Fahrbericht Polestar 5: Die schwedische 884-PS-Ansage an die elektrische Oberklasse
Was zeichnet den neuen Polestar 5 aus und was kostet er?
Der Polestar 5 ist eine 5,09 Meter lange, vollelektrische Oberklasse-Limousine im keilförmigen Grand-Tourer-Design, die ab 118.600 Euro (Dual Motor mit 550 kW/748 PS) (Preis Schweiz ab CHF 115’000) bzw. ab 141.600 Euro (Performance mit 650 kW/884 PS) (Preis Schweiz ab CHF 135’000) erhältlich ist. Die Karosserie besteht aus hochfester, verklebter Aluminium-Struktur mit extrem hoher Verwindungssteifigkeit. Dank modernster 800-Volt-Technik lädt die serienmäßige 112-kWh-Batterie mit bis zu 350 kW in rund 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent, während die Reichweite nach WLTP bei bis zu 678 Kilometern liegt. Marktstart ist im Oktober 2026.
SP-X/Chiemsee. Weglassen, was nicht nötig ist, und verbessern, was bleibt. Mit dieser Formel buhlt Polestar um die Gunst jener Kunden, die sich bislang eher bei den deutschen Premiumherstellern wie BMW oder Porsche sehen. Aus dem optischen Einerlei der unzähligen Newcomer sticht die schwedische Marke mit chinesischem Eigentümer dabei erfrischend heraus. Jetzt bringt Polestar den 5 auf den Markt. Eine elegante wie performante Limousine, die mit Übermaß und gezieltem Verzicht gleichermaßen glänzen will. Ausgestattet mit eigenständiger Technik steht er als keilförmiger Grand Tourer über den SUV-Baureihen 3 und 4. Los geht es mit einem ambitionierten Einstiegspreis ab 118.600 Euro (Preis Schweiz ab CHF 115’000), die ersten Fahrzeuge kommen schon im Oktober auf die Straße.
Grosser Aufwand für Entwicklung
Für die Entwicklung seiner sportlichen Oberklasse-Limousine hat Polestar erheblichen Aufwand betrieben und sich in Zeiten von Kostenkürzungen und Gleichteilstrategie einen mutigen Sonderweg geleistet. Der 5 steht auf einer eigens für ihn entwickelten Plattform und fährt mit einem selbst konstruierten E-Motor. Bei diesen Stückzahlen wird sich das kaum rechnen. Schlimm ist das nicht, denn im Haus sieht man den 5 ohnehin eher als Flaggschiff, denn als Cashcow.
Aufwändige Karosserie für hohe Fahrpräzision und Laufruhe
Die Karosserie besteht aus verklebtem Aluminium statt aus geschweißtem Blech. Die Bauweise ist aufwendiger und teurer in der Fertigung, liefert dafür hohe Fahrpräzision und Laufruhe. Denn bei der Verwindungssteifigkeit liegt der 5 auf dem Niveau eines Bugatti Veyron, sagt Polestar. Dazu kommen eine Gewichtsverteilung von 50:50, ein tiefer Schwerpunkt und eine Doppelquerlenker-Achse, deren Geometrie eigens für dieses Auto mit kurzer und steil abfallender Front entstanden ist. Auf Hinterachslenkung, aktive Wankstabilisierung und Luftfedern verzichtet Polestar – ganz im Sinne der eigenen Leitformel.
Polestar 5 mit zwei Varianten
Für den Polestar 5 stehen zwei Varianten zur Auswahl: Dual Motor und Performance. Schon die Erstgenannte ist atemberaubend schnell, und der Unterschied zur Performance erscheint auf dem Papier gar nicht so groß. Den Vortrieb übernimmt an der Hinterachse der PX2, ein von Polestar selbst entwickelter Motor mit bis zu 450 kW/612 PS und 660 Nm, dem vorn eine 200 kW/272 PS starke Maschine von ZF zuarbeitet. Dabei ist der PX2 ähnlich groß wie die Motoren in Polestar 2 und 3, leistet aber das Doppelte.
550 kW/748 PS und 650 kW/884 PS
Zusammen kommen beide Motoren in der Dual-Motor-Variante auf 550 kW/748 PS und 812 Nm, in der Performance auf 650 kW/884 PS und 1.015 Nm. Die Energie liefert serienmäßig eine 112-kWh-Batterie, die 800-Volt-Architektur erlaubt bis zu 350 kW Ladeleistung. Wer zur Topversion greift, erhält zudem das ausgefeiltere Fahrwerk. Während der Dual Motor auf 20-Zoll-Rädern und passiven Dämpfern steht, rollt sie auf 21 Zoll und bekommt neben einer eigenen Abstimmung die in drei Stufen regelbaren Magneride-Dämpfer. Bezahlt wird das doppelt: mit 23.000 Euro Aufpreis und mit Reichweite. Statt 678 Kilometern nach WLTP bleiben nur 558.
Von 0 auf Tempo 100 in 3,2 Sekunden
Der Schub des Polestar 5 Performance setzt ohne jede Verzögerung ein und reißt erst ab, wenn man selbst den Fuß hebt – oder die Vmax von 250 km/h erreicht. Zu hören ist dabei kaum mehr als ein feines Sirren der Maschinen, Überholvorgänge sind nach Sekundenbruchteilen erledigt. Mindestens so beeindruckend wie das Tempo ist, wie unangestrengt der 5 damit umgeht. Das Fehlen komplizierter Fahrwerkstechnik macht sich vor allem in der Lenkung bemerkbar: Sie setzt jede Bewegung präzise in Richtungsänderung um und baut mit zunehmendem Einschlag ganz natürlich Gegendruck auf.
Vierkolben-Sätteln von Brembo
Verzögert wird mit Vierkolben-Sätteln von Brembo, die sich präzise dosieren lassen. Dazu kommen drei Rekuperationsstufen bis hin zum One-Pedal-Fahren. Erstaunlich ruhig bleibt es dabei im Innenraum, denn Wind- und Abrollgeräusche werden bis Tempo 130 gut unterdrückt.
Innenraum
Das Interieur atmet den Polestar-typischen Scandi-Style mit wohldurchdachten Proportionen und einer klaren Ästhetik, bei der überflüssige Details vermieden werden. Was man anfasst, sitzt fest: Die Naht auf der Mittelkonsole, die kräftigen Lenkstockhebel und die durchweg wertigen Materialien heben das Niveau spürbar an. Die Recaro-Sitze sind tief montiert und umschließen die Insassen fest. Sie lassen sich ebenso wie die baugleichen Fondsitze heizen und belüften und bieten allesamt eine Massagefunktion. Umso mehr erstaunt, dass sich im Detail optische und funktionale Schnitzer finden. So verdienen die klapprig wirkenden Lenkradtasten aus Kunststoff, die zudem unbeleuchtet bleiben, ebenso einen Stilrüffel wie die Klavierlackflächen an der Mittelkonsole.
Langer Radstand fürs bequeme Reisen
Beim Platz spielt der lange Radstand seine Stärke aus. Vier Erwachsene reisen bequemer als in einem Porsche Taycan, denn der fehlende Mitteltunnel und eine Aussparung im Batteriepaket sorgen für üppige Bein- und Kopffreiheit. Hinten sitzt man auf zwei Einzelsitzen, die massieren und sich in der Neigung verstellen lassen. Der dritte Sitz entsteht durch Herunterklappen der Armlehne und bleibt ein Notbehelf. Für Helligkeit sorgt trotz fehlender Heckscheibe das durchgehende Glasdach, zu dem es allerdings kein Rollo gibt. Beim Gepäck wird es enger: 365 Liter im Kofferraum, 52 Liter unter dem Ladeboden und 62 Liter im Frunk sind für die Klasse wenig, und ein Handschuhfach fehlt ganz.
Bedienung
Bedient wird fast alles über den hochkant stehenden 14,5-Zoll-Touchscreen, auf dem ein Polestar-eigenes Android Automotive mit Google-Diensten läuft. Alles Wichtige für die Fahrt bündeln das 9,0-Zoll-Fahrerdisplay und das Head-up-Display. Die Menüs sind weitestgehend logisch sortiert. Dabei liegen Verknüpfungen für Tempowarner, Spurhalter, Fahrmodus und Rekuperation auf dem Startbildschirm, doch wer die Außenspiegel verstellen will, muss sich durch Untermenüs arbeiten. Der einzige echte Schalter ist ein hübscher Lautstärkeregler auf der Armablage, immerhin hat Polestar auf Kundenkritik reagiert und dem Schlüssel wieder echte Tasten gegeben. Der digitale Innenspiegel zählt zum Besten seiner Art, verlangt dem Auge aber mehr ab als Spiegelglas, doch bei der Rundumsicht helfen elf Kameras und zwölf Sensoren.
Polestar 5: Sportliche Fahrleistungen, rein elektrisch
Der 5 soll als Flaggschiff zeigen, wofür Polestar steht – sportliche Fahrleistungen, dabei rein elektrisch, in der Form eines eleganten GT mit scharf gezeichneten Linien. Eine Performance-Limousine, die es mit dem Audi e-tron GT, dem Lotus Emeya oder dem Lucid Air Grand Touring aufnehmen kann. Mit Blick auf Leistung und Prestige kommen auch Verbrenner und Hybride in Betracht, etwa der Porsche Panamera ab 118.800 Euro oder der BMW M5, der als Plug-in-Hybrid 535 kW/727 PS leistet und ab 145.200 Euro kostet.
Polestar 5 Performance – Technische Daten:
Fünftürige, 4+1-sitzige Elektro-Limousine mit Allradantrieb; Länge: 5,09 m, Breite: 2,02 m (mit Außenspiegeln: 2,06 m), Höhe: 1,42 m, Radstand: 3,05 m, Kofferraumvolumen: 365 l – 1.128 l + 62 l Frunk, Anhängelast: 1.800 kg (gebremst).
Version Performance: 2 Elektromotoren mit 650 kW/884 PS, Festübersetzung und Allradantrieb, Drehmoment: 1.015 Nm, 0-100 km/h: 3,2 s, Vmax: 250 km/h, NMC-Batterie mit 106 kWh (netto), Reichweite: 558 Kilometer (WLTP), Verbrauch: 21,2 kWh/100 km (kombiniert), Ladeleistung: 350 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: 10-80% in 22 min (DC)
Preis: ab 141.600 Euro (Preis Schweiz ab CHF 135’000)
Häufige Fragen zum Polestar 5
Wie viel kostet der Polestar 5 und welche Varianten gibt es?
Der Einstieg beginnt beim Polestar 5 Dual Motor mit 550 kW (748 PS) ab 118.600 Euro (Preis Schweiz ab CHF 115’000). Die Topversion Polestar 5 Performance mit 650 kW (884 PS) und Magneride-Dämpfern startet bei 141.600 Euro (Preis Schweiz ab CHF 135’000).
Wie hoch sind Reichweite und Ladeleistung des Polestar 5?
Dank einer 112-kWh-Batterie (106 kWh netto) erreicht die Dual-Motor-Version bis zu 678 Kilometer nach WLTP (Performance: 558 km). Die 800-Volt-Architektur ermöglicht Gleichstrom-Laden mit bis zu 350 kW, wodurch die Ladung von 10 auf 80 Prozent in nur 22 Minuten gelingt.
Was unterscheidet die Karosserie des Polestar 5 von anderen Fahrzeugen?
Statt aus geschweißtem Stahlblech besteht die Karosserie aus thermisch verklebtem Aluminium. Diese Technik verleiht dem Fahrzeug eine überragende Verwindungssteifigkeit auf dem Niveau von Supersportwagen sowie hohe Lenkpräzision, ohne auf komplexe Hinterachslenkung oder Luftfederung angewiesen zu sein.