60 Jahre Maserati Ghibli: Die Geburt einer zeitlosen Gran-Turismo-Legende
Warum gilt das Maserati Ghibli SS Coupé bis heute als Design- und Technik-Ikone?
Das im November 1966 von Giorgetto Giugiaro für Ghia gezeichnete Maserati Ghibli Coupé revolutionierte die Sportwagenwelt mit seiner flachen Haube und vollendeten Keilform. Ermöglicht wurde die extrem tiefe Frontpartie durch einen aus dem Motorsport abgeleiteten V8-Motor mit Trockensumpfschmierung, der besonders tief im Rohrrahmen platziert werden konnte. In der ab 1970 gebauten Top-Variante Ghibli SS leistet der 4,9-Liter-V8 mit Vergasern 335 PS bei 5’500 U/min und beschleunigt das 2+2-sitzige Coupé über ein ZF-Fünfgang-Schaltgetriebe auf 280 km/h Spitze. Auf der Klassikermesse «Auto e Moto d’Epoca 2026» in Bologna feiert Maserati das 60-jährige Modelljubiläum sowie 100 Jahre des berühmten Dreizack-Logos mit einem originalen Ghibli SS Coupé von 1972.
cpx. Es gibt Sportwagen, die sind schnell. Und es gibt Formen, die sind unsterblich. Wenn Maserati auf der 43. Ausgabe der «Auto e Moto d’Epoca» in Bologna das 100-jährige Bestehen des Dreizack-Logos feiert, steht der eigentliche Star schon beim ersten Blick fest: ein makellos erhaltenes Ghibli SS Coupé von 1972 im betörenden Farbton Blu Sera. Ein Wagen, der 1966 die Sportwagenwelt auf den Kopf stellte und bis heute als eine der reinsten Design-Ikonen Italiens gilt.
Der Geniestreich von Giorgetto Giugiaro
Als der junge Giorgetto Giugiaro, damals in Diensten der renommierten Carrozzeria Ghia, im November 1966 auf dem Turiner Autosalon das Tuch vom ersten Maserati Ghibli zog, war das Fachpublikum wie elektrisiert. Keine barocken Schwünge, keine überflüssigen Chrom-Ornamente. Stattdessen dominierte eine radikal flache, scharf geschnittene Keilfront mit Klappscheinwerfern, die in ein langes, fliessendes Fastback-Heck überging.
Giugiaro gelang eine Silhouette von atemberaubender Ruhe und Dynamik. Die Proportionen waren so vollendet, dass selbst Automobil-Tycoon Henry Ford II nicht widerstehen konnte: Er kaufte sich auf der Stelle eines der allerersten Exemplare und liess es prominent im Foyer des Ford Product Development Centers in Detroit platzieren – als unmissverständlicher Fingerzeig an seine eigenen Stylisten, wie moderner Automobilbau auszusehen hat.
Ingenieurskunst im Dienst der Form
Dass der Ghibli überhaupt so dramatisch tief über dem Asphalt kauern konnte, war kein Zufall, sondern das Resultat genialer Technik. Der aus dem Rennsport entlehnte V8-Motor wurde mit einer Trockensumpfschmierung ausgestattet. Durch den Verzicht auf eine herkömmliche, tiefe Ölwanne liess sich das Achtzylinder-Triebwerk aussergewöhnlich tief in den Rohrrahmen einpassen. Erst dieser technische Kunstgriff erlaubte die charakteristisch flach abfallende Motorhaube, die das Gesicht des Ghibli bis heute prägt.
Das in Bologna präsentierte Exemplar, fertiggestellt am 3. Juli 1972 und ursprünglich nach Deutschland ausgeliefert, verkörpert die Krönung dieser Modellreihe: die legendäre Ausführung SS. Unter der langen Haube arbeitet hier die vergrösserte 4,9-Liter-Version des V8-Saugmotors. Befeuert von vier mächtigen Doppelvergasern leistet das Aggregat 335 PS (246 kW) bei 5’500 U/min. Verwaltet über ein knackiges Fünfgang-Schaltgetriebe von ZF, stürmte der 4,70 Meter lange 2+2-Sitzer auf beeindruckende 280 km/h Spitze – Werte, die ihn Anfang der 1970er-Jahre zum exklusiven Zirkel der schnellsten Serienautos der Welt erhoben.
Zwei Epochen, ein Geist
In den Hallen von Bologna schlägt Maserati bewusst die Brücke in die Gegenwart. Neben dem klassischen Ghibli SS und einem weiteren 1970er Coupé auf dem FIVA-Stand parkt die Modena-Marke den aktuellen GranTurismo Trofeo im edlen Verde Giada. Mit seinem 590 PS starken 3,0-Liter-Nettuno-V6, Formel-1-Vorkammerverbrennung, Allradantrieb und über 320 km/h Spitze verkörpert er das moderne Kapitel der Gran-Turismo-Philosophie.
Doch so faszinierend die moderne Carbon- und Digital-Ära auch ist: Die Faszination, die von der analogen, handgedengelten Giugiaro-Linie des Ghibli ausgeht, bleibt unerreicht.
Maserati Classiche: Erbe bewahren
Dass historische Preziosen wie dieses Ghibli SS Coupé für kommende Generationen erhalten bleiben, liegt in den Händen der Abteilung Maserati Classiche. Die 2021 ins Leben gerufene Division gehört heute zum exklusiven BOTTEGAFUORISERIE-Programm und widmet sich im heimischen Modena der lückenlosen Zertifizierung, Archivierung und Restaurierung aller Klassiker, die älter als 20 Jahre sind. In Bologna gewährt das Team um Heritage-Chef Cristiano Bolzoni exklusive Einblicke in ihre Arbeit und zeigt, warum die Bewahrung automobiler Kunstwerke heute wichtiger ist denn je.
Mit 60 Jahren auf dem Buckel beweist der Maserati Ghibli eines ganz deutlich: Wahre Schönheit altert nicht – sie wird mit den Jahrzehnten nur noch eleganter.
Häufige Fragen zum Maserati Ghibli SS Coupé & Messeauftritt (FAQ)
Welche Leistung und Höchstgeschwindigkeit bietet das 1972er Maserati Ghibli SS Coupé?
Der 4,9-Liter-V8 des Ghibli SS leistet 335 PS (246 kW) bei 5’500 U/min. Die Gemischaufbereitung erfolgt über Vergaser, geschaltet wird manuell über ein ZF-Fünfganggetriebe. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei für damalige Verhältnisse herausragenden 280 km/h.
Wer zeichnete das Design des originalen Maserati Ghibli?
Die zeitlose Form stammt aus der Feder von Giorgetto Giugiaro während seiner Zeit beim Designstudio Ghia. Das Modell debütierte im November 1966 auf dem Turiner Autosalon und begeisterte unter anderem Henry Ford II so sehr, dass er ein Exemplar als Inspiration in der Ford-Zentrale in Detroit ausstellen liess.
Welche Jubiläen feiert Maserati auf der Auto e Moto d’Epoca 2026?
Maserati zelebriert das 60. Jubiläum des Modells Ghibli (1966–2026) sowie das 100-jährige Bestehen des Dreizack-Logos. Das vom Neptunbrunnen in Bologna inspirierte Emblem debütierte 1926 auf dem Tipo 26, der mit Alfieri Maserati am Steuer prompt den Klassensieg bei der Targa Florio holte.
Welches moderne Modell begleitet den Ghibli SS in Bologna?
Als moderne Interpretation des italienischen Grand Tourers stellt Maserati den aktuellen GranTurismo Trofeo mit 590 PS starkem 3,0-Liter-Nettuno-V6 im Farbton Verde Giada zur Seite, der über 320 km/h schnell rennt.