60 Jahre Mercedes W108/109: Die Geburtsstunde der modernen S-Klasse Legende
„Maßhalten“
„Dernier cri“ bei den Reichen und Mächtigen
Moderner als die abgelösten Mercedes-Heckflossen-Modelle 220 bis 300 SE (W111/112) und weniger pompös als der im US-Style gestaltete Opel Diplomat (A) oder Altmeister wie Lancia Flaminia und Rover P5 avancierten die neuen Sternenkreuzer zum dernier cri bei den Reichen und Mächtigen. Sogar Papst Paul VI erhielt eine Sonderausführung – und auch die Politprominenz fuhr am liebsten einen SE mit Stern. Ob Kanzler Erhard oder seine Nachfolger Kurt Kiesinger und Willy Brandt, sie alle ließen sich in den Luxuslinern chauffieren, die es dazu 1966 mit langem Radstand gab und zwei Jahre später sogar mit extrastarkem V8 aus dem Mercedes 600. Plötzlich konnte der Benz rasen, auch auf Rennstrecken – und Porsche-Piloten jagen.
Die wilden 68er
Von diesem wilden 68er mit markanten Freie-Bahn-Doppelscheinwerfern und 300-SEL-6.3-Typenschild am Heck war im September 1965 in den Frankfurter Messehallen noch nichts zu ahnen. Hier drängten sich die Besucher brav in Zwölfer-Reihen um die neuen stilvollen Stuttgarter Luxuswagen, die der Welt zeigen sollten, wer der wahre König im automobilen Oberhaus war. Während der „Große Mercedes“ des Typs 600 gerade den englischen Hoflieferanten Rolls-Royce auf dessen Heimatmarkt das Fürchten lehrte, sollten die in Frankfurt präsentierten Sechszylinder 250 S, 250 SE und 300 SE frischen First-Class-Komfort ins Segment der volumenstarken Luxuslimousinen bringen.
Mercedes W108/109
Kein überflüssiger Chromglitter und V8-Prunk wie etwa beim gleichfalls neu vorgestellten bayerischen Glas V8, dessen Konstruktionskosten seinen Hersteller Hans Glas kurz darauf zum Verkauf der Firma an BMW zwangen. Keine im Jahresturnus verwelkenden Formen wie bei Cadillac oder Lincoln, sondern eine Linie mit filigranen Dachpavillons, die sogar der italienische Stardesigner Giorgetto Giugiaro als „immer jung“ lobte, und die Mercedes als moderne und beispiellos erfolgreiche Luxusmarke verankerte. Bis 1972 blieben die Mercedes W108/109 begehrenswert, dann übernahmen die Chrompanzer der ersten „echten“ S-Klasse W116 die Rolle der Kanzler- und Prominentenklasse.
Der Stern am Premiumfirmament
Die Position des alle anderen Marken überstrahlenden Sterns am Premiumfirmament festigten die Stuttgarter mit der Baureihe W108/109 eindrucksvoll – für den heutigen Mercedes-Chef Ola Källenius ein gutes Beispiel dafür, wie sich Luxus profitabel vermarkten lässt. Nicht erst jetzt in den disruptiven 2020er Jahren, sondern schon 1965 war das Wettbewerbsumfeld herausfordernd, wie etwa der Opel Diplomat V8 zeigte, der damals als meistverkaufte deutsche Oberklasselimousine den altgedienten Heckflossen-Mercedes 300 SE (W112) überholte. Eine Attacke, die die nun in „Mid-Century-Modern“-Formen gegossene Baureihe W108/109 parierte. Gar nicht zu reden von den für 1968 vorbereiteten großen BMW-E3-Sechszylindern, dem revolutionären Jaguar XJ6 oder den distinguierten Vorstandstypen Volvo 164 und Fiat 130, die alle (vergeblich) versuchten, dem Duo W108/109 Kunden abzunehmen.
Von 96 kW/130 PS bis zum brachialen V8 mit 184 kW/250 PS
Bei Mercedes erkannten sie, wie Politiker, Promis und Konzernbosse in jenen Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche unterwegs sein wollten: Die Typen 250 S bis 300 SEL 6.3 lieferten dazu Antriebe vom schlichten 96 kW/130 PS leistenden Reihensechser bis zum brachialen V8 mit 184 kW/250 PS. Als das Bundeskabinett in der ersten Rezession von 1967 ein Sparprogramm für die Bundeskasse erwog, nach dem Minister künftig nur ein „kleiner“ Dienstwagen mit bis zu 2,5 Liter Hubraum zustand, konnte Mercedes mit den Modellen 250 S und SE aufwarten, die sich optisch und damit im Prestige kaum von den prächtiger motorisierten 300ern differenzierten.
1968
Als dann das Jahr 1968 mit sozialen Konventionen brach, wie etwa die bunt bemalten Protestvehikel der gegen das Establishment rebellierenden Studentengeneration dokumentierten, und neuer Sozialneid Luxusmarken wie Maserati, Iso-Rivolta oder Bentley in ein teils fatales Absatztief stürzten, spürte Mercedes einmal mehr den Puls des Marktes.
Mercedes 300 SEL 6.3
Das neue Spitzenmodell 300 SEL 6.3 war äußerlich nur an breiteren Reifen, Halogen-Doppellampen und extra Weitstrahlern zu erkennen, obwohl mehr als doppelt so teuer wie der ebenfalls 1968 neueingeführte Typ 280 SE mit 2,8-Liter-Reihensechser. Vor allem konnte der 6.3 Sprintduelle gegen Speedsymbole aus Maranello und Modena gewinnen (6,5 Sekunden registrierten die Stoppuhren für den Spurt auf 100 km/h), und so holte sogar Hollywoodstar Peter Fonda, seit dem Roadmovie „Easy Rider“ der Inbegriff eines Rebellen, einen 6.3 im Werk Sindelfingen ab.
Auch Filmdiva Hildegard Knef besaß einen Stuttgarter V8
Auch Hollywood-Tycoon Howard Hughes, die Filmdiva Hildegard Knef, der Entertainer Peter Alexander, Playboys wie Gunter Sachs, Industrielle wie Friedrich Flick oder der Discounter-Pionier Theo Albrecht besaßen einen Stuttgarter V8, den es ab 1969 auch als kleinere 3,5-Liter-Version mit 147 kW/200 PS Leistung gab. Andererseits bot der noch unabhängige Tuningspezialist AMG nachgeschärfte 6,3-Liter-Varianten mit bis zu 235 kW/320 PS und 542 Nm Drehmoment – zur Einordnung: Das waren fast drei Mal so viele Pferdestärken wie in einem Porsche 911 T. Auf den Rennstrecken gaben die AMG-Benz 368 kW/500 PS ab, allerdings hielt sich die Ernte sportlichen Lorbeers in Grenzen.
Weltweit als Staatskarossen geschätzt
Nachdem auch Deutschlands prominentester Bahnfahrer, Bundeskanzler Willy Brandt, ab 1969 gelegentlich im Fond eines fünf Meter langen Mercedes SEL gesichtet wurde, und die schwäbischen Limousinen weltweit als Staatskarossen geschätzt wurden, gleichzeitig aber die Gefahren terroristischer Anschläge größer wurden, entwickelten die Daimler-Benz-Ingenieure 1971 den 280 SEL 3.5 in Sonderschutzversion.
„Best Luxury Car“
Die Technik des Nachfolgers W116 wurde bereits in Versuchsträgern getestet, da erhielten die W108/109-Limousinen noch ein letztes Update für das luxushungrige Land zwischen Hollywood und Broadway: Die Amerikaner kamen in den Genuss eines 4,5-Liter-V8, mit dem der 300 SEL 4.5 den Medienaward „Best Luxury Car“ gewann. Tatsächlich spielte die Baureihe W108/109 bis zum Finale im Spätsommer 1972 so klar in einer eigenen Liga, dass die nachfolgende Serie 116 offiziell S-Klasse heißen durfte.
| Modell-Typ | Motorisierung | Leistung (PS) | Produktionszahl |
|---|---|---|---|
| Mercedes 250 S | 2,5L Reihensechser | 130 PS | 74.677 |
| Mercedes 280 SE | 2,8L Reihensechser | 160 PS | 91.051 |
| Mercedes 300 SEL 3.5 | 3,5L V8 | 200 PS | 9.583 |
| Mercedes 300 SEL 6.3 | 6,3L V8 | 250 PS | 6.526 |
Chronik Mercedes-Benz 250 S bis 300 SEL 6.3 (W108/109)
1949: Bei der Präsentation des Mercedes 170 S erläutert der Daimler-Benz-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Haspel die Modellbezeichnung „S“ als Kürzel für „Super“ oder „Spezial“. Allerdings gilt der Mercedes 170 S eigentlich als Vorläufer der E-Klasse
1951: Im selben Jahr, in dem die staatstragende Repräsentationslimousine Mercedes-Benz 300 (W186, W189) vorgestellt wird, legt der neue Typ 220 (W187) den Grundstein für die Mercedes-Oberklasse der Nachkriegsära. Seitdem wurden insgesamt rund vier Millionen S-Klasse-Limousinen verkauft, inklusive der Coupés und Cabriolets sind es 4,29 Millionen Einheiten
1954: Das neue Modell 220 bzw. 220 a (W180) ist der erste Mercedes-Benz mit selbsttragender und modischer Ponton-Karosserie
1956: Mit Einführung des Typs Mercedes-Benz 220 S wird der Buchstabe S in der Mercedes-Oberklasse konsequent verwendet
1958: Für Sonderklasse-Status steht die erste S-Klasse mit damals noch innovativer, leistungssteigernder Benzineinspritzung, der 220 SE (W128)
1959: Die Mercedes-Modelle 220b (70 kW/95 PS), 220 S (81 kW/110 PS) und 220 SE (mit Saugrohreinspritzung 88 kW/120 PS), Baureihe W111, debütieren mit der weltweit ersten crashtestgeprüften und patentierten Sicherheitskarosserie mit Knautschzonen vorn und hinten. Im Interieur „entschärfte“ Ausstattung mit Prallpolstern und patentierten Keilzapfen-Türschlössern mit zwei Sicherheitsrasten. Publikumspremiere auf der Frankfurter IAA im September
1960: Um 1960 liegt der Auslandsanteil der Typen 220 b bis 220 SE bei gut 70 Prozent, mehr als 20 Prozent der Produktion gehen nach Nordamerika.
1961: Im August Serienstart des neuen Spitzenmodells Mercedes-Benz 300 SE (Baureihe W112) mit 118 kW/160 PS starkem Saugrohreinspritz-Sechszylinder und als erster Mercedes mit Vierrad-Scheibenbremsen. Alle Mercedes-Benz serienmäßig mit Verankerungspunkten für optionale vordere Sicherheitsgurte. Schrägschultergurte ersetzen die bisherigen Beckengurte. Mit den Modellen 220 SE und 300 SE (W111/W112) beginnt die S-Klasse, auch motorsportliche Erfolge zu erzielen, zunächst bei der Rallye Monte Carlo und der Rallye Akropolis, ab 1961 vier Jahre in Folge sogar beim Großen Straßenpreis von Argentinien
1962: Einführung der von Paul Bracq gezeichneten Coupé-Version der S-Klasse W111 als Typ 220 SE
1963: Das finale Design des künftigen 250 S/SE wird verabschiedet. Neues Spitzenmodell oberhalb von S/SE ist der Mercedes-Benz 600 (W100)
1964: Im Juli/August erfolgt der Produktionsauslauf für die Typen 220 b, 220 S, 220 SE und 300 SE. Größter kommerzieller Erfolg der W111-Typen war die Ablösung des Opel Kapitän als mitteleuropäischer Marktführer in der Oberklasse.
1965: Im August auf dem Hockenheimer Motodrom Pressevorstellung der neuen Oberklassemodelle 250 S (W108 II), 250 SE (W108 III) und 300 SE (W108 IV) als Nachfolger der Heckflossen-Reihe W111 (220 Sb, 220 SEb) und W112 (300 SE). Serienstart des neuen 300 SE (W109) bereits im August, die Typen 250 S und 250 SE folgen im September. Publikumspremiere feiern die Typen 250 bis 300 SE auf der IAA in Frankfurt. Das Design der maßgeblich von Paul Bracq gezeichneten Karosserie orientiert sich an den Formen der Coupés aus der Baureihe W111. Neu sind technisch vor allem die 2,5-Liter-Motoren, die eine Weiterentwicklung der bisherigen 2,2-Liter-Aggergate darstellen. Außergewöhnlich auch die serienmäßigen vier Scheibenbremsen. Ab Oktober neue Heizungsanlage mit sogenannter Sommerbelüftung und großen Luftdüsen im Armaturenbrett
1966: Im März Start des Spitzentyps 300 SEL (W109 III)
1967: Der erste Prototyp des 300 SEL 6.3 entsteht auf Coupé-Basis. Hans Werner Aufrecht gründet gemeinsam mit seinem Mercedes-Benz-Ingenieurskollegen Erhard Melcher die Firma AMG (Aufrecht Melcher Großaspach). Nach dem Aufbau von Rennwagen präsentiert AMG schnellere Ausbaustufen des Mercedes-Benz 300 SEL 6.3. Serienstart für den 300 SEL 6.3 (W109 E 63) als neues Spitzenmodell der Reihen W108 und W109 im Dezember, das Publikumsdebüt erfolgt aber erst im Februar 1968. Ab September neues Lenkrad mit Pralltopf für die S- und SE-Modelle, neuer Hauptbremszylinder u.a. Details im Zuge der Modellpflege. Ab November neue Schließanlage mit einem Haupt- und einem Nebenschlüssel, Kindersicherung hinten serienmäßig. Im Dezember endet die Fertigung von 300 SE (W108 IV) und 300 SEL (W109 III). Im Motorsport Klassensieg des 250 SE unter Petry/Eberhardt bei der Tour d’Europe
1968: Im Januar erfolgt der Produktionsauslauf des Mercedes 230 S als letztem Vertreter der Baureihe W111). Ebenfalls ab Januar neue Typen 280 S (W108 V 28), 280 SE/SEL (W108 E 28). Modellpflege, u.a. neue nur noch einteilige Radzierdeckel für 250 S, 280 S und 280 SE. Im Februar Serienstart des 300 SEL (W109 E 28). Im März Querlenker an Vorderachse modifiziert, ab September neue Hauptscheinwerfer mit geradem Glas. Schon im Januar Auslauf des 250 SE. Im Jahr 1968 gewinnt der 250 S den Rang des zuverlässigsten Oberklassemodells in einer Untersuchung eines Fachmediums. Der 300 SEL 6.3 gibt seinen Motorsport-Einstand im November beim Sechs-Stunden-Rennen von Macao mit dem ersten und dritten Platz im Gesamtklassement. Nach Reifenproblemen wird das Motorsportengagement in der Folgezeit vorläufig beendet
1969: Auf der Frankfurter Internationalen Automobil-Ausstellung debütieren die Typen Mercedes 300 SEL 3.5 (W109 E 35/1) mit langem Radstand und Luftfederung (Nachfolger des Sechszylinders) und das Coupé 280 SE 3.5 (W111 E 35/1) sowie das Cabriolet 280 SE 3.5 (W111 E 35/1) zeitgleich mit dem Wankel-Experimentalfahrzeug Mercedes C 111. Der unter Konstrukteur Adolf Wente neu entwickelte 3,5-Liter-V8-Motor vom Typ M 116 in den SE/SEL-Typen gilt als vergleichbar in der Laufkultur mit dem Kreiskolbenmotor. Schon im März erfolgte das Produktionsende für den 250 S. Ab Mai für alle Sechszylinder neue Schalt- und Automatikgetriebe, breiterer Getriebetunnel und andere Modifikationen wie Tachoanzeige bis 240 km/h. Ab August neue Innenausstattung und serienmäßige Warnblinkanlage sowie weitere Detailmodellpflegemaßnahmen. 6,8 Liter Hubraum und 370 PS Leistung erzielt nun die Mercedes-Motorsportversion des 300 SEL. Damit qualifiziert sich der 300 SEL 6.8 für die 24 Stunden von Spa in den Ardennen, allerdings startet der Mercedes nicht, als die FIA nicht die für den 300 SEL notwendigen breiten Reifen erlaubt. Ab Oktober entfällt beim 300 SEL 6.3 die Innenbelüftung der hinteren Bremsen. Im November startet der 300 SEL 3.5 (W109 E 35/1) mit V8 und Doppelscheinwerfern wie beim 6.3. AMG kauft einen Unfallwagen des Typs 300 SEL 6.3 und transformiert diesen mit 6,8-Liter-V8-Maschine zum Renntourenwagen
1970: Im Januar Serienende für den 300 SEL (W109 E 28). Ab August Hohlraumkonservierung serienmäßig für die SE- und SE-Typen. Der Tuningspezialist AMG bietet zwei nachgeschärfte 6,3-Liter-Varianten mit 290 PS und 320 PS. Der AMG mit 320 PS bietet 542 Nm Drehmoment und eine Vmax von 236 km/h, dies für 8.620 Mark Aufpreis gegenüber dem 300 SEL 6.3
1971: Anfang des Jahres modifiziertes Automatikgetriebe, geänderte Hinterachsübersetzung (neu 1:3,46 statt 1:3,69). Im März Serienanlauf für 280 SE 3.5 und 280 SEL 3.5 (W108 E 35). Im April Produktionsende für 280 SEL. Ab Mai wird in Nordamerika der 300 SEL 4.5 mit 4,5-Liter-V8 (Motorenbaureihe M117) angeboten. Hinzu kommen später 280 SE/SEL 4.5, von denen 13.527 bzw. 8.173 gebaut werden. Mercedes-Tuner AMG baut einen Renntourenwagen auf der Basis des 300 SEL 6.3 mit 6,8-Liter-V8 und 420 PS Leistung. Schon beim ersten Renneinsatz hinter einem Ford Capri zweiter Platz beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. Im Juli endet die Produktion von 280 SE 3.5 Coupé und Cabriolet. Mit Preisen ab zuletzt 33.688 Mark (Coupé) bzw. 37.351 Mark (Cabriolet) sind sie rund ein Drittel teurer als der parallel auslaufende Roadster 280 SL. Vorstellung und Marktstart für den Mercedes 350 SL (R107) mit 3,5-Liter-V8, der als 350 SLC das 280 SE 3.5 Coupé ersetzt
1972: Im September Produktionsende für 280 SE, 280 SE 3.5, 300 SEL 3.5 und 300 SEL 6.3. Der 280 SEL 3.5 verabschiedet sich schon im August. Nachfolger wird die neue S-Klasse der Baureihe W116. In ihrer Zeit waren die S-Klasse-Modelle W108/109 die erfolgreichste Oberklasse-Modellreihe Europas. Offizielle Einführung der Bezeichnung „S-Klasse“ mit Vorstellung der Baureihe W116. Erfolgreichster S-Klasse-Typ (Motorisierung) aller Zeiten ist der neu lancierte 280 SE (W116), der bis 1980 in 150.593 Einheiten gebaut wird
1979: Die S-Klasse-Limousinen der Baureihe W126 werden auf der IAA Frankfurt vorgestellt mit vier Motoren vom 2,8-Liter-Vergaser-Sechszylinder mit 156 PS bis zum 5,0-Liter-V8 mit 240 PS Leistung
1981: Ein 300 SEL Landaulet (W109 III), das unter Papst Paul VI in den Fuhrpark des Vatikans integriert wurde, wird nachträglich gepanzert und bleibt bis 1985 im Dienst
1991: Nach Vorstellung der S-Klasse W140 auf dem Genfer Salon im März läuft die Baureihe W126 im Oktober allmählich aus. Mit dem 600 SE/600 SEL hält auch bei Mercedes-Limousinen ein V12-Motor Einzug, eine Antwort auf die Konkurrenz von BMW
1998: Generationenwechsel, als neue S-Klasse debütiert im Herbst die Baureihe W220, äußerlich überrascht das neue Spitzenmodell durch Understatement-Design und konstruktiv durch Leichtbau
2005: Die Baureihe W221 wird eingeführt und überrascht mit Innovationen wie aktivem Nachtsicht-Assistenten und ab 2009 als S 400 Hybrid mit Hybridantrieb sowie als erster deutscher Serien-Pkw mit Lithium-Ionen-Batterie
2013: Im Mai endet in Sindelfingen die Fertigung der Baureihe W221 nach rund 550.000 Einheiten. Die neue S-Klasse W222 setzt als erstes Auto weltweit ausschließlich auf LED-Leuchten
2014: Der S 500 Plug-in Hybrid ist der erste serienmäßige Plug-in-Hybrid von Mercedes-Benz. Mit der Mercedes-Maybach S-Klasse führt der Daimler-Konzern erneut eine Modellreihe ein, die oberhalb der konventionellen S-Klasse positioniert ist
2020: Im September Vorstellung der bis heute aktuellen Mercedes-Benz S-Klasse (W223). China ist der weltweit wichtigste Markt für die S-Klasse und zehn Prozent der chinesischen Käufer erwerben mit der S-Klasse ihr erstes Auto überhaupt
2025: 60 Jahre Mercedes W108/109 feiern Clubs und Mercedes mit verschiedenen Aktionen
Wichtige Motorisierungen Mercedes-Benz 250 S bis 300 SEL 6.3 (W108/109)
Mercedes 250 S mit 2,5-Liter-Sechszylinder-Benziner (96 kW/130 PS)
Mercedes 250 SE mit 2,5-Liter-Sechszylinder-Benziner (110 kW/150 PS)
Mercedes 300 SE/300 SEL mit 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner (125 kW/170 PS)
Mercedes 280 S mit 2,8-Liter-Sechszylinder-Benziner (103 kW/140 PS)
Mercedes 280 SE/SEL mit 2,8-Liter-Sechszylinder-Benziner (118 kW/160 PS)
Mercedes 280 SE/SEL 3.5 mit 3,5-Liter-V8-Benziner (147 kW/200 PS)
Mercedes 300 SEL (W109 E 28) mit 2,8-Liter-Sechszylinder-Benziner (125 kW/170 PS)
Mercedes 300 SE/SEL 3.5 mit 3,5-Liter-V8-Benziner (147 kW/200 PS)
Mercedes 300 SEL 6.3 mit 6,3-Liter-V8-Benziner (184 kW/250 PS).
Ausgewählte Produktionszahlen Mercedes-Benz 250 S bis 300 SEL 6.3 (W108/109)
250 S (W108 II): 74.677 Einheiten (1965-1969)
250 SE (W108 III): 55.181 Einheiten (1965-1968)
300 SEb (W108 IV): 2.737 Einheiten (1965-1967)
300 SEL (W109 III): 2.369 Einheiten (1966-1967)
280 S (W108 V 28): 93.666 Einheiten (1968-1972)
280 SE/SEL (W108 E 28): 91.051/8.250 Einheiten (1968-1972/1971)
280 SE/SEL 3.5 (W108 E 35): 11.309/951 Einheiten (1971-1972/1971-1972)
300 SEL (W109 E 28): 2.519 Einheiten (1968-1970)
300 SEL 3.5 (W109 E 35/1): 9.583 Einheiten (1969-1972)
300 SEL 6.3 (W109 E 63): 6.526 Einheiten (1967-1972).
FAQ: 60 Jahre Mercedes-Benz W108/109
Was ist der Unterschied zwischen Mercedes W108 und W109?
Die Baureihe W108 verfügt über eine herkömmliche Stahlfederung, während der W109 (erkennbar am „L“ für Lang oder Luftfederung) serienmäßig mit einer aufwendigen Luftfederung und oft längerem Radstand ausgestattet war.
Warum ist der Mercedes 300 SEL 6.3 so legendär?
Er kombinierte 1968 die schlichte Karosserie des W109 mit dem gewaltigen V8-Motor der Repräsentationslimousine Mercedes 600. Mit 250 PS und einer Beschleunigung von 6,5 Sekunden auf 100 km/h deklassierte er zeitgenössische Sportwagen.
Wer designte die Mercedes W108/109 Reihe?
Die Linienführung stammt von Paul Bracq, der auch für Ikonen wie das „Pagoden“-Dach des 230 SL und den Mercedes 600 verantwortlich war.