Vespa Primavera Tech Elettrica 70 Test: Lohnt sich der lautlose Kultroller für die Stadt?

Die Vespa Primavera Tech Elettrica 70 ist die elektrische Antwort von Piaggio in der 125er-Klasse. Mit einer Spitzenleistung von 5,4 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h ist sie ideal für Stadtpendler mit B196- oder A1-Führerschein geeignet. Trotz eines stolzen Preises von 7.499 Euro (Preis Schweiz CHF 7’495 ) überzeugt der Elektroroller durch seine hochwertige Verarbeitung, das ikonische Design und eine realistische Reichweite von etwa 70 Kilometern. Geladen wird die fest installierte 4,2-kWh-Batterie bequem in rund vier Stunden an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose.

SP-X/Büsdorf. In der innerstädtischen Kakophonie aus Autolärm, Hupen, Straßenbahngetöse und Menschengeschnatter geht das leise Surren des Elektroantriebs der Vespa Primavera Tech Elettrica 70 regelrecht unter. Die wohltuende Leisetreterei lässt sich der Piaggio-Konzern gut bezahlen – die elektrische Primavera kostet mit 7.499 Euro (Preis Schweiz CHF 7’495 ) fast 2.000 Euro mehr als eine mit 125er-Viertaktmotor.

Auf ihren klassischen kleinen Zwölfzollrädern und schmal gebaut, von Experten Smallframe genannt, flutscht die kleine Vespa wieselflink und völlig mühelos durch die verstopfte City. Foto: RKM
Auf ihren klassischen kleinen Zwölfzollrädern und schmal gebaut, von Experten Smallframe genannt, flutscht die kleine Vespa wieselflink und völlig mühelos durch die verstopfte City. Foto: RKM

Zwar kaum hörbar, fällt die elektrifizierte Primavera im Straßenbild dennoch auf mit ihrer silbern glänzenden Erscheinung, die selbst im Herbstgrau die Aura des Dolce Vita verströmt: Verkleidungsteile wie aus einem Guss, formschön integrierte Blinker, Scheinwerfer und Rückleuchten sowie schicke neue Doppelspeichenräder, die durch Einarmschwingen vorn wie hinten so richtig zur Geltung kommen – das spricht auch weniger feingeistige Zeitgenossen an.

Zwar kaum hörbar, fällt die elektrifizierte Primavera im Straßenbild dennoch auf mit ihrer silbern glänzenden Erscheinung, die selbst im Herbstgrau die Aura des Dolce Vita verströmt. Foto: RKM
Zwar kaum hörbar, fällt die elektrifizierte Primavera im Straßenbild dennoch auf mit ihrer silbern glänzenden Erscheinung, die selbst im Herbstgrau die Aura des Dolce Vita verströmt. Foto: RKM

Auf ihren klassischen kleinen Zwölfzollrädern und schmal gebaut, von Experten Smallframe genannt, flutscht die kleine Vespa wieselflink und völlig mühelos durch die verstopfte City, dass es eine helle Freude ist. Die hält auch noch auf den üblicherweise arg vernachlässigten Untergründen an, weil die Radführungen vorn und hinten deren Herausforderungen sehr zur Freude der Besatzung lässig wegstecken.

Verkleidungsteile wie aus einem Guss, formschön integrierte Blinker, Scheinwerfer und Rückleuchten sowie schicke neue Doppelspeichenräder - die Vespa Primavera Tech Elettrica 70 sieht gut aus. Foto: RKM
Verkleidungsteile wie aus einem Guss, formschön integrierte Blinker, Scheinwerfer und Rückleuchten sowie schicke neue Doppelspeichenräder – die Vespa Primavera Tech Elettrica 70 sieht gut aus. Foto: RKM

Dabei macht die Vespa offensichtlich einen so niedlichen, unaggressiven Eindruck, dass noch nicht einmal die Zweiradfahrern gegenüber notorisch negativ eingestellten Verkehrsteilnehmer missgelaunt auf die Hupe drücken, wenn sich die Kleine frech und fröhlich am stehenden Verkehr vorbei drückt. Womöglich goutieren sie ja die lokal emissionsarme Energiebereitstellung des Kultrollers. Mit ihrer Endgeschwindigkeit von 68 km/h erfordert die Vespa als 125er-Äquivalent den B196- oder A1-Führerschein, Autobahnen und Schnellstraßen sind dennoch tabu. Zudem tritt die Vespa mit ihren maximal 5,4 PS an der grünen Ampel selbst im „Sport”-Modus sehr bedächtig an und stellt keine Konkurrenz zum restlichen Verkehr dar – die zweite Fahrstufe Eco wirkt sogar wie ein Tranquilizer. Da stört es nicht allzu sehr, dass sich die Hebel der gummiartigen Bremsen fast bis an den Lenker ziehen lassen.

Im normalen Fahrbetrieb, der zumeist Vollgas bedeutet, erscheint eine erste Strom-Warnung bei 14 Prozent Ladezustand. Foto: RKM
Im normalen Fahrbetrieb, der zumeist Vollgas bedeutet, erscheint eine erste Strom-Warnung bei 14 Prozent Ladezustand. Foto: RKM

Hält die Primavera in der Stadt tempomäßig noch halbwegs mit, sieht das vor den Toren der Metropole, womöglich im Hügel- oder Bergland, ganz anders aus. Denn mit Steigungen hat die Vespa so ihre liebe Müh, an manchem Hang schafft sie nicht einmal Tacho 50, was sie zu einem leichten Überholopfer respektive ärgerlichen Hindernis macht. Blümerante Gefühle ihres Lenkers inklusive.

Unter der Sitzbank bleibt noch Platz für einen Jethelm. Foto: RKM
Unter der Sitzbank bleibt noch Platz für einen Jethelm. Foto: RKM

Im Gegensatz zu vielen günstigen Elektrorollern sitzt der E-Motor nicht in der Radnabe, sondern in der Triebsatzschwinge kurz vor dem Hinterrad und treibt dieses über ein konstant übersetztes Zahnradgetriebe an. Das beschert Vorteile bei der Gewichtsverlagerung und sieht einfach besser aus, Stichwort Doppelspeichenfelgen. Als Energielieferant fungiert eine Batterie des südkoreanischen Spezialisten LG Chem mit 4,2 kWh Kapazität, die fest im Roller montiert ist. Herausnehmbare Akkus gibt’s nur bei den kleinen 45-km/h-Modellen Primavera und Sprint S, dort mit lediglich 2,3 kWh Kapazität.

Ein Ladestopp dauert über das herausziehbare Spiralkabel und den eingebauten Lader an der Haushaltssteckdose vier Stunden. Foto: RKM
Ein Ladestopp dauert über das herausziehbare Spiralkabel und den eingebauten Lader an der Haushaltssteckdose vier Stunden. Foto: RKM

Im normalen Fahrbetrieb, der zumeist Vollgas bedeutet, erscheint eine erste Strom-Warnung bei 14 Prozent Ladezustand, ab zehn Prozent reduziert die Steuerelektronik das mögliche Tempo auf 45 km/h, kurz danach sind noch maximal 35 Sachen drin. Nach 69 Kilometern Fahrtstrecke sind noch vier Prozent im Akku, höchste Eisenbahn für einen Ladestopp. Dieser dauert über das herausziehbare Spiralkabel und den eingebauten Lader an der Haushaltssteckdose vier Stunden, das ist an einem halben Arbeitstag machbar.

Bis dahin sitzt es sich sehr entspannt auf der durchgehenden Sitzbank, denn die elektrische Vespa erfreut mit den ergonomischen Vorzügen der ganzen Modellreihe. Lässig ruhen die Stiefel auf dem flachen Trittbrett, der Mitteltunnel schränkt die Bewegungsfreiheit kaum ein. Als „Tech” bietet die E-Primavera eine schlüssellose Aktivierung, das TFT-Instrument kommt mit der hauseigenen Konnektivitätslösung MIA und die Sitzbank lässt sich per Fernbedienung öffnen. Darunter bleibt noch Platz für einen Jethelm, eine USB-Ladebuchse befindet sich im schmalen Handschuhfach.

Als nettes Gimmick leuchtet die Elettrica nach Aktivierung im Dunkeln mit kleinen LEDs ihren Fußraum aus. Der rückwärtige Kriechgang erscheint überflüssig, denn die Elektro-Primavera wiegt mit 130 noch zwei Kilo weniger als ihr Verbrenner-Pendant. Leicht beherrschbar, gutaussehend und elektrisch fahrend sind ihre Vorzüge, der begrenzte Einsatzzweck und der horrende Preis die Hemmnisse.

Vespa Primavera Tech Elettrica 70 – Technische Daten: 

Motor: Luftgekühlter bürstenloser Gleichstrommotor, Nennleistung 3,6 kW/4,8 PS, Spitzenleistung 4 kW/5,4 PS, Drehmoment 200 Nm; Lithium-Ionen-Akku, 4,2 kWh Maximalkapazität, Betriebsspannung 48 V, Seitenantrieb.

Fahrwerk: durchgehende Stahlblechkarosserie mit verschweißten Versteifungen; gezogene Einarmschwinge vorne, Federweg k.A.; Aluminium-Einarmschwinge, ein Federbein, Federvorspannung einstellbar, Federweg k.A.; Doppelspeichen-Gussräder; Reifen Pirelli Angel Scooter 110/70-12 (vorne) und 120/70-11 (hinten). 20 cm Doppelscheibenbremse mit Doppelkolben-Schwimmsattel vorne, 14 cm Trommelbremse hinten.
Assistenzsysteme: zwei Fahrmodi, ein Rückwärtsgang, Vorderrad-ABS.

Maße und Gewichte: Radstand 1,35 m, Sitzhöhe 79 cm, Gewicht fahrfertig 130 kg, Zuladung 175 kg. 

Fahrleistungen (Testangaben): Höchstgeschwindigkeit 68 km/h, Reichweite 69 km, Ladezeit vier Stunden.

Preis: 7.499 Euro inkl. Nebenkosten (Preis Schweiz CHF 7’495)

Häufig gestellte Fragen zur Vespa Primavera Tech Elettrica 70

Wie hoch ist die Reichweite der elektrischen Vespa Primavera?

Im Test erreichte die Vespa Primavera Tech Elettrica 70 eine praxisnahe Reichweite von 69 Kilometern bei normalem Fahrbetrieb.

Welchen Führerschein benötigt man für die Vespa Elettrica 70?

Aufgrund ihrer Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h gilt sie als 125er-Äquivalent und erfordert einen Führerschein der Klasse A1 oder die B196-Erweiterung.

Kann man den Akku zum Laden herausnehmen?

Nein, bei der Primavera Tech Elettrica 70 ist die 4,2-kWh-Batterie fest im Fahrzeug montiert. Das Laden erfolgt über ein integriertes Spiralkabel an einer Haushaltssteckdose.

Wie viel kostet die Vespa Primavera Tech Elettrica 70?

Der Preis für das Modell liegt bei 7.499 Euro inklusive Nebenkosten, was etwa 2.000 Euro über der vergleichbaren 125er-Verbrenner-Variante liegt.