BAW 212 (2026) im Test: Der unkaputtbare Allrad-Geheimtipp für die Hälfte des Preises
Der BAW 212 ist ein puristischer, 4,70 Meter langer Geländewagen des Herstellers Beijing Automotive Works, welcher über den Importeur Indimo zu einem Einstiegspreis von 41’850 Euro auf den deutschen Markt kommt (Schweiz ab CHF 45.900.-). Im Gegensatz zu modernen Lifestyle-SUVs setzt das chinesische Original mit historischen Wurzeln bis zum Beijing Jeep von 1965 auf die harte Offroad-Schule: Ein Leiterrahmen, Starrachsen vorne und hinten, mechanische Geländeuntersetzung, zwei Differenzialsperren sowie serienmässige Features wie Seilwinde und Suchscheinwerfer machen ihn zu einem kompromisslosen Werkzeug für schweres Gelände. Angetrieben wird der 2,3 Tonnen schwere Allradler von einem 2,0-Liter-Turbodiesel mit 166 PS und einer Achtgang-Automatik.
SP-X/Schwallungen. Vierschrötig steht er da, mit Kulleraugen aus LED-Ringen und kantigen Kotflügeln, einem am Heck angeschlagenem Ersatzrad und einer Silhouette, bei der man sofort an Land Rover Defender, Mercedes G-Klasse, Jeep Wrangler oder Ineos Grenadier denkt. Wer den 4,70 Meter langen BAW 212 zum ersten Mal sieht, tippt reflexhaft: Kopie aus China, wie so oft. Und muss sich vom Importeur Indimo eines Besseren belehren lassen.
Beijing Jeep von 1965
Denn der 212er kopiert niemanden. Er geht zurück auf den Beijing Jeep von 1965 und ist damit fast schon ein Oldtimer– seit sechs Jahrzehnten fährt er, mal in Olivgrün, mal in Zivil, durch die Volksrepublik und hat Maos Männer durch dick und dünn gebracht. Während viele chinesische Neuheiten wirken, als kämen sie frisch aus dem Copyshop, bringt der Großhändler aus Landstuhl mit diesem Auto tatsächlich ein Original mit eigenem Stammbaum nach Deutschland. Neben den üblichen SUV, Limousinen, Vans und Nutzfahrzeugen, die das Pfälzer Unternehmen über rund 250 Händler verkauft, ist der Chinese mit Geschichte die Ausnahme im Programm – und trifft offenbar einen Nerv: Wer bestellt, wartet derzeit gut und gern ein halbes Jahr.
Halb so teuer als die Konkurrenz
Kein Wunder eigentlich. Was sonst noch als harter Hund im Geländewagen-Segment durchgeht, kostet inzwischen locker sechsstellig und ist seinen Besitzern für Matsch und Modder längst zu schade geworden. Für den BAW dagegen ruft Indimo gerade mal 41.850 Euro (Schweiz ab CHF 45.900.-) auf – kaum die Hälfte. Kompromisse macht er trotzdem kaum.
Kein Lametta für die Lifestyle-Kundschaft
Von außen sieht man ihm sein Alter durchaus an: Die Stoßfänger wirken wie Eisenbahnschwellen, die Kotflügel haben angesetzte Verbreiterungen, und das Ersatzrad hängt, wo es hingehört, nämlich außen am Heck. Auf windschnittige Formen oder gar auf Lametta für die Lifestyle-Kundschaft wurde hier erkennbar wenig Wert gelegt. Eher auf: Das muss halten.
Technik
Technisch hält sich der Chinese ans Lehrbuch der harten Geländewagen-Schule: Leiterrahmen, Starrachsen vorn wie hinten, zuschaltbarer Allrad, eine mechanische Geländeuntersetzung, dazu zwei Differenzialsperren. Seilwinde und Suchscheinwerfer gibt’s für Deutschland serienmäßig gleich mit, Extras, für die andere Hersteller gerne kräftig aufschlagen.
Ein ganz klassischer Diesel mit 2,0 Liter Hubraum und 166 PS
Während praktisch alles, was derzeit aus China kommt, elektrisch oder zumindest elektrifiziert unterwegs ist, knurrt unter der Haube des gut 2,3 Tonnen schweren 212er ein ganz klassischer Diesel: 2,0 Liter Hubraum, 166 PS, 410 Newtonmeter. Die schickt eine überraschend moderne Achtgang-Automatik erst an die Hinterachse, ehe der Fahrer per Knopfdruck die Vorderachse zuschaltet. Bei 160 km/h ist dann Schluss. Stört hier aber ohnehin niemanden. Erst recht nicht, weil die Lenkung die Richtung eher rudimentär vorgibt und weil die grobstolligen Reifen schon bei deutlich geringeren Geschwindigkeiten jedes Gespräch übertönen.
Unkomplizierte Bedienung
Bedient wird das Ganze denkbar unkompliziert. Kein Menü, kein Untermenü, kein Digitalgefummel: Der Kippschalter für den Allrad sitzt griffig in der Mittelkonsole, gleich daneben die Knöpfe für Untersetzung und Sperren. Wer schon mal in einem modernen SUV verzweifelt nach der Geländefunktion im Touchscreen gesucht hat, wird diese Ehrlichkeit zu schätzen wissen.
70 Zentimeter Wattiefeund 25 Zentimeter Bodenfreiheit
Im Gelände beeindruckt er mit Zahlen, über die andere nur reden: 70 Zentimeter Wattiefe, 25 Zentimeter Bodenfreiheit. Mit den groben Allterrain-Reifen ab Werk kommt der BAW dorthin, wo sich all die leisen, tiefergelegten Lifestyle-SUV aus Fernost niemals hintrauen würden. Und wer im Mini Countryman schon von Abenteuer träumt, sollte sich vor diesem Auto lieber nicht allzu laut darüber auslassen.
Robust gefedert
Auf der Straße dagegen merkt man ihm seine Abstammung ziemlich deutlich an. Die Lenkung will Kraft, der Wendekreis erinnert an einen kleinen Lkw, und gefedert wird eher robust als komfortabel. Klar, es gibt Autos, die feiner und präziser abgestimmt sind. Nur eben nicht zu diesem Preis und mit dieser Geländekompetenz. Wer ein Auto sucht, das sich noch wie ein Auto anfühlt und nicht wie ein lautloses Raumschiff, wird mit dem altmodischen Fahrgefühl gut leben können.
Innenraum
Drinnen ist er dann überraschend up to date. Vor rund zwei Jahren wurde der 212er komplett überarbeitet, seither gibt’s digitale Instrumente, einen Touchscreen mit den wichtigsten Apps, ein halbes Dutzend USB-Buchsen, eine kabellose Ladeschale fürs Handy und sogar klimatisierte Massagesitze. Nostalgiker müssen trotzdem nicht darben: Schalter und Taster gibt es reichlich, ebenso Haltegriffe, die ihren Namen zu Recht tragen und denen man im Zweifel auch mal sein Leben anvertrauen würde.
Für Feld, Wald und Wiese gemacht
Zum Angeben taugt der BAW 212 damit nicht, dafür fehlt ihm das Renommee der etablierten Konkurrenz aus Gaydon, Graz oder Detroit. Muss er aber auch nicht: Er ist kein Spielzeug für Selbstdarsteller, sondern ein Werkzeug für Leute, die tatsächlich in Feld, Wald und Wiese unterwegs sind oder beruflich ins Abseits müssen. Mehr als Defender, Grenadier, Wrangler oder G-Klasse kann er dort wahrscheinlich auch nicht. Er suhlt sich nur mit weniger Scheu um Schlamm – und das zu einem Preis, der selbst eingefleischte Sturköpfe überzeugen dürfte.
BAW 212 – Technische Daten:
Fünfsitziger Geländewagen; Länge: 4,705 Meter, Breite: 1,895 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,936 Meter, Radstand: 2,860 Meter, Kofferraumvolumen: k.A.
2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel; 122 kW/166 PS, maximales Drehmoment: 410 Nm, Allradantrieb, Achtgang-Automatik, 0-100 km/h: k.A., Vmax: 160 km/h, Normverbrauch: 8,5 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 244 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Preis: 41 850 Euro (Schweiz ab CHF 45.900.-).
Häufig gestellte Fragen zum BAW 212