Schweizer Automobilmarkt 2026: Halbfinal-Klartext – Neuzulassungen im Plus, aber E-Mobilität hinkt politischen Erwartungen hinterher
Der Markt für neue Personenwagen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 ein moderates Wachstum. Kumuliert stiegen die Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten um 3,0 Prozent auf insgesamt 116’584 Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr. Ein historischer Meilenstein gelang den sogenannten Steckerfahrzeugen (reine Elektroautos und Plug-in-Hybride), die im Juni 2026 erstmals einen Anteil von 40,0 Prozent an den gesamten Neuzulassungen erreichten. Trotz dieses Erfolgs betont der Branchenverband auto-schweiz, dass die Marktdurchdringung der E-Mobilität im Gesamtbestand weiterhin auf einstelligen Prozentniveau verweilt und die natürliche Nachfrage deutlich hinter den Erwartungen der Politik zurückbleibt.
Der Schweizer Personenwagenmarkt schliesst das erste Halbjahr 2026 mit einem leichten Plus ab. Bis zum 30. Juni wurden in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein 116’584 neue Personenwagen immatrikuliert – das sind 3,0 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (113’133). Im Juni lagen die Neuzulassungen mit 25’207 Fahrzeugen um 15,6 Prozent über dem Vorjahr. Dieser starke Zuwachs im Juni darf indes nicht überbewertet werden, weil dafür ein Kalendereffekt mitverantwortlich ist: Im Vergleich zum Vorjahr fielen 2026 weniger Feiertage auf Werktage, was mehr Verkaufstage zur Folge hatte.
Positive Entwicklung braucht stabile Rahmenbedingungen
Die leichte Erholung des Schweizer Automobilmarktes ist erfreulich, bleibt aber angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche fragil. Damit sich der positive Trend fortsetzen kann, braucht es verlässlichere und marktorientierte Rahmenbedingungen. Insbesondere bei der Umsetzung der CO₂-Regulierung sollte die Schweiz so rasch wie möglich die beschlossenen europäischen Erleichterungen übernehmen. Auf einen regulatorischen «Swiss Finish» ist zu verzichten, um Kosten- und Wettbewerbsnachteile gegenüber dem europäischen Umfeld zu vermeiden.
Marktanalyse: Die Schweizer Autotrends im ersten Halbjahr 2026 auf einen Blick
Die detaillierte Halbjahresbilanz zeigt eine spürbare, wenn auch moderate Erholung des Schweizer Automobilmarktes mit einem Gesamtvolumen von 116’584 Neuzulassungen (+3,0 %). Beim Blick auf die Grafik stechen zwei fundamentale Markttrends hervor:
Die unangefochtene Dominanz des VW-Konzerns: Die Marken Volkswagen (11,2 % Marktanteil) und Škoda (9,5 % Marktanteil) besetzen die Plätze 1 und 2 im Schweizer Markenranking in dominanter Manier. Zusammen mit den deutschen Premiumherstellern BMW, Mercedes-Benz und Audi festigt die klassische europäische Phalanx ihre Vormachtstellung im Schweizer Strassenbild.
Das Kopf-an-Kopf-Rennen beim Antriebswechsel: Der „Kampf der Antriebsarten“ ist voll entbrannt. Klassische Hybridantriebe (HEV/MHEV) halten sich mit 36,5 % Marktanteil hauchdünn an der Spitze. Doch die sogenannten Steckerfahrzeuge jagen den Rekord: Reine Elektroautos (BEV) legen um starke 20,2 % zu, Plug-in-Hybride (PHEV) klettern um 24,7 %. Zusammen erobern sie bereits 36,3 % des Marktes. Auf der Verliererseite stehen die rein fossilen Antriebe: Benzin (-11,0 %) und Diesel (-22,0 %) büssen massiv an Bedeutung ein und halten kombiniert nur noch 27,2 % Marktanteil.
Elektrifizierung setzt Wachstum fort
Die Elektrifizierung des Neuwagenmarktes hat im ersten Halbjahr weiter zugelegt. Reinelektrische Personenwagen legten bis Ende Juni gegenüber dem Vorjahr um 20,2 Prozent auf 27’889 Fahrzeuge zu. Noch stärker fiel das Wachstum bei Plug-in-Hybriden aus, deren Immatrikulationen um 24,7 Prozent auf 14’456 Fahrzeuge stiegen. Gemeinsam erreichen die Steckerfahrzeuge heute bereits einen Marktanteil von 36,3 Prozent (23,9 Prozent BEV und 13,4 Prozent PHEV). Damit kommen die Steckerfahrzeuge erstmals an die Hybridantriebe heran, mit einem Anteil von 36,5 Prozent die bisher volumenstärkste Antriebskategorie. Herkömmliche
Antriebe (27,2 Prozent) verlieren weiter an Bedeutung.
Obwohl die fossilen Antriebe (27,2 %) an Bedeutung verlieren, bliebt das Wachstum der EMobilität hinter den Erwartungen zurück. Thomas Rücker, Direktor bei auto-schweiz, ordnet ein: «Die Vielzahl von mehr als 350 elektrischen Modellen in allen Preisklassen überzeugen in der Mehrheit noch nicht alle Neuwagenkäufer. Offenbar konnten die bisherigen Markterfolge die Vorurteile noch nicht genügend abbauen.»
Attraktivere Rahmenbedingungen notwendig
Der Anteil der Steckerfahrzeuge am Gesamtfahrzeugbestand befindet sich erst auf einstelligen Prozentniveau. Für den Umstieg auf emissionsarme Antriebe sind daher attraktivere Rahmenbedingungen notwendig. Dazu gehören Steuererleichterungen statt -erhöhungen auf Elektroantrieben, der weitere Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, erst recht in den Städten, günstige Energiepreise sowie wirtschaftlich attraktive Voraussetzungen für das Laden zuhause und am Arbeitsplatz.
Dieser Beitrag stammt von Frank Keidel, Mediensprecher auto-schweiz
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Häufig gestellte Fragen zum Schweizer Automobilmarkt 2026