Schweizer Nutzfahrzeugmarkt 2025: Elektro-Boom bei Lastwagen trotz allgemeinem Marktrückgang
Der Schweizer Nutzfahrzeugmarkt verzeichnete im Jahr 2025 einen Rückgang der Neuzulassungen um 8,3 % auf 38’707 Fahrzeuge. Während Konjunktursorgen und Unsicherheiten bezüglich der künftigen LSVA-Regelung ab 2029 die Investitionen bei schweren Nutzfahrzeugen (-14 %) bremsten, erreichte die Elektrifizierung einen neuen Höchststand: Mehr als jeder fünfte neue Lastwagen (22,4 %) fährt mittlerweile rein elektrisch. Auch bei den Lieferwagen verdoppelte sich der Anteil der Steckerfahrzeuge auf 16,9 %, angetrieben durch strengere CO2-Vorgaben und ein breiteres Modellangebot.
Bern, 15. Januar 2026. Bei den schweren Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sank die Zahl der Neuzulassungen von 4’876 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 4’197 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Ein zentraler Grund für diese Entwicklung ist die anhaltende Unsicherheit rund um die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Wie geht es nach 2029 weiter? Offen ist für viele Transportunternehmen insbesondere, ab wann neue LSVA-Kategorien gelten. Die aktuelle parlamentarische Debatte um den Einführungszeitpunkt der LSVA-Erhebung für Elektrofahrzeuge verunsichert zunehmend den Markt. Noch vor kurzem gingen die Marktteilnehmer davon aus, dass Elektrolastwagen bis 2031 von der LSVA befreit sind. Die fehlende Planungssicherheit führt dazu, dass Investitionen in neue – teurere, aber umweltfreundlichere – Fahrzeuge nun zunehmend aufgeschoben werden.
Marktanteil von Elektro-Nutzfahrzeugen stark gestiegen
Trotz des allgemeinen Markteinbruchs hat sich die Elektrifizierung bei schweren Nutzfahrzeugen (>3,5t) bislang fortgesetzt. Die 942 neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge mit reinelektrischem Antrieb entsprechen einem Marktanteil von 22,4 Prozent, ein neuer Höchststand. Im abgelaufenen Jahr wurden 524 neue schwere batterieelektrische Lastwagen (BEV, >16t) neu zugelassen, was in dieser Gewichtsklasse einem Marktanteil von mehr als 16 Prozent entspricht. Das bisherige Fördersystem erzeugte insbesondere für die letztgenannte Kategorie eine beachtliche Marktnachfrage.
auto-schweiz-Direktor Thomas Rücker
kommentiert die gegenläufige Entwicklung: «Unsicherheiten über regulatorische Rahmenbedingungen und Konjunktursorgen hatten den Schweizer Nutzfahrzeugmarkt im Jahr 2025 fest im Griff. Dank dem bestehenden regulatorischen Umfeld ist die Schweiz bei der Elektrifizierung der schweren Nutzfahrzeuge im europäischen Vergleich zwar vorn dabei. Diese Position verspielen wir aber durch die Unsicherheit rund um die LSVA zunehmend. Es braucht unbedingt langfristige Planungs- und Investitionssicherheit, damit der bisherige Markterfolg nicht gefährdet wird.» Für Rücker hält der Nutzfahrzeugmarkt aber ein ermutigendes Zeichen für den Personenwagenmarkt bereit. «Es zeigt, dass sich ein Markt mit einem stimulierenden regulatorischen Umfeld wirksam steuern lässt. Finanzielle Anreize und Rahmenbedingungen, die sich an der Marktrealität ausrichten, zeigen Wirkung.»
Neuzulassungen bei leichten Nutzfahrzeugen spiegeln Konjunktursorgen
Auch bei den leichten Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, den Lieferwagen und leichten Sattelschleppern, blieb in diesem Jahr eine Erholung aus. Im Gesamtjahr 2025 wurden 28’992 Fahrzeuge neu zugelassen, was einem Rückgang von 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sowie eine Vielzahl von Handwerkern rechnen offensichtlich mit einer Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten und zögern den Fahrzeugersatz hinaus.
Lieferwagen werden ökologischer
Bei den leichten Nutzfahrzeugen blieb der Dieselantrieb die dominierende Antriebsart, verlor aber Marktanteile an Plug-in-Hybride und reinelektrische Antriebe. Im Jahr 2024 betrug der Marktanteil der sogenannten Steckerfahrzeuge 8,1 Prozent. Dieser Anteil schnellte im Jahr 2025 auf 16,9 Prozent hoch. Die 4’895 Steckerfahrzeuge im Jahr 2025 (vs. 2’457 im 2024) entsprechen einer Verdoppelung. Diese Entwicklung ist auch der Anpassungsleistung der Fahrzeughersteller geschuldet. Die Importeure haben ihr Angebot an elektrifizierten Modellen stark ausgebaut, um die 20 Prozent strengeren Emissionsvorgaben für Lieferwagen erfüllen zu können.
Fast ein Fünftel weniger Personentransportfahrzeuge
Einen deutlichen Rückgang verzeichneten die Personentransportfahrzeuge. Die Neuzulassungen gingen im Jahr 2025 um 19 Prozent auf 5’518 Neuzulassungen zurück (2024: 6’800). Hauptverantwortlich dafür war die Entwicklung bei Kleinbussen, Reisecars sowie Wohnmobilen. Während sich der Rückgang bei Wohnmobilien schon länger abzeichnete, verzeichnete der Markt einen grossen Zuwachs an Bussen. In diesem Segment wuchs der Markt um beachtliche 49 Prozent. Verantwortlich dafür waren grössere Ersatzinvestitionen im öffentlichen Verkehr.
Zusammen mit den historisch tiefen 233’737 neuen Personenwagen sind im Jahr 2025 in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein insgesamt 272’444 neue Motorfahrzeuge in Verkehr gesetzt worden. Im Vergleich zum Vorjahreswert von 281’740 stellt dies einen weiteren Rückgang um 9’296 Neuimmatrikulationen oder 3,3 Prozent dar.
Titelbild: Michael Derrer Fuchs – stock.adobe.com
FAQ zum Schweizer Nutzfahrzeugmarkt 2025
Warum sind die Neuzulassungen bei schweren Nutzfahrzeugen gesunken?
Die Zulassungen sanken um 14 %, primär aufgrund fehlender Planungssicherheit bei der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Die politische Debatte über das Ende der LSVA-Befreiung für E-LKW ab 2029 führt zu aufgeschobenen Investitionen.
Wie hoch ist der Marktanteil von Elektro-LKW in der Schweiz?
Im Jahr 2025 erreichte der Marktanteil von schweren Nutzfahrzeugen mit rein elektrischem Antrieb einen Rekordwert von 22,4 %. Bei Lastwagen über 16 Tonnen liegt der Anteil bei über 16 %.
Welchen Trend gibt es bei Lieferwagen und leichten Nutzfahrzeugen?
Trotz eines Gesamtrückgangs von 5,0 % hat sich der Anteil von Steckerfahrzeugen (BEV und PHEV) auf 16,9 % verdoppelt. Dies liegt vor allem an den verschärften CO2-Emissionsvorschriften für Hersteller.
Wie entwickelte sich der Markt für Personentransportfahrzeuge?
Dieser Bereich schrumpfte um 19 %, wobei vor allem Wohnmobile und Kleinbusse Rückgänge verzeichneten. Einzig das Segment der Linienbusse wuchs dank Ersatzinvestitionen im ÖV um 49 %.