70 Jahre Renault Dauphine: Die farbenfrohe „Thronfolgerin“ und ihre legendäre Weltkarriere

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Die Renault Dauphine feiert im Jahr 2026 ihr 70. Jubiläum. Am 6. März 1956 im Pariser Palais de Chaillot erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert, avancierte die „Thronfolgerin“ des Renault 4 CV mit über 2,1 Millionen produzierten Einheiten zum bis dahin meistgebauten französischen Auto. Die nur 3,95 Meter lange Heckmotor-Limousine bestach durch ihr elegantes Ponton-Design von Pietro Frua und eine revolutionäre Farbauswahl in Pastelltönen. Als echtes Weltauto wurde sie auf fünf Kontinenten gefertigt, feierte Motorsporterfolge bei der Rallye Monte Carlo und gilt heute als direkte stilistische Urahnin des modernen elektrischen Renault 5.

SP-X/Köln. Mit Kleinwagen contra Krisenstimmung – Renault weiß, wie das geht. Heute ist es der in knallbunten Retrofarben und ikonischen Formen inszenierte vollelektrische Renault 5, der die Marke im Zeichen des Rhombus im Kleinwagensegment auf einen Höhenflug schickt. Vor 70 Jahren war es die kleine Renault Dauphine als formvollendete und farbenfrohe Urahnin des R5, die erstmals den Weg aus der Tristesse eines annus horribilis wies, das für die Franzosen eine Vielzahl von Hiobsbotschaften bereithielt.

Weltauto und Kleinwagen mit Kultfaktor – Mit der formschönen und familientauglichen Dauphine erzielte Renault von den 1950er bis 1970er Jahren Absatzrekorde. Foto: Renault
Weltauto und Kleinwagen mit Kultfaktor – Mit der formschönen und familientauglichen Dauphine erzielte Renault von den 1950er bis 1970er Jahren Absatzrekorde. Foto: Renault

Als erschwingliches Volksauto setzte die neue Renault Dauphine einen fröhlich-optimistischen Kontrapunkt

Ob Suezkrise und das Thema Ölverknappung, die Belastungen durch den Algerienkrieg, die zum Ende der Vierten Französischen Republik führten, Anschläge auf das Bild der Mona Lisa im Louvre und schließlich die von der Regierung verordneten Exportquoten für die nationale Automobilindustrie, die endlose Lieferzeiten für Neuwagen bewirkten: Als erschwingliches Volksauto setzte die neue Renault Dauphine einen fröhlich-optimistischen Kontrapunkt zu diesen Negativ-News.

Finesse aus Frauenhand – Farben und Interieur von Dauphine und Coupé-Version Floride gestaltete die Textildesignerin Paule Marrot. Foto: Renault
Finesse aus Frauenhand – Farben und Interieur von Dauphine und Coupé-Version Floride gestaltete die Textildesignerin Paule Marrot. Foto: Renault

6. März 1956 Weltpremiere von „La Dauphin

Mehr als 20.000 Menschen verfolgten am 6. März 1956 im Pariser Palais de Chaillot die glanzvolle Weltpremiere von „La Dauphine“, also der „Thronfolgerin“ des seit 1946 gebauten Renault 4 CV. Und die Dauphine mit Heckmotor enttäuschte nicht: Der VW-Käfer-Kontrahent festigte Renaults Position im Kampf um den Titel des größten europäischen Autoproduzenten. Die bezaubernde und bezahlbare Dauphine eroberte nicht nur die Herzen der Franzosen, sondern auch Amerika und als Alfa Romeo sogar Italien. Selbst Hino in Japan baute den schicken Renault, der für Triumphe, aber auch Tragik gut war.

Kleines Auto, großer Sportsgeist – die Dauphine gewann u.a. in Monte Carlo und bei der Mille Miglia. Foto: Renault
Kleines Auto, großer Sportsgeist – die Dauphine gewann u.a. in Monte Carlo und bei der Mille Miglia. Foto: Renault

Erschwingliche Schönheit fürs Auge

Amerika setzte 1956 auf Heckflossen und Kühlergrills mit „Dollar-Grin“, Deutschland auf chromgeschmückte Pontonformen, Italiens Superstar Pininfarina kooperierte seit neustem auch mit Peugeot – aber Renault toppte alles mit dem ersten Massenmodell, das Pariser Haute Couture bezahlbar machte und sogar im Interieur Feinschliff von Künstlerhand erhielt. Erschwingliche Schönheit fürs Auge und Genuss für den Gaumen war den Franzosen in den 1950ern wichtig, wie die Renault-Marktforschung ermittelte. Neben täglichen Freuden wie dem Rotwein – damals auch an Schulen erlaubt – kamen Kühlschränke und erste TV-Geräte in Mode, und für die Ferienfahrt (Renault-Arbeiter erhielten vor 60 Jahren erstmals drei Wochen bezahlten Urlaub) sollte es das eigene Auto sein. Ein Volksfahrzeug in farbenfroher Raffinesse, das den Aufschwung spiegelte und eine Klasse höher angesiedelt war als der Renault 4 CV.

Weltweite Karriere – Sogar in Nordamerika reüssierte die kompakte Dauphine zunächst. Foto: Renault
Weltweite Karriere – Sogar in Nordamerika reüssierte die kompakte Dauphine zunächst. Foto: Renault

Starcouturier Pietro Frua

Tatsächlich bestach die neue Dauphine – ursprünglich sollte sie Corvette heißen, aber Chevrolet sicherte sich den Namen rascher als Renault – mit ihrer von Starcouturier Pietro Frua finalisierten Ponton-Karosserie. Vor allem aber wirkte die Dauphine im freudlos-grauen Straßenbild ihrer Zeit wie eine frühe Pop-Art-Ikone, dies durch auffällige Pastellfarben wie „Rouge Montijo“ oder „Jaune Bahamas“, kreiert von der Kunstmalerin und Dekorateurin Paule Marrot, die zugleich die passenden Polsterstoffe auswählte.

Kleinwagen im Land gigantischer Straßenkreuzer – In den USA überzeugte die Renault Dauphine auch vor riesigen Wohnwagen. Foto: Renault
Kleinwagen im Land gigantischer Straßenkreuzer – In den USA überzeugte die Renault Dauphine auch vor riesigen Wohnwagen. Foto: Renault

Renault Dauphine: 3,95 Meter lange Stilikone

Eine Pionierleistung, die später von anderen kleinen Renault-Modellen wie dem R4 und R5 weiterentwickelt wurde. Zunächst aber trat die nur 3,95 Meter lange, viertürige Heckmotor-Limousine als kleine Stilikone gegen so unterschiedliche Typen wie Fiat 1100, Ford Taunus 12 M, Lancia Appia, VW Käfer und Saab 93 an, und in den USA auch gegen bis zu 5,50 Meter lange Straßenkreuzer.

Wohlstand und Fortschritt für alle – Die Dauphine sollten sich auch Familien leisten können. Foto: Renault
Wohlstand und Fortschritt für alle – Die Dauphine sollten sich auch Familien leisten können. Foto: Renault

Den Globus erobern

Mit dem winzigen 4 CV konnte die staatliche Régie Renault ab 1946 erstmals mehr als eine Million Autofahrer mobilisieren, noch besser machen sollte es nun die etwas größere „La Dauphine“, also die Thronfolgerin. Der französische Staat brauchte Devisen und verordnete seiner Industrie hohe Exportquoten, so sollte die von einem nur 19 kW/26,5 PS leistenden 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor angetriebene Dauphine den ganzen Globus erobern und insbesondere amerikanische Dollar für die Grande Nation erwirtschaften.

Frankreich gab global das Tempo vor – Als erster Kurzstreckenjet startetet die Caravelle, als kräftigere Alternative zum VW Karmann-Ghia der Renault Floride. Foto: Renault
Frankreich gab global das Tempo vor – Als erster Kurzstreckenjet startetet die Caravelle, als kräftigere Alternative zum VW Karmann-Ghia der Renault Floride. Foto: Renault

Filmstar Brigitte Bardot als Werbebotschafterin

Um es vorwegzunehmen. Es war eine Mission, die der Heckmotor-Viertürer zeitweise sogar erfolgreicher durchführte als sein ewiger Gegner aus Wolfsburg. So brachte Renault Ende der 1950er Jahre in Amerika mehr Autos unter das Volk als Volkswagen. Allein im Jahr 1959 waren es 102.000 Einheiten, für deren Transport Renault eine ganze Schiffsflotte aus zwölf Einheiten kaufte. Noch verrückter waren die Amis nach der Floride, einem schicken 2+2-Sitzer mit Dauphine-Technik, der als Coupé und Cabrio gegen den VW Karmann-Ghia antrat und für den Renault in den USA über 13.000 Vorbestellungen sammelte. Ob Filmstar Brigitte Bardot als Werbebotschafterin für die Floride dazu beigetragen hat? Lieferfristen für ein kleines Auto akzeptierten die US-Kunden sonst nicht.

Mit dem Renault Floride Cabriolet im Rampenlicht – Filmstar Brigitte Bardot. Foto: Renault
Mit dem Renault Floride Cabriolet im Rampenlicht – Filmstar Brigitte Bardot. Foto: Renault

Weltweite Produktionstandorte

Auch in Südamerika, Afrika und Australien erwarb Renault durch die Dauphine den Status eines lokalen Herstellers, denn dort installierte der größte französische Autobauer Montagewerke, ebenso wie in Belgien, Spanien, Irland und Großbritannien. In Italien sorgte die „Dauphine Alfa Romeo“ als neues Einstiegsmodell der Mailänder Marke für Aufsehen – allerdings als gescheiterte Kooperation, so wie später der Alfa Arna aus einer Kollaboration mit Nissan. Dabei trug die Dauphine athletische Gene in sich: Die Leistung des wassergekühlten Vierzylinders schraubte Tuner Gordini auf bis zu 36 kW/49 PS, aber auch mit schwächeren, jedoch standfesten Motoren gewann die Dauphine alles, was es im Tourenwagensport zu gewinnen gab: Von der Rallye Monte Carlo bis zur Mille Miglia reichte die Bandbreite der Triumphe.

Erstes Renault-Modell mit dem Namenszug dieses Motoren-Magiers – „Hexenmeister“ Gordini machte aus der Dauphine eine Vorgängerin des heutigen Renault 5 Turbo 3E. Foto: Renault
Erstes Renault-Modell mit dem Namenszug dieses Motoren-Magiers – „Hexenmeister“ Gordini machte aus der Dauphine eine Vorgängerin des heutigen Renault 5 Turbo 3E. Foto: Renault

Amerika als harte Prüfung

Gleichwohl musste die Dauphine ausgerechnet in den USA ihre schwerste Niederlage hinnehmen. Gerade noch glänzte sie im amerikanischen Squaw Valley als offizielles Auto der Olympischen Winterspiele 1960, da schlugen die „Big Three“ aus Detroit mit eigenen Compacts zurück. Plötzlich standen zehntausende unverkaufte Renault auf Halde. Ein Desaster, das Renault im Bewusstsein der Kunden vergessen machte durch frische Motorsporterfolge und die noble Dauphine Ondine (deutsch: „Nixe“) und Ondine Gordini mit Ausstattungsdetails vom Juwelier Jacques Arpels.

Pariser Couture vs. Wolfsburger Käfer-Kultur – Renault versuchte mit der Dauphine, den deutschen Rivalen einzuholen. Foto: Renault
Pariser Couture vs. Wolfsburger Käfer-Kultur – Renault versuchte mit der Dauphine, den deutschen Rivalen einzuholen. Foto: Renault

In Deutschland konnte die Renault Dauphine punkten

Auch auf dem Heimatmarkt des VW Käfers konnte die verführerische französische Prinzessin sich mit günstigen Preisen in die Herzen der Deutschen schmeicheln, so fand Renault Anschluss an den hierzulande führenden Importeur Fiat. Die 1,5-Millionen-Marke in der globalen Produktionsstatistik passierte die Dauphine 1961, davon waren rund 60 Prozent in den Export gegangen. Entsprechend zufrieden zeigten sich Frankreichs Politiker über die Erfolge der staatseigenen Régie Renault.

Design-Ikone in der Tradition der Dauphine – Der Renault 5 (links Gen. 1, rechts die aktuelle Generation als Prototyp) erlangte Kultstatus durch mutige Formen und Farben. Foto: Renault
Design-Ikone in der Tradition der Dauphine – Der Renault 5 (links Gen. 1, rechts die aktuelle Generation als Prototyp) erlangte Kultstatus durch mutige Formen und Farben. Foto: Renault

Abschied nach 2,1 Millionen Einheiten

Auch den Marktstart ihres Nachfolgers Renault 8 (1962) überlebte die Dauphine, international verabschiedete sie sich erst 1971, als mit über 2,1 Millionen Einheiten bis dahin meistgebautes französisches Auto aller Zeiten. Hinzu kamen über 117.000 Renault Floride und Caravelle, die das Savoir-Vivre der Dauphine mit dynamischen Formen vereinten. Erst der Renault 5 als dritter Dauphine-Nachfolger übertraf die Popularität der ewigen Thronfolgerin.

Chronik Renault Dauphine:

1946: Mit dem Renault 4 CV lanciert das verstaatlichte, französische Unternehmen seine erste Nachkriegsentwicklung, die als Konkurrent zu VW Käfer, Morris Minor etc. auf Erfolgskurs fährt

1949: Die Entwicklung eines neuen Familienfahrzeugs auf Basis des Renault 4 CV beginnt zunächst im Geheimen

1951: Im Juli startet Renault-Präsident Pierre Lefaucheux offiziell das „Entwicklungsprojekt 109“ für ein neues Modell, das die Nachfolge des Heckmotorkleinwagens Renault 4 CV übernehmen soll. Dieser sogenannte Typ 109 soll auf der Technik des Renault 4 CV aufbauen, aber etwas größer ausfallen. Für den Typ 109, die designierte Dauphine, wird das 1951 eröffnete Werk Flins um mehrere Produktionshallen erweitert

1952: Erste Prototypen-Testfahrten des Typs 109, der späteren Dauphine

1953: Der Name Dauphine wird festgelegt. Diese Modellbezeichnung setzt sich durch gegen die Vorschläge Corvette, Caravelle und Goélette (Schwalbe). Pietro Frua bei der Carrozzeria Ghia wird mit der Finalisierung des Dauphine-Designs beauftragt, er entwickelt Details wie die Kühllufteinlässe vor den hinteren Radkästen. Die Künstlerin Paule Marrot kreiert eine spezielle, auffallend bunte Farbpalette und Polster für die Dauphine

1955: Renault-Chef Pierre Lefaucheux, der Dauphine-Initiator, stirbt an den Folgen eines Autounfalls. Sein Nachfolger Pierre Dreyfus entscheidet, dass die Dauphine weltweit vermarktet werden soll. Mit insgesamt 228.010 produzierten Fahrzeugen in diesem Jahr steigt Renault auf zum weltweit achtgrößten Autohersteller

1956: Im Februar registriert Renault 20.000 Bestellungen, dies noch vor dem Debüt des neuen Modells. Am 6. März feiert die Renault Dauphine ihre Weltpremiere im Pariser Palais de Chaillot gegenüber dem Eiffelturm. In Frankreich wird die Dauphine von 1956 bis 1967 produziert. Im britischen Werk Acton läuft 1956 die erste Dauphine vom Band, die Renault an Königin Elisabeth II. übergeben wird. Am 15. September erzielt die Etoile Filante mit Turbinenantrieb für Renault einen Geschwindigkeitsweltrekord auf einem amerikanischen Salzsee, Auftakt der amerikanischen Markteinführungskampagne für die Dauphine. Optional gibt es ab Ende des Jahres eine elektromagnetische Ferlec-Kupplung. Bei der Mille Miglia (Brescia-Rom-Brescia) beteiligt sich die Dauphine erfolgreich, außerdem bei der Tour de Corse, dann bei der Tour de France Auto. Renault bemüht sich vergeblich mit Chrysler und anschließend Studebaker um eine Vertriebskooperation in den USA. Im ersten Jahr werden von der Dauphine 18.136 Einheiten gebaut

1957: Im Februar wird 100.000ste Dauphine gebaut. Gordini schärft die Dauphine auf 24 kW/33 PS, dieser Typ wird ab dem Pariser Salon ins reguläre Renault-Programm integriert (Auslieferung erst 1958). Ab Mai ersetzen stabile Stahlfelgen die bisher verwendeten Sternfelgen. Renault-Chef Pierre Dreyfus reist zur Einweihung der neuen Exportzentrale von Renault in New York. Die ersten 28.000 Dauphine werden in die USA exportiert und dies ab Le Havre mit „Liberty“-Schiffen, die zuvor im Zweiten Weltkrieg als amerikanische Versorgungsschiffe eingesetzt wurden. Die US-amerikanische Post bestellt rechtsgelenkte Dauphine. Peugeot schlägt eine Allianz mit Renault vor, speziell für die US-Exporte. Einen Vierfacherfolg in seiner Klasse erringt der kleine Renault bei der Mille Miglia. Die Dauphine wird meistproduzierter Renault, der Exportanteil beträgt 43 Prozent. Nur noch 71.068 Renault 4 CV werden gebaut gegenüber 187.926 Dauphine

1958: Im Werk Flins rollt im Februar die 300.000ste Dauphine vom Band. Im Dezember feiert Renault 500.000 produzierte Dauphine. Auch in Spanien läuft die Fertigung der Dauphine an, bis 1967 werden dort 86.672 Dauphine und 39.179 Ondine gebaut. In diesem Jahr können 57.000 Dauphine in den USA abgesetzt werden. Sieg bei der Tour de Corse und Gesamtsieg bei der Rallye Monte Carlo als bis dahin hubraumkleinstes Fahrzeug

1959: Marktstart für das Sportcoupé Renault Floride mit der Technik der Dauphine, allein aus den USA kommen 13.000 Vorbestellungen. In Brasilien wird die Dauphine nun bei Willys Overland do Brasil produziert. Außerdem werden in Kuba Dauphine montiert. Vertriebskooperation mit Peugeot, während Peugeot-Händler die Dauphine vermarkten, bietet Renault den Peugeot 403 an. Gordini präsentiert eine auf 40 PS leistungsgesteigerte Dauphine. Die sogenannte Aerostable-Federung mit Pneumatikelementen (Patent Grégoire) erhöht den Fahrkomfort der Dauphine durch Gummifedern vorn und luftgefüllte Gummikissen hinten. Neu im Modelljahr 1959 sind in der Dauphine Sitzbezüge aus meliertem „Scoubidou“-Stoff. Über 900 amerikanische Renault-Händler verkaufen 102.000 Dauphine, pro Tag werden 500 Dauphine nach Nordamerika verschifft, das entspricht einem Viertel der Produktion. Alfa Romeo integriert das Erfolgsmodell in das eigene Portfolio als Dauphine-Alfa Romeo. Die Lizenz-Produktion erfolgt im Werk Pomigliano bei Mailand. Im Austausch vertreibt Renault Alfa-Modelle in Frankreich. Klassensieg für eine Dauphine bei der Tour de France Automobile und Gesamtsieg bei der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich

1960: Neue „Aérostable”-Hinterradaufhängung bei der Dauphine zum Modelljahreswechsel. Am 22. Februar wird die Dauphine Produktionsmillionärin. Bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley (USA) wird die Dauphine offizielles Fahrzeug. Lizenzproduktionen der Dauphine in Irland, in Südafrika und Australien, in Mexiko (bei Dina), Tschad, Dahomey, Kamerun und Zentralafrikanische Republik. In Asien wird die Dauphine bei Hino (Japan) und auf den Philippinen gebaut, es gelingt jedoch nicht, ein Werk in Indien einzurichten. Die neue Werbekampagne „Le Monde dit oui à Renault“ („Die Welt sagt ja zu Renault“) feiert den Erfolg der Dauphine. Allerdings brechen die US-Verkaufszahlen der Dauphine im Lauf des Jahres ein

1961: In Algerien startet die Dauphine-Fertigung im Januar. Die Dauphine-Luxusversionen Ondine („Nixe“) und Ondine Gordini werden lanciert mit Instrumententräger vom Juwelier Jacques Arpels. Neue Sitzbezüge in Hahnentrittmuster und Kunstleder sowie neue Radioblende mit Dauphine-Logo. Die seitlichen Blinker werden entfernt und durch zwei runde Leuchten unter den Scheinwerfern ersetzt. Am Heck sind die Blinker in die Bremsleuchten integriert. Der Renault 4 wird neues Renault-Einstiegsmodell. Nach ersten Rückgängen im Vorjahr ist der amerikanische Markt für französische Hersteller zusammengebrochen. Zehntausende Renault Dauphine stehen auf Halde, über 1.200 Arbeiter im Werk Flins werden entlassen. In Europa läuft am 13. Oktober die 1,5-millionste Dauphine vom Band (davon gingen 850.000 Einheiten in den Export) und Renault feiert das 100.000. Fahrzeug aus einem internationalen Montagewerk

1962: Einführung des viertürigen Heckmotormodells Renault 8 als potenzieller Nachfolger der Renault Dauphine. Neues Dauphine-Topmodell zum Modelljahr 1962 (Vorstellung Ende 1961) als Dauphine R 1093 (so bereits der werksinterne Code) mit Leistungssteigerung auf 49 DIN- bzw. 55-SAE-PS und serienmäßigem Viergangetriebe. Optisches Erkennungszeichen sind zwei blaue Zierstreifen. Sieg bei der Tour de Corse für Renault Dauphine. Renault stellt mit 580.753 produzierten Fahrzeugen einen neuen Bestwert in der Jahresfertigung auf und rückt auf den 7. Platz der Hersteller-Weltrangliste auf. Die Bundesrepublik Deutschland ist größter Exportmarkt für Renault

1963: Entfall des Monogramms auf den vorderen Kotflügeln der Dauphine. Neue Luxusversion Dauphine Export mit Vierganggetriebe. Neue Hinterachskonstruktion für die Dauphine, vergleichbar mit dem Renault 8, Scheibenbremsen serienmäßig

1964: Dauphine Automatic mit Getriebeautomatik, die über Drucktasten bedient wird

1965: Scheibenbremsen rundum werden bei der Dauphine Standard, damals außergewöhnlich in diesem Segment. In Frankreich wird nur noch die Dauphine Gordini gebaut

1966: Alfa Romeo nimmt die Dauphine aus dem Programm. Die amerikanische Henney Motor Company kauft seit 1960 insgesamt 100 Dauphine, die mit Elektroantrieb ausgestattet werden und als Henney Kilowatt vertrieben werden

1967: Im Dezember endet die Dauphine-Produktion in Frankreich nach 2.150.738 Einheiten. Auch in Spanien läuft die Dauphine-Fertigung aus

1968: In Brasilien rollen die letzten Renault Dauphine vom Band. Neu im Renault-Programm und in der Größenordnung des Renault Dauphine ist der Renault 6. Der Renault 6 zielt mit einem Design im Stil des Renault 16 vor allem auf junge Familien, so wie zuvor die Dauphine

1971: Auch die letzten Lizenzfertigungen der Dauphine, u.a. in Argentinien, werden eingestellt

1979: Die fünftürige Version des seit 1972 gebauten Renault 5 verfügt um einen sechs Zentimeter verlängerten Radstand und ersetzt den Renault 6. Der bis 1996 gebaute Renault 5 wird durch den 1990 eingeführten Clio ersetzt

2021: Renault enthüllt den vollelektrischen „Renault 5 Prototype“, der das Design des Kultautos (1972–1994) in die Gegenwart überträgt

2024: Der fünftürige elektrische Renault 5 E-Tech geht in Serie und erlangt Kultstatus durch prägnante Formen und Farben. Bestsellerautor Stephen King implementiert eine Renault Dauphine in seinem Buch „You like it darker”

2026: Die Dauphine wird 60 und von der Renault Community bei Events und Klassikermessen gewürdigt

Wichtige Motorisierungen Renault Dauphine:

Renault Dauphine mit 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor (19 kW/26,5 PS bzw. 22 kW/30 SAE-PS), Vmax 115 km/h (1956-1966);
Renault Dauphine Gordini mit 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor (24 kW/33 PS bzw. 26 kW/36 PS bzw. 29 kW/40 PS), Vmax 125-126 km/h (1958-1967);
Renault Ondine mit 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor (24 kW/33 PS), Vmax 125 km/h (1961-1963);
Renault Dauphine 1093 mit 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor (36 kW/49 DIN-PS bzw. 40 kW/55-SAE-PS), Vmax 140-150 km/h (1961-1964).

Produktionszahlen Renault Dauphine:

Dauphine insgesamt 2,1 Millionen Einheiten,
davon 78.136 Einheiten im Jahr 1956,
187.926 Einheiten im Jahr 1957,
286.705 Einheiten im Jahr 1958,
399.821 Einheiten im Jahr 1959 (zzgl. 3.777 Floride),
402.940 Einheiten im Jahr 1960 (zzgl. 36.156 Floride),
307.801 Einheiten im Jahr 1961 (zzgl. 12.856 Floride),
199.560 Einheiten im Jahr 1962 (zzgl. 19.588 Floride),
114.003 Einheiten im Jahr 1963 (zzgl. 14.763 Floride),
69.289 Einheiten im Jahr 1964 (zzgl. 13.265 Floride/Caravelle),
51.447 Einheiten im Jahr 1965 (zzgl. 7.325 Caravelle),
22.983 Einheiten im Jahr 1966 (zzgl. 4.880 Caravelle),
13.062 Einheiten im Jahr 1967 (zzgl. 2.991 Caravelle),
6.700 Einheiten im Jahr 1968 (Dauphine außerhalb Frankreichs, zzgl.1.438 Caravelle),
6.741 Einheiten im Jahr 1969 (Dauphine außerhalb Frankreichs),
2.859 Einheiten im Jahr 1970 (Dauphine außerhalb Frankreichs),
636 Einheiten im Jahr 1971 (Dauphine außerhalb Frankreichs),
in Spanien sind es 41.812 Dauphine (1958 bis 1964), 39.179 Ondine 1962 bis 1965 und 44.861 Gordini (1961 bis 1967),
in Italien sind es 71.841 Alfa Romeo Dauphine,
in Argentinien sind es insgesamt 88.335 Dauphine, davon 53.643 Dauphine von 1960 bis 1966 und 34.566 Gordini von 1962 bis 1971.

Häufig gestellte Fragen zur Renault Dauphine

Wann wurde die Renault Dauphine zum ersten Mal vorgestellt?

Die glanzvolle Weltpremiere der Renault Dauphine fand am 6. März 1956 im Pariser Palais de Chaillot statt.

Was bedeutet der Name „Dauphine“?

Der Name „Dauphine“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „Thronfolgerin“. Das Modell wurde so benannt, da es die Nachfolge des erfolgreichen Renault 4 CV antrat.

Wie viel PS hatte die Renault Dauphine?

Das Standardmodell startete mit einem 0,85-Liter-Vierzylinder-Motor und 19 kW (26,5 PS). Die sportliche Gordini-Version leistete später bis zu 29 kW (40 PS), während das Topmodell R 1093 auf 36 kW (49 PS) kam.

Wie viele Renault Dauphine wurden insgesamt gebaut?

Insgesamt wurden zwischen 1956 und 1971 über 2,1 Millionen Einheiten der Dauphine produziert, was sie zeitweise zum meistgebauten französischen Auto machte.