.–) liegt. Schwächen zeigen sich lediglich bei längeren Autobahnfahrten sowie der auf 85 kW begrenzten DC-Schnellladeleistung.
SP-X/Köln. Kleinwagen und Elektroantrieb – das passt einfach. Im wachsenden Stromer-Angebot der Stadtauto-Klasse zählt der BYD Dolphin Surf mit seinen zackigen Formen optisch zu den auffälligsten Vertretern. Das exaltierte Design kann sich der Fünftürer durchaus leisten: Bei Qualitätsanmutung, Platzangebot und Preis ist er ganz vorne mit dabei. Letzterer ist aber ein wenig flexibler als üblich.
BYD Dolphin Surf macht auf Mini-Lamborghini
Wo viele Kleinwagen auf Niedlichkeit setzen, gibt der BYD den Mini-Lamborghini. Die pfeilförmige Front, die böse blickenden Scheinwerfer und die insgesamt kantige Form zumindest lassen an die Sportwagen und Crossover aus Sant’Agata denken. Wer den Eindruck noch unterstreichen will, wählt aus dem Farbprogramm das knallige Grüngelb, das die Chinesen auch für die Werbekampagne nutzen. Der kleine Delphin kann aber auch anders: In Schwarz lackiert wirkt er gleich deutlich zurückgenommener und seriöser.
Innenraum
Designtechnisch wirklich punkten kann der Kleinwagen aber im Innenraum. Der ist keine Hartplastikwüste, sondern in großen Teilen weich abgepolstert, farblich freundlich gestaltet und gut verarbeitet. Von den haptisch und mechanisch gut gelungenen Tasten am Multifunktionslenkrad darf sich manch ein europäischer Volumenhersteller gerne inspirieren lassen. Ansonsten läuft die Bedienung vor allem über den zentralen Touchscreen, der sich wie bei der Marke üblich von Quer- auf Hochformat drehen lässt – eher ein Gag als ein praktischer Vorzug. Weiterhin vorhanden sind physische Schalter für die Klimaanlage, die sich ebenfalls gut anfassen. Allerdings können sie auch nicht darüber hinweghelfen, dass Luftstrom und Temperatur nur vergleichsweise grob steuerbar sind. Die mittleren Ausströmer sind so tief montiert, dass sie zumindest im Hochsommer nicht immer ausreichend Kühlwirkung bieten.
Platzangebot
Platzangebot und Ergonomie stimmen, wenn man auf den ansehnlichen Kunstledersitzen Platz genommen hat. Selbst hinten lässt es sich für zwei Erwachsene in dem nur vier Meter langen Auto gut aushalten – auch bei überdurchschnittlicher Körpergröße. Für einen dritten Passagier ist die Rückbank nicht zugelassen – und angesichts der knappen Breite von nur 1,72 Metern auch nicht geeignet. Der Kofferraum ist trotzdem großzügig. Einen leichten Punktabzug gibt es, weil beim Umklappen der Sitze eine störende Stufe bleibt. Dass es selbst im kleinen E-Segment anders geht, zeigt zum Beispiel der Hyundai Inster.
65 kW/88 PS bis 115 kW/156 PS
Auf der Straße muss sich der BYD aber vor der Konkurrenz in seinem Segment nicht verstecken. Das gilt vor allem im städtischen Alltag, für den die 65 kW/88 PS starke Basisversion gemacht ist. Die für den Test zur Verfügung gestellte 115 kW/156 PS starke Top-Variante ist hingegen auch hinter dem Ortsausgangsschild ausreichend souverän unterwegs – und für die meisten Käufer daher wohl erste Wahl. Durchzug und Endgeschwindigkeit erlauben zügiges Überholen, das Mitschwimmen auf der Autobahn klappt ebenfalls, wobei der kurze Radstand und die indirekte Lenkung häufigere Kurskorrekturen erfordern, was den Fahrkomfort auf längeren Strecken mindert. Besser passen Abstimmung und Konstruktion auf jeden Fall für den Stadtverkehr, wo der kleine BYD die meisten Unebenheiten sauber wegfedert.
Reichweiten von 220 Kilometer bis 322 Kilometer
Bei der Batterie hat der Kunde die Wahl zwischen 30 kWh und 43,2 kWh – im starken Modell ist letztere Variante Serie. Mit der kleinen Batterie kommt der Dolphin Surf rund 220 Kilometer weit, mit dem größeren Speicher sind je nach Motorisierung 310 bis 322 Kilometer drin. Bei sommerlichen Temperaturen war das auch im Praxis-Mix durchaus möglich, der Verbrauch lag in der Stadt bei rund 14 kWh, über Land im 17-kWh-Bereich. Beides sind keine herausragenden, aber zumindest ordentliche Werte. Geladen wird der große Akku mit bis zu 85 kW, die plateauartig über einen breiten SoC-Bereich anliegen. Trotzdem braucht es auf längeren Etappen Geduld und Planung – bei einem Kleinwagen ist das allerdings verschmerzbar. In der Regel dürfte das Auto sowieso mit den üblichen 11 kW an der heimischen Wallbox laden.
Preise
Fehlt noch der Preis, und der ist gleichzeitig eine große Stärke und etwas erklärungsbedürftig. Regulär kostet der Dolphin Surf in der Basisversion „Active“ mit kleinem Akku ab 23.500 Euro (Schweiz ab CHF 20’990.–), mit dem großen 31.500 Euro. Damit wäre er im Konkurrenzvergleich sicher kein Schnäppchen, aber BYD rabattiert aktuell kräftig und weist schon seit Marktstart Mitte 2025 auf seiner Internetseite einen offiziellen Herstellerbonus von mehreren tausend Euro aus. Die genaue Höhe hängt von der Ausstattung ab und variierte über die letzten Wochen leicht. Was man aber grob sagen kann: Das Basismodell gibt es für Beträge um die 20.000 Euro (Schweiz ab CHF 20’990.–), die Variante mit großer Batterie für rund 23.000 (Schweiz ab CHF 24’990.–) (“Boost”) bis 25.000 Euro (“Comfort”) (Schweiz ab CHF 28’990.–). Wer sich dann noch für die sozial gestaffelte staatliche Förderung qualifiziert, bekommt den BYD zum echten Schnäppchenpreis.
Ein konkurrenzfähiges Angebot
Aber selbst ohne den maximalen Staatszuschuss bleibt der Dolphin Surf angesichts von Platzangebot, Verarbeitung und umfangreicher Serienausstattung ein konkurrenzfähiges Angebot. Wer einen elektrischen Stadt- und Zweitwagen sucht und zuhause laden kann, dürfte schon mit der kleinen Batterie klarkommen. Wer weitere Strecken pendelt oder gelegentlich mal eine Autobahnetappe einlegen will, sollte zum größeren Akku und stärkeren Motor greifen.
BYD Dolphin Surf – Technische Daten:
Fünftüriger, viersitziger Kleinwagen; Länge: 3,99 Meter, Breite: 1,72 Meter (ohne Außenspiegel), Höhe: 1,59 Meter, Radstand: 2,50 Meter, Kofferraumvolumen: 308-1.037Liter
BYD Dolphin Surf („Comfort“): Elektromotor mit 115 kW/156 PS, maximales Drehmoment: 220 Nm, Batterie-Kapazität: 43,2 kWh, LFP-Batterie, Reichweite 310 km, 0-100 km/h: 9,1 s, Vmax: 150 km/h, Ladeleistung DC 85 kW, DC-Ladedauer SOC 10 %-80 %. AC-Ladeleistung: 11kW, Normverbrauch: 16,0 kWh/100 km, Testverbrauch: 16 kWh/100 km; Preis ab 31.500 Euro (Schweiz ab CHF 28’990.–)
Häufige Fragen zum BYD Dolphin Surf (FAQ)
Wie viel kostet der BYD Dolphin Surf tatsächlich?
Der offizielle Listenpreis beginnt bei 23.500 Euro für die Basisversion und 31.500 Euro für das Topmodell. Durch kontinuierliche Herstellerboni von BYD ist das Einstiegsmodell in der Praxis jedoch bereits um ca. 20.000 Euro erhältlich, während die Versionen mit großem Akku („Boost“ und „Comfort“) real zwischen rund 23.000 und 25.000 Euro liegen.
Welche Reichweite bietet der BYD Dolphin Surf in der Praxis?
Mit der 30-kWh-Batterie schafft der Kleinwagen rund 220 Kilometer nach Norm. Die größere 43,2-kWh-LFP-Batterie ermöglicht Reichweiten von 310 bis 322 Kilometern. Bei Testfahrten lag der Praxisverbrauch bei sparsamen 14 kWh/100 km in der Stadt und etwa 17 kWh/100 km über Land.
Wie schnell lädt der kleine Elektro-BYD?
An der heimischen Wallbox oder städtischen AC-Säulen lädt der Dolphin Surf mit serienmäßigen 11 kW. An DC-Schnellladestationen zieht der große Akku maximal 85 kW Gleichstrom, die über ein breites Ladeplateau anliegen.
Wie groß sind Kofferraum und Platzangebot?
Das Auto ist als reiner Viersitzer konzipiert und bietet selbst großgewachsenen Erwachsenen im Fond überraschend viel Beinfreiheit. Das Kofferraumvolumen liegt bei alltagstauglichen 308 Litern und lässt sich durch Vorklappen der Rückbank auf bis zu 1.037 Liter erweitern.