Fahrbericht Yangwang U9: 1.300 PS Elektro-Hypercar pulverisiert Rekorde
Wie aus einem futuristischen Rennspiel gebeamt
Der Yangwang U9 sieht aus, als wäre er aus einem futuristischen Rennspiel direkt auf den Asphalt gebeamt worden. Die Front: eine pfeilförmig spitze Flunder. Dominiert von gigantischen, C-förmigen „Star Headlights“, die sich wie Zornesfalten in die Karosserie einfügen. Die Proportionen – 4,97 Meter lang, über zwei Meter breit, aber nur 1,31 Meter flach – flößen Fahrer und Konkurrenten Respekt ein. Dazu: Schmetterlingstüren, die sich imposant nach oben öffnen. Das Heck ist ein einziger Exzess aus Carbonteilen, durchquert von einer durchgehenden Lichtleiste, einer aktiven Finne und einem Diffusor, in dessen Auslässen sich locker der Inhalt eines ganzen Schuhschrankes verstauen ließe.
Das Cockpit
Rein ins Cockpit. Es umgibt die beiden Insassen wie eine Kanzel, eine Kampfjet-Kommandozentrale. Kein Schnickschnack, alles ist auf den tiefsitzenden Fahrer fokussiert. Das unten abgeflachte Lenkrad liegt satt in der Hand. Die Sitze sind Halbschalen und überraschend bequem. Hinter dem Lenkrad thront ein schmales Display, um die wichtigsten Armaturen darzustellen. Wie eine Stütze ragt die Mittelkonsole von vorn zwischen Fahrer und Beifahrer. Klar und schlicht sind darauf die wichtigsten Bedienelemente angeordnet.
Brandneues BYD-Testgelände
Die Strecke selbst: ein 1,758 Kilometer kurzer Rundkurs mit nur neun Kurven. Er ist Teil des brandneuen BYD-Testgeländes, das auch Driftzonen, einen Geländeparcours, eine nachgebaute Düne und sogar ein 70 Meter langes Wasserbecken umfasst. Der enge Handling-Kurs ist jedoch ein Witz für ein Auto, das auf gewaltigen Walzen rollt: 275/35 R21 vorn und 325/30 R21 hinten.
Warnkegel, die vor Übermut schützen sollen
Der Yangwabg U9 will losmarschieren. Er giert, er zerrt förmlich an einem unsichtbaren Zügel. Doch er darf nicht. „Brake, brake!“, gestikuliert der Aufpasser auf dem Beifahrersitz wild, obwohl der mit Pylonen gekennzeichnete Bremspunkt absurd früh gesetzt ist. Wir rollen auf die erste Kurve zu, vielleicht mit 70 km/h. Es ist demütigend. Nicht für den Fahrer, sondern für das Auto. Eine Maschine, gebaut um die Physik zu verzerren – und wir müssen sie behandeln wie einen Fahrschul-Golf in der 30er-Zone. Überall Pylonen. Warnkegel, die vor Übermut schützen sollen. Zwei Runden soll die Testfahrt dauern. Das war’s.
DiSus-X: Die „magische Federung“
Das DiSus-X getaufte Fahrwerk soll das Alleinstellungsmerkmal des elektrischen Supersportwagens sein. Eine „magische Federung“, mit der Yangwang auf Messen prahlt. Mit einem aktiven Dämpfersystem, das den U9 tanzen, auf drei Rädern fahren und einige Zentimeter hochspringen lässt. Eine komplexe, vollaktive Steuerung von Hydraulik und Luftfederung, die Wanken, Nicken und Gieren in Echtzeit an allen vier Rädern individuell bekämpfen soll. Was spüre ich davon? Nichts. Im Bummeltempo ist es einfach nur… komfortabel. Straff, aber nicht bretthart. Sein wahres Können, die Fähigkeit, die 2.475 Kilogramm Leergewicht in der Kurve zu neutralisieren? Keine Chance für eine Probe aufs Exempel. Es ist, als würde man einen Quantencomputer nur zum E-Mails-Checken nutzen.
Zweite Runde
Start-Ziel-Gerade. Jetzt! Einmal darf ich das Fahrpedal voll durchtreten. Und die Umgebung scheint zu zerreißen. Es ist nicht nur ein Tritt ins Kreuz. Es ist ein sofortiger, brutaler, fast geräuschloser Sprung in eine andere Dimension. 1.680 Newtonmeter Drehmoment und über 1300 PS schieben über alle vier Räder vehement an. Mein Mageninhalt sortiert sich neu. Dann, sofort, wieder der aufgeregte Aufruf zum Ankerwerfen vom Beifahrersitz. Der Wahnsinn ist vorbei, bevor er richtig begonnen hat.
Yangwang U9 Xtreme: Auf 30 Stück limitiert
Was der Yangwang U9 wirklich bezwecken soll, zeigt eine noch extremere, auf 30 Stück limitierte Version: der Yangwang U9 Xtreme. Mit über 3.000 PS und 1.200-Volt-Technik stellte BYD damit in diesem Jahr zunächst auf dem Oval des ATP-Testgeländes im norddeutschen Papenburg einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord für Elektroautos auf: 496,22 km/h. Das ist schneller als die Magnetschwebebahn in Schanghai. Und auf der Nürburgring-Nordschleife brannte der Über-U9 kürzlich eine Rundenzeit von 6:59,157 Minuten in den Asphalt – neuer Rekord für elektrische Supersportwagen.
Die Nachfrage in China ist jetzt schon höher als das Produktionsvolumen des Yangwang U9
Zurück in der Boxengasse. Aussteigen aus diesem technischen Wunderwerk, diesem Rekord-Monster mit seiner 80-Kilowattstunden-Blade-Batterie und 500-Kilowatt-Ladeleistung. Der Yangwang U9 ist ein Statement, eine Macht-Demonstration des chinesischen Herstellers. Auch, wenn unsere Testfahrt nur ein Schaufensterbummel war. Einer, bei dem die Juwelen hinter Panzerglas blieben, ist die Botschaft des Supersportwagens klar: BYD pulverisiert im Handumdrehen nicht nur Rekorde, sondern auch den jahrzehntelange Erfahrungsvorsprung etablierter Autohersteller. Egal, in welchem Fahrzeugsegment. Größere Stückzahlen planen die Chinesen vom U9 sowieso nicht: Ein paar wenige Exemplare könnten es 2026 nach Europa schaffen. Denn bereits jetzt ist auf dem Heimatmarkt in China die Nachfrage höher als das Produktionsvolumen des U9.
Yangwang U9 – Technische Daten:
Zweitüriges, zweisitziges Sportcoupé; Länge: 4,97 Meter, Breite: 2,03 Meter (mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,31 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen: k.A.
Vier E-Motoren mit 960 kW / 1306 PS, Drehmoment: 1680 Nm, 0–100 km/h: 2,36 s, Vmax: 391,94 km/h, Verbrauch: ca. 18 kWh/100 km (CLTC, WLTP: k.A.), Akkugröße: 80 kWh, Reichweite: 450 km (CLTC, WLTP: k.A.), Ladeleistung: 500 kW (DC), 7 kW (AC), Ladedauer: DC: 30 – 80 % in 10 Minuten, AC: k.A.
Preis: ca. 215.000 Euro (in China)
Häufig gestellte Fragen zum Yangwang U9 Elektro-Hypercar
- Wie viel Leistung hat der Yangwang U9?
- Der Yangwang U9 verfügt über vier Elektromotoren mit einer Systemleistung von 960 kW (1305 PS) und einem Drehmoment von 1.680 Nm.
- Wie schnell beschleunigt der Yangwang U9 von 0 auf 100 km/h?
- Der Yangwang U9 sprintet in 2,36 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
- Was ist das DiSus-X Fahrwerk des U9?
- DiSus-X ist ein vollaktives, komplexes Fahrwerk mit Hydraulik und Luftfederung, das Wanken, Nicken und Gieren in Echtzeit individuell bekämpfen soll und als „magische Federung“ bekannt ist.
- Welchen Geschwindigkeitsrekord hat der Yangwang U9 Xtreme aufgestellt?
- Der auf 30 Stück limitierte Yangwang U9 Xtreme stellte auf dem ATP-Testgelände in Papenburg einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord für Elektroautos von 496,22 km/h auf.
- Wie hoch ist der Preis des Yangwang U9?
- Der Preis des Yangwang U9 liegt in China bei umgerechnet circa 215.000 Euro.